| Schwuler Sex im Bild:
Men in Action
(Graz). Der Vortrag „Men in Action Kulturgeschichte des schwulen Sex im Bild“ bei den Rosalila Pantherinnen im Feel Free am 6. Mai war ein genialer Abriss über die Geschichte der bildlichen Darstellung von schwulem Sex durch alle Epochen. Ganz wie dereinst in der Schule wurden sämtliche Epochen der Geschichte durchleuchtet.
Allerdings war das Thema der akribischen Spurensuche eben eines, welches in der Schule peinlichst vermieden worden ist und deswegen äußerst interessant. Referent Hanspeter „Wüschi“ Weingand hatte in aufwändiger Recherche sämtliche Materialien zusammengetragen und diese zu einem chronologischen Spaziergang durch alle Zeitalter arrangiert.
Angefangen über das erste Bildnis, welches zwei sich umarmende Männer zeigt wohl ein Ornament auf einem gemeinsamen Grab zweier Männer im alten Ägypten von 2430 v. Chr. bis zu den Pornopix der Gegenwart spannte sich der Bogen um teilweise entblößte, nackte und kopulierende Männer. Der geneigte Zuschauer erfuhr, dass Darstellungen von Sex zwischen Männern nicht unbedingt als Ausdruck von Libido zu verstehen sind. So zeigte ein Staatssiegel aus dem alten Persien aus dem 7. bis 6. Jh. v. Chr. die erste Analverkehrszene mit unverkennbarer Deutlichkeit. Allerdings soll damit wohl eher eine abschreckende Geste der Unterwerfung dargestellt werden (Glückliche Feinde des alten Persiens.... Anm. des Autors).
Der Streifzug durch die Zeiten führte über die Etrusker, welche als matriarchalische Gesellschaft wohl weniger Probleme mit der "Schwulerei" hatten, über die alten Griechen und Römer und dann kam das Christentum. Da war Schluss mit lustig. Die christliche Körperfeindlichkeit machte fast alle Variationen des Sex zu einer Todsünde und führte dazu, dass man für homosexuelle Handlungen den Scheiterhaufen zu fürchten hatte. Fast alle Ketzer wurden der Homosexualität bezichtigt und ungekehrt.
Aber auch amüsante geschichtliche Details waren Gegenstand des hervorragenden Vortrags. So wurden nach Michelangelos Tod im Jahr 1564 umgehend „Höschenmaler“ angestellt, welche die Lendenregionen der muskelstrotzenden Bibelgestalten mit wehenden Textilfetzen verhüllten. Der damalige Zeitgeschmack war nämlich in seiner Prüderie verletzt. Der geniale (und schwule) Maler hatte allzu freizügig dem männlichen Körper und seinen Genitalien gehuldigt. So fielen insgesamt 44 Darstellungen nackter Männer dem vatikanischen Rotstift zum Opfer.
Auch nach Frankreich führte der Exkurs. Dort wurden in vorrevolutionärer Zeit schwule Handlungen in Wort und Bild zuerst dazu verwendet, um die Kirche zu schmähen. Es waren nämlich immer „Pfaffen“, denen "Schwulerei" unterstellt wurde. Dies natürlich mit einer negativen Intention. Erst Marquis de Sade trat für eine freie Lebenseinstellung ein und rief dazu auf, zu tun, was einem gefällt. Das brachte ihn auch in die Bastille.
Dann wurde die Sache schon immer direkter. Im 19. Jh. musste zwar noch die Antike mit ihren Sagen als Verbrämung für die Darstellung von schwulem Sex herhalten, aber Anfang des 20. Jh. wurde der Porno geboren. Lange Zeit unter der Hand verteilt entwickelte er sich weiter, war aber nicht zu stoppen...
Leider konnte ich bei weitem nicht alle Themen des Vortrages wiedergeben da wäre eine allzu lange Abhandlung daraus geworden. Wir alle hoffen aber darauf, dass es eine Wiederholung geben wird.
Text: Walter Rudich
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