Das war die Regenbogenparade 2005:

Don't Rain On Our Parade!


Die 10. Wiener Regenbogenparade am 2. Juli 2005 war, wie wir meinen, ein veritabler Erfolg.

Aufgrund der unsicheren Wetterlage noch am Vormittag war nicht abzusehen, wie groß der Ansturm am Ring sein würde - oder eben nicht. Als sich gegen 15 Uhr, wie immer als Vorhut, die Dykes On Bikes bei leichtem Nieselregen in Bewegung setzten, wurde aber sehr schnell klar: Alle Bedenken waren unbegründet. Zehntausende säumten auch im heurigen Jahr die Ringstraße um gemeinsam mit den - rekordverdächtig vielen - aktiven Teilnehmenden ein Zeichen zu setzen, klar Stellung zu nehmen: Für Vielfalt. Gegen Diskriminierung.

Über 30 Gruppen waren es, die mit Sattelschleppern, LKWs, PKWs, Fiakern, Fahrrädern, Motorrädern, KloSCHÜSSELn (!), oder zu Fuß andersrum über den Ring rollten und marschierten.

Einige der Highlights: Die "austrian gay professionals" (agpro) waren mit Europas größte Regenbogenfahne (60x6m) vertreten, die Wiener Antidiskriminierungsstelle war mit einem Mahnmal für die homosexuellen NS-Opfer mit dabei, Günter Tolar traute auf dem mobilen Standesamt Heiratswillige und -wütige und das Team von "geheimsache:leben" bot einen ersten Einblick in die im Herbst beginnende Ausstellung. Besonders erfreulich heuer: die Gedenkminute um 17 Uhr war besser koordiniert und kommentiert als bisher.

Das aufklarende Wetter tat das seine zur hervorragenden Stimmung; die Schlusskundgebung am Heldenplatz konnte bei strahlendem Sonnenschein abgehalten werden. Naja, was soll ma sagen: Uns hat es - Symbolcharakter hin oder her - in den Vorjahren im Museumsquartier besser gefallen. Sicher: Die große Grünfläche samt Liegestühlen ist schon seeehr nett. Sicher: Der offene Charakter und die Prachtbauten sind eine Wahnsinnskulisse. Sicher: Der historische Hintergrund. Aber: Die Programmgestaltung schien nicht wirklich auf die Dimensionen von Bühne und Platz abgestimmt - wir wagen zu behaupten, dass vor allem der erste Live-Act sowie die unzähligen mittelmäßigen Intermezzi der DJs das Publikum gelangweilt haben. Trotzdem Lob: Die meisten auftretenden KünstlerInnen boten wirklich Hochkarätiges.

Wie immer auch zugegen: die hässlichste Drag-Queen und das nervigste Glühwürmchen der Szene-Nation.
Bleibt die Frage: was macht eine überdimensionale Dose Olivenöl auf der Regenbogenparade?

Text: Michael Langer