Ariadne auf Naxos im Grazer Schauspielhaus


Die Idee, ein Automobil auf die Bühne zu bringen, ist weder eine besonders neue noch besonders originelle, selbst wenn es sich um ein Prachtexemplar von Audi A4 - im gegenständlichen Fall auf Ariadne 4 umgetauft - handelt. Regisseur Matthias Fontheim bezieht im Vorspiel den ganzen Zuschauerraum ins Geschehen mit ein, was mitunter sogar etwas zu viel der Unruhe und somit Ablenkung vom musikalischen Ablauf mit sich bringt. In der Oper geht es dann ruhiger zu, Ariadne selbst ist sehr statisch gezeichnet, als ob sie unter dem Einfluss von Beruhigungsmitteln stünde, in der Tat wird sie auch von medizinischem Personal (Najade, Dryade, Echo) betreut. Schrill die Kostüme, eine Augenweide!

In der abgelaufenen Spielzeit präsentierte das Schauspielhaus Molières Der Bürger als Edelmann; wer sich die Urfassung der Ariadne mit dem eben erwähnten Stück anstelle des Vorspiels erwartet hatte, wurde enttäuscht, die Enttäuschung wurde aber durch die musikalische Realisierung mehr als wettgemacht. An erster Stelle zu nennen ist Chefdirigent Philippe Jordan, dessen Idee und Wunsch es war, Ariadne im Schauspielhaus aufzuführen und der wieder einmal das Orchester zu einer Glanzleistung zu animieren vermochte. Das Vorspiel wurde dominiert von der in Spiel und Gesang herausragenden Stephanie Houtzeel, als einspringender Tanzmeister brillierte am 26. Februar Heinz Zednik, die Szene zwischen den beiden war ein Hochgenuss, David McShane gab einen wunderbar charakterisierten Musiklehrer. Als Fehlbesetzung erwies sich leider Martina Stilp als Haushofmeister, weil ihr jegliche wienerische Herablassung fehlt, die für eine erfolgreiche Gestaltung der Rolle wohl unabdingbar ist.

In der Titelrolle debütierte Marina Shaguch mit dramatischem Sopran, der auch grosser Pianokultur fähig ist, und beinahe makelloser deutscher Aussprache, wie denn überhaupt die Wortdeutlichkeit aller Beteiligten zu erwähnen ist. Margareta Klobucar gab eine glöckchenreine und differenzierte Zerbinetta, mit jugendfrischem Heldentenor bewältigte Stephen Gould die in der Tessitura so schwierig liegende Partie des Bacchus, er hat ja bereits in der vorigen Saison in Linz als Tannhäuser aufhorchen lassen. Zu erwähnen auch das ausgewogene Quartett der Komödianten (Wilfried Zelinka, Andries Cloete und Juraj Hurny), angeführt vom jungen Alexander Puhrer mit wohltönendem lyrischem Bariton und engagiertem Spiel.

Folgevorstellungen: 2., 8., 12., 15., 27. März 2003

4., 11., 23., 29. April 2003

gundl.at-Kulturredation: Wolfgang Würdinger



Stephanie Houtzeel, David McShane
Margareta Klobucar
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