Wiener Gschichten - Nr. 2:

Das faule Ei


Passend zur mittlerweile schon verstrichenen Osterzeit, wo sich die gekochten und eingefärbten Eier mittlerweile im Kühlschrank stappeln, und ich nun echt schon keinen Eiersalat, Eiaufstrich oder einfach geblättertes Ei auf Brot sehen kann, möchte ich Dir etwas erzählen.

Stell Dir vor, Sizilien 1923, ach Quatsch, Anfang April im hier und jetzt. Du lernst einen absolut netten Typ kennen, so richtig mit Herzklopfen und Zeit-stehen-bleib-Gefühl. Übliches schwules Kennenlernen, zuerst Bett dann Reden - aber es passt zwischen Euch.

Glück pur sozusagen. 1 Woche lang heftiges Flirten am Telefon, Kennenlernen, immer netter finden, Verliebtsein liegt in der Luft. Was hat das alles mit einem faulen Ei zu tun?

Stellt sich doch raus, bei Eurem nächsten Treffen, nach dem Begrüssungsbussi auf die Wange warst Du klarerweise schon hellhörig ( wer küsst frischverliebt wie ein Bekannter?), dass der gute Mann es sich doch anders überlegt hat, weil es nicht so abläuft wie er sich das vorstellt [es müsste ja so und so sein - klare Vorstellung von einer nichtexistierenden Realität], und der Hammer kommt ja noch: Man/n kann durch das bisher Erlebte Gefühle nicht mehr so zulassen, Menschen nicht mehr soran lassen an sich etc. etc.

Klarer Fall, Du hast Dir aus dem Osterhasennest das offensichtlich schönste Ei genommen, und tja, schon beim Öffnen - Oh Gott - die Nase gerümpft, das Ei war faul!!!

Ich lern daraus, mir zu Ostern nicht mehr so viele Eier zu gönnen, und die geschenkten gleich weiter zu verschenken. Und die offensichtlich Schönsten sind nicht die Besten.

Nächster Mann, Du hast es verdammt schwer bei mir, willst Du den Eiertest bestehen.

Greta Garbitch