Zur Lage der Szenelokale:

Disco Szenario vor dem Aus!?



(Graz). Wieder einmal muss ein Szenelokal offensichtlich seine Pforten schließen. Nachdem es zuerst geheißen hat, das SZENario sei wegen einer Lungenentzündung des Lokalbesitzers Lois* kurzfristig geschlossen und werde in Kürze wieder öffnen „ziert“ nun das Schild „Einzigartiger Gewölbekeller mit längster Theke von Graz ab sofort zu vermieten....“.

Leider muss unter diesen Umständen davon ausgegangen werden, dass das neueste Kind der Grazer Szene nach nicht einmal zwei Monaten nunmehr nicht weiterbetrieben werden kann - zumindest gibt es hierfür keine Anzeichen.

Beim Auf und Ab der Szenelokale drängt sich natürlich auch einmal ein Nachdenken über die Ursachen auf. Sicherlich. Viele Schwierigkeiten der Gastronomiebetriebe sind hausgemacht: mangelnde kaufmännische Kenntnisse, Euphorie statt Rechenstift, eine große Anzahl an Lokalen für eine an sich eher kleine Zielgruppe, mangelndes Qualitätsbewusstsein usw..

Darüber hinaus müssen aber auch die Rahmenbedingungen für Homo-Lokale in Graz einmal näher unter die Lupe genommen werden:

Während etwa die Stadt Wien massiv die Werbetrommel für den Gay-Tourismus rührt und so dazu beiträgt ein buntes Szeneangebot zu ermöglichen, fällt der Grazer Bürgermeister Nagl (ÖVP) lediglich mit inkompetenten, menschenverachtenden und inakzeptablen Meldungen auf.
Eigentlich wäre unsere Landeshauptstadt eine ideale Destination für kulturintessierte lesbische und schwule TouristiInnen, doch weder von der Stadtpolitik noch von der Graztourismus kommen Impulse für eine Belebung der Community. Vor allem die Tatsache, dass das Kulturjahr 2003 zur Belebung des Gay-Turismus überhaupt nicht genutzt wurde ist eigentlich eine Schande.

Lediglich wird das Kunsthaus plötzlich ausgiebigst für "Gay-Events" genutzt, was die angespannte finanzielle Situation der Lokale noch weiter verstärkt. Offensichtlich scheinen wir für die Defizitminderung diverser Kultureinrichtungen dann ja noch einigermaßen gut genug zu sein. Gleich ergeht es übrigens auch den Rosalila PantherInnen, deren Tuntenball nicht nur nicht von der Stadt unterstützt, sondern im Gegenteil noch mit ca. 8.000 Euro Lustbarkeitsabgabe belastet wird! Kein Wunder, dass die Kartenpreise ständig steigen. Die Fußballvereine oder auch der Grazer Opernball sind übrigens von dieser Gemeindeabgabe ausdrücklich befreit.

Allerdings dürfen wir die Schuld natürlich nicht der Politik alleine in die Schuhe schieben. Als Verein für les-bi-schwule Subkultur müssen wir selbstkritisch anmerken, dass auch von unserer Seite und von Seite der anderen Vereine mit wenigen Ausnahmen (Tuntenball, Gay&Lesbian Nights,....) nicht genug getan wird, um Graz innerhalb und außerhalb von Österreich besser zu vermarkten bzw. eine Vermarktung von der Politik vehement einzufordern. Natürlich wäre es auch hilfreich, wenn gewisse Politiker einfach bei Gelegenheit ihre Privatmeinung nicht zum Schaden der Stadt verkünden würden.

Nehmen wir uns also an der Nase und versuchen wir gemeinsam, die Versäumnisse der Politik ein wenig auszugleichen und die Linksmehrheit im Grazer Rathaus daran zu erinnern, dass diese Mehrheitsverhältnis ohne unsere Stimmen wahrscheinlich nicht zustande gekommen wäre - ist ja nicht unser Verschulden, dass KPÖ und SPÖ einen Bürgermeister Nagl nicht verhindert haben.

*Alois Kerschenbaumer alias Lois konnte für eine Stellungnahme leider nicht erreicht werden.