Ein wunderschönes Coming Out - eine wahre Geschichte:

Lesben am Land

20. August 2000. Für viele Menschen war und ist dieses Datum ein besonderer Tag. Ebenso für mich. Genau an diesem Tag habe ich meine Traumfrau kennen gelernt. Ihr Name ist Elisabeth*. Ich heiße Martina. Wenn ich euch jetzt meine Geschichte erzähle, werden manche von euch vielleicht mit mir mitfühlen können.

Mensch ist auf der Suche nach der „großen“ Liebe. Viele haben das Glück und finden den Traumpartner schnell, andere müssen Jahre suchen. Ich war zum damaligen Zeitpunkt im Jahre 2000 sehr verzweifelt und traurig. Traurig, weil ich nie das Gefühl von richtiger „Liebe“ erfahren durfte. Ich war nie richtig verliebt.

Sicherlich habe ich meine Erfahrungen gesammelt, in jeder Hinsicht. Doch mir fehlte was. Mir fehlte all das, was „Liebe“ ausmacht. Geborgenheit, ein Kribbeln im Bauch, Zuneigung, Zärtlichkeit, Hilfe, Trost......

Doch das war nicht mein einziges Problem. Ich wusste, dass ich lesbisch bin, doch ich konnte es niemanden sagen. Meine Freunde wussten nicht Bescheid und schon gar nicht meine Eltern. Ich hatte Angst, mich zu „outen“.

Es war mir peinlich.

Was denken die Eltern? Wie reagieren die Nachbarn und Freunde? Wer will sich noch mit mir sehen lassen? Wie werde ich behandelt? Wir sind eine Gemeinde mit 5000 Einwohnern, wenn man die Kühe dazuzählt. Jeder kennt jeden, jeder grüßt jeden. Färbt man sich die Haare, ist es „das Stadtgespräch“ schlechthin und zwar für Monate!

Was geschieht erst bei einem „Outing?“
Daran wollte ich gar nicht denken. Ich wusste, es wäre ein unmögliches Leben, lesbisch zu sein und dort zu wohnen. Ich muss weg. Weit weg und ein neues Leben beginnen.

Doch kann ich das? Will ich das? Und warum soll ich?
Im Juni 2000 treffe ich eine Freundin von mir, Karin*.
Wir hatten uns schon ewig nicht mehr gesehen und ich war sehr erfreut, sie wiederzusehen.
Wir kamen ins Gespräch und sie fragte mich, was ich so mache, beruflich und im privaten Bereich.

Plötzlich kam es aus mir herausgeschossen.
„Ich muss dir was sagen, ich habe keine Beziehung und ich bin lesbisch“.
Sie schaute mich an und sagte: „Dann werde ich dir helfen, eine Freundin zu finden“.

Ich war so froh, endlich gesagt zu haben, dass ich lesbisch bin und dann wird mir auch noch Hilfe angeboten!
Das hätte ich mir nie gedacht.
Ich hatte keinen Zweifel, dass sie mir wirklich helfen würde.

Eines Tages, es war Anfang August, rief sie mich an.
„Ich kenne jemanden“, sagte sie. „Eine ehemalige Schulkollegin von mir und ich glaube, sie ist auch lesbisch, da war mal ein Gerücht im Umlauf."
Ich war so happy, das zu hören. Es gibt tatsächlich jemanden, der auch so ist wie ich.

Jubeltrubelheiterkeit!!!

Es vergingen Tage bis zum nächsten Anruf von Karin. „Du, ich habe mit ihr telefoniert“, sagte Karin zu mir, einige Zeit später am Telefon. „Und, was hat sie gesagt?“ wollte ich natürlich wissen. „Sie will dich kennen lernen“, so Karin. Als sie das zu mir sagte, war ich so überglücklich, es war unbeschreiblich.

Ich werde SIE kennen lernen!!

Dann war es soweit. Die Tage vergingen und der vereinbarte Termin stand bevor. Die Nacht davor konnte ich kaum schlafen, so aufgeregt war ich. Mir gingen so viele Dinge durch den Kopf, ich wollte irgendwie „vorbereitet“ sein. Doch jeder normale Mensch weiß, dass man sich auf ein „Date“ nicht vorbereiten kann. Es gibt keinen Text, auch kein Drehbuch. Das ist nicht Hollywood sondern das „wahre“ Leben.

20. August 2000.

Karin und ich fahren zum vereinbarten Treffpunkt. Ein Cafè, 20 km entfernt von meinem Elternhaus. „Du gehst vor“, sagte ich ganz nervös. Ich wollte nicht die erste sein, die in ihrem Blickfeld stand. „Beruhige dich, so schlimm wird es schon nicht werden“ erwiderte Karin lächelnd.

Plötzlich hörte ich nur ein „hi Elisabeth“ aus Karins Mund. Mein Herz pochte, ich war einem Kreislaufkollaps nahe. Auf einmal stand SIE vor mir! Eine wahre Erscheinung so wundervoll, so schön, genau mein Typ. „Aber groß ist sie schon“, dachte ich mir.
Ich bin 1.61 m und sie ist 1.78 m.

Wir nahmen Platz und jeder bestellte erst mal ein Getränk. Langsam kamen wir ins Gespräch, zaghaft und ganz vorsichtig wurden Fragen gestellt. Es wurde ein wunderbares Gespräch daraus. Zwei Stunden später wechselten wir das Lokal.

Karin verabschiedete sich von uns. „Ich glaube, ich bin hier Fehl am Platz, bei euch Turteltauben“, Bussi links und Bussi rechts und fort war sie. Plötzlich saß ich mit Elisabeth da, sie schaute mir tief in die Augen und wir wussten beide sofort, dass wir für einander geschaffen sind.

Ich konnte mein Glück gar nicht in Worte fassen. Alles passierte so wahnsinnig schnell. Mein größter Traum ist wahr geworden!!! Ein Problem war gelöst, doch mit wem konnte ich mein Glück teilen? Niemand wusste, das ich lesbisch bin.......

Fortsetzung folgt................

* Name von der Redaktion geändert

Text: Martina