| Schwule tragen auch andere Farben als Rosa. Nicht in jedem lesbischen Dekolleté baumelt eine Doppelaxt. Muss auch nicht sein. Denn wir haben The sixth sense
Was also macht das Gaydar aus? Es ist dieses spezielle Gefühl der plötzlichen Gewissheit, das sich nur schwer näher beschreiben lässt. Genauso schwierig ist es herauszufinden, wie das innerliche Radar funktioniert. Macht es sich allein an Äußerlichkeiten fest? Wohl kaum. Aber ganz ohne Kramen in der Klischeekiste kamen meine Freundinnen und ich nicht aus, als wir vor kurzem über dieses Thema diskutierten. Ich hatte sie um ihre Meinung gebeten, als wir uns natürlich rein zu Forschungszwecken in einem Lokal im Univiertel getroffen hatten. S schlug vor, Frauen, die einer bekannt vorkamen, näher ins Auge zu fassen und zu überlegen, ob man sie nicht „irgendwo schon mal gesehen“ hatte (Insider wissen, was gemeint ist: diese praktische Phrase steht für sämtliche Szenefeste und lokale). Das Nachfragen á la „Warst du am Freitag nicht auch im XY?“ ist so weitaus ungefährlicher. Schüchterne Zeitgenossen und Genossinnen halten die Augen beim nächsten RoSy-Fest einfach ein bisschen weiter offen. Noch immer aber hatten wir die Frage des genauen Funktionierens noch nicht geklärt. D warf ein, dass es möglicherweise Verhaltensweisen gäbe, die Lesben bzw. Schwule an den Tag legten, teilweise ohne es zu bemerken. M’s Blick hellte sich bei diesen Worten auf und sie erzählte von der Art, auf die Shane (den Fans von „The L Word“ bestens bekannt) ihr Bier trank. Diese bestimmte Coolness sei ihr schon bei mehreren lesbischen Mädels, die sie kannte, aufgefallen und somit offenbar denen vorbehalten. Die anschließende Vorführung des lesbischen Biertrinkens musste leider aufgrund unserer hysterischen Lachanfälle vorzeitig abgebrochen werden. Kontrovers diskutiert wurde auch, ob Lesben „männlich“ und Schwule „weiblich“ gehen (wie gesagt, wir kramten in der Klischeekiste) oder ob sich aufgrund der Klamotten Rückschlüsse auf die Orientierung ziehen lassen (es also eventuell einen gay/lesbian style innerhalb der Community gibt und Butch/Femme sich zurückmelden, frei nach „Totgeglaubte leben länger“). Einig waren wir uns zumindest in einem Punkt: Es liegt anscheinend viel an den Blicken, die man einer anderen Frau zuwirft und an der Art, wie diese erwidert werden, unabhängig von Haar- oder Fingernagellänge. Was genau diesen Blick jetzt aber ausmacht und was der exakte Inhalt der eigenen inneren Checklist ist, konnten wir an diesem Abend nicht entschlüsseln. Solange sich keine klugen Menschen anschicken, dem „special something“ wissenschaftlich auf die Schliche zu kommen, bleibt das Gaydar wohl ein Mysterium. Was nicht weiter schlimm ist. Manchmal ist es nicht so wichtig zu wissen, wie etwas funktioniert, solange die Gewissheit da ist, dass es funktioniert. Da verhält es sich wie mit Schichtnougat: Ich weiß auch nicht, warum es so verdammt lecker ist, aber das Glücksgefühl „danach“ steht für sämtliche tausend Kalorien …
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