| Irgendwo gibt's mehr davon:
Lesben, Schwule, Dattelpalmen
Irgendwann kommt der Zeitpunkt im Leben eines nicht-heterosexuellen Menschen, in dem man glaubt, man sei die einsamste Person auf der ganzen Welt. Inmitten der StudienkollegInnen, der Jungschargruppe oder auf dem Familienfest fühlt man sich ähnlich wie eine Dattelpalme in der Sahara: Die weiß auch, dass es irgendwo noch andere wie sie geben soll aber zu sehen sind sie nicht.
Ich spreche da aus Erfahrung: Aufgewachsen in einer ländlichen Kleinstadt war ich umgeben von drei möglichen Lebensformen: Keine Beziehung (Single), Frau-Mann-Beziehung oder zu jung für Beziehung. Sich küssende Frauen oder Händchen haltende Männer waren im Stadtbild (und auch sonst) nicht vorhanden. Mein Schluss daraus: „In meinem Kaff bin ich die Einzige. Aber wo bitte verstecken sich die anderen?“
Nun, als Kind des Internetzeitalters wusste ich, dass es da noch eine Möglichkeit gab, das herauszufinden. Ich setzte mich also vor den PC und googelte nach „Lesben“. Auweia. „Willige Lesben suchen Spielgefährten“, „Heiße Lesben-Pics“ um nur einige der Resultate zu nennen. Irgendwie sorgte dieses Suchergebnis für Frustration, doch ich wollte nicht aufgeben und hatte schon bald ein Forum für lesbische Frauen gefunden. Lesben aus Deutschland, Österreich und der Schweiz unterhielten sich dort über alles Mögliche: Fortgehen, ihre Freundinnen und Beziehungen, Sport, die neuesten Hollywood-Schinken und alles, was sie sonst noch interessierte. Die Linksammlung der Seite war erfreulich pornofrei und so wuselte ich mich durch New Yorker Ausstellungskataloge, spanische Liebesgedichte und geschichtliche Texte zum Thema. Nur eines hatte ich noch nicht getan: Mich mit anderen getroffen. Es solle Lokale für Frauen geben, hatte ich gehört, auch solche nur für Männer.
Zwei Jahre später zog ich nach Graz und beschloss, mir ein solches Lokal auch von innen anzusehen. Irgendwie musste es ja möglich sein, andere Schwule und Lesben kennen zu lernen. Das Schicksal meinte es gut mit mir. Ich las in der mUNItion von einem „LesBiSchwulen Tutorium“, in dessen Rahmen man auch gemeinsam „in die Szene gehen“ würde. Ich sah mein Dattelpalmendasein als glücklicherweise beendet an und marschierte mit einer Alles-oder-Nichts-Haltung zum ersten Tutorium.
Liebe LeserInnen, bitte ruft euch den ersten Absatz dieser Kolumne wieder ins Gedächtnis. Zur Erinnerung: Ich war alleine. Bis zu diesem Abend. Da saß ich plötzlich gemeinsam mit 25 anderen Jungs und Mädels verschiedener Nervositätsgrade in einem krachvollen Raum auf der ÖH. Und sie sahen alle so verdammt normal aus … Jaja, Klischees sind was Dummes, vor allem, wenn man selbst drauf reinfällt. Wir trafen uns regelmäßig beim Tutorium, bald auch privat und schon waren erste Freundschaften entstanden. So war es auch einfacher, sich in „die Szene“ zu trauen. Wir gingen gemeinsam zu einem RoSy-Fest in die Postgarage (mittlerweile ein Fixpunkt), zum Frauenabend ins Miró und schauten öfters bei Gundl im 1st act vorbei. Traurigerweise gibt es die beiden letzten Lokale nicht mehr. Doch zum Thema „Szene“ könnte man Bände füllen.
Beschränkt sich die Szene nur auf festgelegte Räume oder machen die Leute die Szene aus? (Da gehen die Meinungen auseinander.)
Kann man die Gerüchteküche am Brodeln hindern? (Nein, außerdem wäre es ohne Klatsch auch nur halb so lustig.)
Gehen alle Homos in die Szene? (Ich glaube nicht, denn da auch Lesben und Schwule verschieden sind, trifft nicht alles jederfraus Geschmack.)
Letztendlich bleibt es jedem und jeder selbst überlassen, was er oder sie machen möchte. Da bietet sich mal an, die Nacht durchzufeiern (www.RoSy.at), das LesBiSchwule Tutorium zu besuchen und mit den OrganisatorInnen des ebensolchen Unifestes zu plaudern (www.gaystudent.at), sich die Fotos der letzten schwullesbischen Veranstaltungen anzusehen, Theaterkritiken zu lesen und sich kulinarische Impulse fürs nächste Date zu holen (www.gundl.at) oder mit anderen über Gott und die Welt zu plaudern (www.rlp.homo.at/hug).
Wo immer unter dem Regenbogen du auch bist have fun!…
Text: Christa Pail
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