| Von "Warmen" und "Lesbierinnen":
Sprachliche und Alltagsdis-
kriminierung von anders
l(i)ebenden Menschen
(Graz). Die Sprachwissenschaftlerin Shenja Paar, Daniela Grabe (Grüne Andersrum) und Kurt Krickler (HOSI Wien) diskutierten kürzlich in der Grünen Akademie über sprachliche und andere "alltägliche" Diskriminierung von LesBiSchwulen und Transgender-Personen. Über 40 Interessierte lauschten gespannt, diskutierten und labten sich an dem anschließenden geselligen Umtrunk.
Diskutiert wurden Fragen wie: Durch welche Begriffe fühlen wir uns diskriminiert (oder einige von uns), welche Begriffe haben "wir" uns zurückerobert? Sind "wir" überhaupt eine solche eindeutige Gruppe, als die wir des öfteren dargestellt werden? Und wer bestimmt, wer zu diesen und jenen Gruppen gehört?
Klar war bei allen ReferentInnen, dass die sprachliche Oberfläche nur ein (kleiner, nicht zu vernachlässigender, aber auch nicht hauptbestimmender) Teil des Themas ist. Viel stärker wurde dann aber angeschaut, was sich hinter dieser sprachlichen Oberfläche verbirgt, was an grundlegender Missachtung oder Diskriminierung über diese sprachliche Oberfläche eigentlich entlarvt werden kann.
Der Bogen spannte sich von direkter Diskriminierung ("gut" und weniger gut gemeinte Schwulenklischees) über Ignorierung und Nicht-Mitdenken (speziell von lesbischen Frauen) in der Heter@- und homosexuellen Gesellschaft bis hin zu Fragen wie:Wie wird eigentlich "das Andere" konstruiert? Wer (oder welche) hat die Definitionsmacht, was als"normal" und was als "anders" zu gelten hat?
Welche Parallelen gibt es bei dieser prinzipiellen Konstruiertheit von Bildern zu anderen "anderen" Gruppen (Frauen, MigrantInnen, Minderheiten generell, AnhängerInnen des "falschen" Fußballklubs, Leute mit dem "falschen" Geschmack usw.)?
Amüsant waren dann die teilweise schon historischen (Selbst-)Bezeichnungen wie etwa die der "Bindestrich-Lesbe" (Schraubenzieher-, Latzhosen-, Lippenstift-, Jung- und sonstige Lesbe), die der "Mädchen", die halt "klitorale Fingerübungen" betreiben würden, oder jene aus den späten 50er Jahren, in denen von "Lesboiden", "schwulen Frauen" und "Homoöpathen" [sic!] die Rede war.
Folgeveranstaltungen sind jedenfalls in Planung.
Bericht und Fotos: Daniela Grabe
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