Königinnentag in Holland:

Lang leve de Koningin!

(Amsterdam, 30. April 03). Königinnentag - Im Rest der Welt ein Szene-Termin, in Holland ein Fest für alle. Auf unserer unermüdlichen Forschungstour nach den besten Parties Europas steht diesmal das berühmte Event in Amsterdam am Programm. Jorrit und Manfred, unsere lieben Gastgeber und Reiseführer, weihen uns in die Hintergründe dieses größten nationalen Spektakels ein:

Eigentlich ist der 30. April der Geburtstag von Juliana, der Großmutter der heutigen Königin Beatrix. Die ist am 31.1. geboren, aber wer will schon ein Straßenfest im Jänner! Traditionell ist der Königinnentag ein Fest der Kinder mit Rummelplatz, Fetzenmarkt, Sportbewerben, Musik und Gewinnspielen. In den Dörfern wird auf diese Art eine Woche lang gefeiert.

In Amsterdam läufts anders. Aus Demonstrationen gegen das Königshaus Mitte der 60er-Jahre entwickelte sich in einer 180 Grad Kehrwende der heutige Feiertag, und die Stadt wird für einen Tag und zwei Nächte zu einer einzigen großen Partyzone. Eigentlich ist's ein Fest für alle, aber die Gays übernehmen unstrittig immer mehr die Führung.

Drei Millionen HolländerInnen und eine Million ausländische GästInnen feiern landesweit. Heuer machte leider der stundenlange Platzregen einen kräftigen Strich durch die Rechnung -- mit rund 350.000 Feiernden im Stadtzentrum ein Drittel weniger BesucherInnen als letztes Jahr, und die Frittenbuden, Marktstände und Attraktionen auf den Rummelplätzen schwammen davon. Die vielen, die ihre orange Haarpracht nicht wasserfest gefärbt hatten, sahen nach dem Dauerguß ganz und gar un-stylish aus. Am späten Nachmittag war die Sintflut endlich vorbei, und der Freiluftparty stand nichts mehr im Weg.

Ein cooles Hairstyling im Frisiersalon gegenüber dem Hotel ("Cut or uncut, come to 'Cuts & Curls'") bietet sich an, bevor man sich in die Massen stürzt. Bei einem kartellierten Bierpreis von umgerechnet 10 Euro pro Maß braucht es schon einige Krügel, um den Schock über diese Räuberei erst mal runterzuspülen. Ach ja, ein Euro Bechereinsatz wäre den Stadtvätern auch ans Herz zu legen. Den gibts nicht, und so watet man gegen Abend auf den Trampelpfaden knöcheltief im Plastikmüll.

Für uns Landratten ungewohnt: Ein großer Teil des Fests findet am Wasser statt, alles was irgendwie schwimmt wird als Plattform zum Feiern, Tanzen und Trinken hergenommen. Mehr oder weniger professionelle DJs kreuzen mit ihren Gerätschaften durch die Grachten und ersetzen die Trucks, die wir von Love Parade oder CSD kennen.

Der Szene-Trampelpfad durch Reguliersdwarsstraat, Amstel, Rembrandtplein und seine umgebenden Gässchen ist Pflichtübung. Vom schicken Restaurant mit Fusion-Küche über Bars, Pubs, "Eetcafés" und Clubs bis zu den Locations der härteren Gangart bietet sich für jeden Geschmack was an. Das April sollte man keinesfalls versäumen. Wer hier zwischendurch den Überblick verliert, der sei beruhigt. Nicht immer sind die Drinks oder die streng nach den gängigen Schönheitsidealen ausgesuchten Kellner am Orientierungsverlust schuld, sondern der runde Bartresen, der sich fast unmerklich dreht. Über mehrere Stockwerke verteilt und doch dicht gepackt die gemischte Clientele im SoHo und im Exit. Zum Bersten voll das Entre Nous am Halvemaansteeg, aber immerhin ein Viertel-Quadratmeter pro Nase zum Abtanzen und volle Stimmung im Montmartre gegenüber.

Für die Unersättlichen bietet sich frühmorgens noch die Sauna an, wo die standhaftesten Gäste mit Gratis-Kaffee belohnt werden, wenn das Etablissement um neun Uhr morgens die Pforten schließt. Da kommts dann nochmal zum Getümmel bevor man sich mit seiner neuesten Eroberung nach Hause oder zur After Hour in die schon wieder geöffneten Clubs verzieht.

Doch um die Zeit schlummerten eure Chronisten bereits wohlig im eigenen Hotelbettchen, umweht vom süßen Duft der hier so beliebten Rauchwaren.

Zu guter Letzt noch ein paar Tipps für alle, die dieses Event einmal live erleben wollen:

Queensnight, die Nacht der Nächte, ist vor dem Königinnentag, also am 29. April. Am 30. geht das Feiern in den Straßen schon am Vormittag los und endet früher, denn der 1. Mai ist ein Arbeitstag bei unseren holländischen Freunden.

Türsteher erwarten sich beim Verlassen des Clubs saftiges Trinkgeld - oder man lässt sich besser nicht mehr sehen.

Exklusiv für gundl.at aus Amsterdam: Carmen und Klaus



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