| Fernsehen zum Gernsehen Von Quotenschwulen, spätabendlichen TV-Freuden und warum runde Silberscheiben zu den tollsten Erfindungen der Menschheit gehören
Zu meiner großen Freude werden die homosexuellen Charaktere im Fernsehen immer zahlreicher. Damit meine ich nicht die obligatorische Tunte in diversen Romantik-Schmonzetten, die mit Vorliebe rosa Hemden trägt, Dekorateur in einem Modehaus und nebenberuflich beste Freundin der Hauptdarstellerin ist. Nein, auch nicht Walter in der niveaumäßig fraglichen deutschen Serie „Hinter Gittern Der Frauenknast“, die übrigens sämtliche Klischees bedient, die über Lesben so herumschwirren (Mannsweib siehe Spitzname, tiefe Stimme und ein Auftreten, das Geschichten über hässliche und ungepflegte Lesben aus der Märchenabteilung zurückholt). Ich denke da beispielsweise eher an „Buffy“, wo man über den Inhalt der Serie geteilter Meinung sein kann (ich hab’s geliebt vielleicht lag das auch an Eliza Dushku). Jedenfalls führen die Protagonistinnen Willow und Tara eine Beziehung, die spannenderweise sehr viel Platz in der Serie bekommt und durchwegs positiv/gleichwertig dargestellt wird. Ihre Liebe findet ein tragisches, aber bei der Darstellung von lesbischen Charakteren unheimlich populäres Ende: Tara muss sterben. Gewisse Filme, die in der Community bekannt und beliebt sind, schaffen es selten bis ins normale Fernsehprogramm. Wer „Titanic“ dramatisch findet, hat „Lost and Delirious“ noch nicht gesehen, „But I’m a Cheerleader“ ist eine nette Abwechslung zu diesen Amerikanischer-Apfelkuchen-Filmen und „D.E.B.S“ (der Kurzfilm) ist um einiges lustiger als „Charlie’s Angels“. Filme mit und um Homosexualität gibt es genug, nur senden muss man sie. Vielleicht haben die Programmverantwortlichen Angst, wie die Thematik bei den SeherInnen ankommt. Keine Sorge, die packen das: Pilcher-Verfilmungen (natürlich nuuur wegen der Landschaft), 80er-Jahre-Sitcoms, bestialische Morde in CSI Hintertupfing und modischen Entgleisungen bei Starmania. Dermaßen an das Grauen gewöhnt, sollten einander küssende Männer niemanden mehr aus den Socken heben. (Ich schreibe hier absichtlich von den Männern, denn wenn Frauen sich küssen, erregt das meist nicht Unmut, sondern anderes. Der Vollständigkeit halber sei auch gesagt, dass ich mir zwar Filme mit lesbischen Charakteren zu besserer Sendezeit als 22 Uhr wünsche, das Nachtprogramm einiger Sender allerdings nicht dazuzählt)
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