LeserInnenbrief von Leni:

Lila Mai -
was kam danach?

Dem Liebe Chefredaktion von gundl.at,

ich bitte um die ungekürzte Veröffentlichung des nachfolgenden Artikels.

Danke mit freundlichen Grüßen,

Leni Kastl

An die anderen AdressatInnen: Bitte um Kenntnisnahme


Lila Mai - was kam danach?

„LILA MAI – Lesbentage in Graz“ fanden vom Fr. 16. bis So. 18. Mai in unserer Kulturhauptstadt unter der Zusammenarbeit der lesbenspezifischen Einrichtungen Dyketime – Radiomagazin für Lesben (bei Radio Helsinki, Freies Radio Steiermark), RosaLila PantherInnen und Verein Labrys, sowie dem Stadtteilcafé Palaver statt.

Nach der eröffnenden Radiosendung wurde in den Räumen des feel free der RosaLila PantherInnen der Rahmen des freitäglichen Frauencafés für einen Vortrag zu Lesben und Gesundheit genutzt. Am Samstag Abend hingegen feierten hier die Lesben das Lila Maienfest mit einer Feuershow unter dem Vollmondhimmel. Dann war allerdings Disco angesagt, gekrönt von einer Tombola mit vielen Gewinnerinnen.

Allerdings hatten am Samstag schon tagsüber und dann auch am Sonntag Vorträge, Diskussionen und Workshops zu Kreativität, Lesbenszene, Homophobie, Symbole, die Klitoris und zur rechtlichen Situation lesbischer Lebensgemeinschaften stattgefunden. Hierfür stellte das Stadtteilcafé Palaver seine Räumlichkeiten und Infrastruktur zur Verfügung. Hier gab es auch eine Ausstellung von Lesbenpostkartenmotiven aus privater Sammlung und einen Büchertisch, wo eine neue und altbewährte Lesbenliteratur sichten und erwerben konnte. Die Veranstaltungen verliefen in freundlicher Atmosphäre mit bekannten und neuen Gesichtern und wurden offensichtlich als bereichernd erlebt, wobei besonders die Informationsveranstaltungen gut besucht waren. Den Ausklang dieses Wochenendes bildete die traditionelle sonntägliche Labrys Lounge im Barcelona, wo Frauen des Grazer AutorInnenkollektivs eine Lesung mit musikalischer Darbietung darboten.

Es war die erste Veranstaltung dieser Art in Graz und eine der seltenen in Österreich. Damit soll aber auch nicht geschmälert werden, was sonst von und für Lesben geschieht: Es gibt an mehreren Orten Café/Barbetrieb, es gibt eine Radiosendung, es gibt Filmabende, Lesungen und Konzerte.

Auf der Website gundl.at wurden in der „Galerie“ Fotos vom Lila Mai veröffentlicht. Darunter befanden sich zwei Fotos, die Abbildungen des Diavortrages über die Klitoris zeigten, den ich gehalten hatte. Diese Diaserie aus der feministischen Frauengesundheitsbewegung hatte ich vom Frauengesundheitszentrum Graz ausgeborgt. Eines der veröffentlichten Fotos zeigte eine fotografische Nahaufnahme einer Vulva, das zweite eine als Blüte stilisierte Zeichnung einer Vulva. Da ich persönlich nicht möchte, dass ein derart intimes Foto im Internet veröffentlicht wird und weil weder ich noch das Frauengesundheitszentrum um unser Einverständnis gebeten worden waren, diese Fotos veröffentlichen zu dürfen, kontaktierte ich per Telefon Günther Ferlin als Betreiber der Website.

Zu Beginn des Lila Mai hatte sich eine Frau als Fotografin vorgestellt („Hallo, ich komme von Gundl, ich soll hier Fotos machen.“ „Also, du willst fragen, ob du hier Fotos machen darfst?“), ich habe zugesagt unter der Erinnerung an die Selbstverständlichkeit, dass die betroffenen Personen ebenfalls um Erlaubnis gefragt werden müssen. Beim Vortrag über die Klitoris haben andere Frauen Fotos gemacht, so dachte ich, dass es sich um privates Fotografieren handelt und ich hätte als langjährige lesbische und feministische Aktivistin nicht im Traum daran gedacht, dass eine solch sensibles Material ins Netz stellt.

Als ich Günther Ferlin anrief, reagierte er sofort mit Vorwürfen („Was habt ihr beim Lila Mai für ein Chaos.“) und zeigte wenig Verständnis für meine berechtigte und nachvollziehbare Forderung, diese zwei Bilder aus dem Netz zu nehmen, indem er mich sinngemäß als Zensurbehörde bezeichnete.

