| Bericht vom Festakt "Freigeboren":
5 Jahre Courage
Anlässlich des fünften Geburtstags von Courage wurde ins Palais Eschenbach geladen, um dort in gehobenem Rahmen ausgiebig zu feiern.
Courage ist die erste anerkannte Beratungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen. Dass dafür Bedarf besteht, hat Mag. Johannes Wahala, Leiter der Beratungsstelle, in einem kurzen Überblick über ihre Tätigkeit aufgezeigt. 5000 Menschen aus ganz Österreich wurden in den 5 Jahren des Bestehens persönlich, telefonisch und online beraten und begleitet.
Die Themenvielfalt ging dabei von Coming-Out über Partnerschaft und Lebensperspektiven bis zu Sexualität und Rechtsfragen.
Der Festakt, der am Tag der Menschenrechte stattfand, stand unter dem Motto „Freigeboren“, um zum Ausdruck zu bringen, dass es sich bei der sexuellen Orientierung bzw. geschlechtlichen Identität eines Menschen um ein Grund- und Menschenrecht handelt.
Das Interesse war so groß, dass der Saal noch größer sein hätte müssen um alle BesucherInnen mit Sesseln zu versorgen. Selbst das durchaus lange Programm von 17.00 bis 21.00 konnte die Anzahl nicht verringern, aber das durchaus zu Recht. Die Vorstellung diverser Prominenter und PolitikerInnen wurde angenehm kurz gehalten und das Hauptaugenmerk auf gute Vorträge und Diskussionen von Fachleuten gelegt. Die Schlagwörter waren die Entpathologisierung der Transidentität und der Kampf um Vielfalt der Lebensweisen weg von heteronormativen Grundsätzen.
Der Festvortrag von Univ. Prof. Dr. Udo Rauchfleisch über „Homosexualität und Transidentität, Lebensweisen Vorurteile Einsichten“ gab Einblicke in die Situation in der Schweiz. Er forderte eine einschlägige Ausbildung in allen sozialen Berufen und eine Verbesserung der rechtlichen Situation einschließlich Adoptionsrecht und Aufrechterhaltung der Ehe bei Geschlechtsumwandlungen. Das Publikum pflichtete der Forderung bei.
Schließlich sind Homopartnerschaften „Vorbilder in Bezug auf Rollenverteilung und ein normales Nähe/Distanz-Verhältnis der PartnerInnen“ also in Wahrheit sollten sich Heteropartnerschaften nach uns richten ;-).
Bei der anschließenden Podiumsdiskussion zum Thema „Vielfalt der Lebensweisen Herausforderung und Ressourcen des 3. Jahrtausends“ wurden psychologische, rechtliche und politische Aspekte besprochen. Auch aktuelle Themen wie das Vatikandokument wurden andiskutiert. Aufgeworfen wurde dabei die Frage, ob man nicht nach dem Antidiskriminierungsgesetz, das auch für die Berufsausübung des Priesteramts gilt, die Anerkennung von homosexuellen Priestern juristisch durchfechten könnte Rechtsanwalt Dr. Helmut Graupner ruft alle auf, das doch einmal zu probieren. Warum das bis jetzt noch keine Frau versucht hat, sei einstweilen dahingestellt.
Leider blieb wie immer viel zu wenig Zeit für Publikumsfragen.
Abgerundet wurde der Festakt von wunderbarer Musik der Gruppe Concentus 21, Armin Egger an der Gitarre, Angela Zwettlers Ausstellung „vagina akte und olgas landscape“ und einer großen Geburtstagstorte mit anschließendem reichhaltigen Buffet.
Text: Babette Hebenstreit
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