| Die Wahlmonarchie im Herzen Roms hat einen neuen Vorbeter:
Habemus Papam
Wir haben einen neuen Papst! Der von Insidern schon lange als Favorit gehandelte Kardinal Josef Ratzinger aus Deutschland machte tatsächlich das Rennen um den Heiligen Stuhl in Rom. All jene, welche sich einen progressiven Papst gewünscht hatten, welcher die Kirche wenn schon nicht ins 21., so doch wenigstens ins 20. Jahrhundert führen würde, müssen warten. Die langjährige Taktik von Papst Johannes Paul II., sämtliche Reformbestrebungen durch Ernennung von konservativen Bischöfen und Kardinälen von vorneherein zu unterbinden, hat sich nun auch nach seinem Tod als äußerst wirkungsvoll herausgestellt.
Nun bleibt nur mehr abzuwarten, wohin uns das Pontifikat von Benedikt XVI. führen wird. Die Richtung scheint allerdings schon vorgezeichnet. Es wird wohl keine Zeit der großen Veränderungen, geschweige denn Reformen werden.
Die Aufbruchstimmung der Amtskirche während des II. Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) wird auch der jetzigen Kirchenführung ein vollkommen fremdes Gefühl bleiben. Es steht wohl zu erwarten, dass die Amtszeit von Papst Benedikt XVI. eher durch Beständigkeit, als durch neue Ideen geprägt sein wird. Sozusagen eine kirchengeschichtliche Verschnaufpause, bevor sich dann hoffentlich doch etwas ändert. Solange wie das vorangegangene Pontifikat wird das gegenwärtige allerdings nicht dauern, bedenkt man dass der jetzige Papst im Zeitpunkt seiner Amtseinsetzung um genau 20 Jahre älter ist als damals Johannes Paul II.
So hat die römisch katholische Kirche nunmehr wohl ein Oberhaupt, welches als Kirchenpolitiker- und Diplomat hohes Ansehen genießt - aber als Oberhirte wird er meiner Ansicht nach weniger eine Lichtgestalt, als eher ein globaler Vorbeter sein.
Text: Dr. Walter Rudich
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