Kurz darauf waren drei Fotos aus dem Netz entfernt mit dem Vermerk „leider gelöscht“ und gleich voran der aufmerksamkeitserregende Hinweis, dass durch diese gezwungenermaßene Löschung die „freie Berichterstattung“ beeinträchtigt sei und der „Gesamteindruck verfälscht“ sein könnte. Ich drückte daraufhin meine Unzufriedenheit mit diesem unsolidarischem Umgang in folgendem Mail an die Website folgendermaßen aus:

„die Erklärung zur Entfernung von Fotos aus der Bildergalerie ist nicht wirklich geglückt.

Zitat von der Gundlhomepage:

wir möchten darauf hinweisen, dass eine freie Bericht-

erstattung vom Klitoris-Vortrag nur eingeschränkt möglich war

und dies den Gesamteindruck verfälschen könnte. Die Chefredaktion.

meine Antwort:

Ich möchte darauf hinweisen, daß es bei einer Veranstaltung mit Zugangsbeschränkungen (für Lesben bzw. ausschließlich für Frauen) keine "freie Berichterstattung" geben kann. Das ist der Redaktion durchaus bekannt, da z.B. beim Unifest ja auch gefragt wurde, ob sich die Leute fotografieren lassen, was ja nun eine viel größere Zielgruppe hatte.

Weiters ist der Geamteindruck sowieso so was von verfälscht, weil von acht Vorträgen/Diskussionen/Workshops nur von zweien Fotos erschienen sind, davon bezogen sich vier direkt auf Vortragende bzw. Vortragsinhalte, und davon waren drei Fotos aus dem Klitorisvortrag. (Soviel zur Qualität der Berichterstattung)

Die Bezeichnung "leider gelöscht" trifft nur auf zwei Fotos zu, es wurden drei gelöscht, das dritte (ich als Vortragende) wurde also "gern gelöscht" bzw. "sicherheitshalber gelöscht" (muß nicht unbedingt wieder reingenommen werden, ich bin kein Adabei)

Ich schlage vor, die obenstehende Erklärung überhaupt von der Frontpage zu nehmen, und in der Galerie die Bilder schlicht durch den Satz "aus medienrechtlichen Gründen gelöscht" zu ersetzen, denn letztendlich handelt es sich um unerlaubtes Veröffentlichen mir und der Frauengesundheitszentren (Herstellerinnen der Diaserie) gegenüber.“

(Später fand ich heraus, dass noch Fotos einer dritten Veranstaltung veröffentlicht sind, ändert aber nicht grundlegend meine Aussage und durch die zerstreute Verteilung in der Galerie entsteht erst recht kein Gesamtbild.)

Wie gesagt, es war ein Vorschlag, am Besten wäre sowieso gewesen, gleich nach meiner ersten Intervention die beiden Bilder kommentarlos zu entfernen und das Ganze ungeschehen zu machen. Nun aber wollte die Chefredaktion nichts mehr mit der Sache zu tun haben und leitete die ganze Sache an die Fotografinnen weiter.

Martinas veröffentlichter Artikel „Zur Gemeinsamkeit von Lesben und Schwulen“ ist ihre Reaktion auf mein unveröffentlichtes Mail. Sie stellt öffentlich Lila Mai negativ und verfälscht dar und tut so, als ob ich meine Kritikpunkte öffentlich verhandelt hätte. Sie wirft mir vor, was sie in Wirklichkeit selbst betreibt.

Dabei hat Martina selbst mit dieser Sache selbst nichts zu tun, allerdings war sie selbst nur bei einem einzigen Workshop und bei einer Abendveranstaltung dabei, kann also wirklich keine allgemeinen Aussagen über Lila Mai machen.

Ich möchte mich der Aufforderung zu „Zusammenhalten“ insofern anschließen, dass hier die schwule und lesbische Solidarität mit dem Lila Mai gefragt gewesen wäre.

Leni Kastl

(Dyketime – Radiomagazin für Lesben, RosaLila PantherInnen)

Organisatorin des Lila Mai

Eine Reaktion von gundl.at folgt
Soviel vorweg: gundl.at wird vom Kunst- und Kulturverein Gundl Graz (und nicht von einer Privatperson) in Form einer Redaktionsgemeinschaft medieninteressierter Frauen und Männer betrieben. In einem ähnlichen System wie bei Radio Helsinki wo Mitglieder selbständig Sendungen erstellen werden in unserem Hause Internetartikel veröffentlicht.
Die inhaltiliche Stellungnahme zu den Vorwürfen wird folgedessen von den Verfasserinnen bzw. Fotografinnen erfolgen.
Zu keinem Zeitpunkt hat der Kunst- und Kulturverein Gundl Graz medienrechtliche Vorschriften missachtet.

Ursprünglicher Artikel:


Aus aktuellem Anlass:

Zur Gemeinsamkeit von
Lesben und Schwulen

(Graz). Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich von einigen Frauen gehört, dass viel zu wenig für die „Frauenszene“ gemacht wird. Alles ist auf „schwul“ aufgebaut und auch die meisten Lokale sind „reine“ Schwulenlokale.

Dem möchte ich widersprechen. Mittlerweile hat sich im Frauenbereich schon einiges getan und natürlich geht alles immer nur Schritt für Schritt.
Labrys ist vielen von euch ein Begriff und siehe da, bei fast jedem Event haben die Mädls auch ihre Finger im Spiel. Sei es bei Filmveranstaltungen oder Festivitäten....Nur weiter so!!!
Da haben sich junge, lesbische Frauen gedacht, wir setzen unsere Vorstellungen und Wünsche (so weit es geht ) einfach in die Realität um und das haben sie auch gemacht.
Ich persönlich war auch der Meinung, unbedingt etwas machen zu müssen und deshalb habe ich mich auch entschlossen, für das Gundl.at meinen Beitrag zu leisten.

Ich wollte nicht einfach „zuschauen“ sondern aktiv mitarbeiten; und zwar unbedingt für Gund.at. Auch wenn es vielleicht als „zu schwul“ verschrien ist.....doch das ist ein Irrglaube. Denn es hat sich (bis auf meine Wenigkeit und die Mitarbeiterinnen von Labrys noch keine einzige Frau dafür eingesetzt!!!)

Und Gundl.at ist absolut bereit, sich mit Frauenthemen auseinander zu setzen!!
Schließlich trete ich doch nur für meine „eigenen“ Rechte ein bzw. versuche ich es und will der Welt einfach zeigen und sagen : „ Hey, uns gibt es auch, wir sind doch auch nur Menschen“.
Doch leider muss ich feststellen, dass diese „Arbeit“ (eigentlich Freude!) von einigen Leuten nicht wirklich honoriert wird.

Hinzu kommt, es sind nicht „HETEROS“ ( das würde man ja noch akzeptieren können) sondern die Kritik kommt aus dem Homosexuellen-Kreisen, genauer gesagt von einigen Lesben. Genau von jenen „Damen“ mit denen man sich eigentlich eine Zusammenarbeit im positiven Sinn wünscht bzw. erhofft.

Nehmen wir als Beispiel den „Lila Mai“.

Begonnen hat das ganze damit, das wir (Gundl.at) erst ganz kurzfristig davon informiert worden sind.
Trotzdem scheuten wir keine Mühen, um diesen „Lila Mai“ sofort publik zu machen und dafür zu werben.
Mit bestem Willen und Tatendrang ausgerüstet, stürmten unsere Mitarbeiterinnen die diversen Workshops, Vorträge und die Abschlussdisco....(da war ich selber anwesend) und siehe da – bis auf die Disco (die wirklich toll war) wurde der „Rest“ vom Lila Mai eher weniger, fast gar nicht besucht.

„Na da kann man nichts machen“....dachte ich mir selber noch, ich habe es trotzdem lustig und empfehlenswert gefunden....
Doch jetzt kommt erst der Höhepunkt, im wahrsten Sinne des Wortes.

Nach dem der Lila Mai beendet war, wurde alles sofort auf Gundl. at veröffentlicht, um wenigstens einige Berichte einer Frauenveranstaltung zu haben - sonst heißt es wieder, über Frauen wird ja nie was berichtet....bla bla bla....kennen wir eh schon....

Und jetzt der Gipfel!

Die Fotos, welche dort gemacht wurden ( von den verschiedensten Mitarbeiterinnen von Gundl.at) mussten wieder vom „Netz“ genommen werden, da es den Gesamteindruck verfälscht.....laut Leni Kastl.

Was soll man dazu noch sagen?

Ich persönlich verstehe jemanden, wenn man von vornherein nicht fotografiert werden möchte.....dann wäre das ein klarer Fall.
Aber ich habe die persönliche Erfahrung gemacht, dass das Einverständnis gegeben wurde, Fotos vom und beim Lila Mai zu machen.

Es sollte einfach eine Frauenveranstaltung publik gemacht werden.

Deshalb kann ich und auch das Team von Gundl.at diesen Standpunkt nicht wirklich verstehen, genauer gesagt, akzeptieren.

Hinweis: hat jemand schon was von kostenloser Werbung gehört?


PS: das soll keine persönlich Kritik an Leni K. als Person sein, sondern ich möchte nur darauf aufmerksam machen, dass bei dieser Einstellung und mit einer solchen Zusammenarbeit zwischen Schwulen und Lesben immer eine Kluft bleiben wird.

WIR SIND ALLE HOMOSEXUELL!!!! Und nur ZUSAMMEN können wir uns aus der Unterdrückung befreien!!!

Text: Martina A. ( auch wenn ihr mich jetzt in der Luft zerreißen wollt!!)

Kommentare und Analysen entsprechen der persönlichen Betrachtung der/des VerfasserIn und müssen nicht mit der Blattlinie von gundl.at übereinstimmen - sie müssen dieser aber auch nicht widersprechen.