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G: Lieber Mario (Madame Uferlos, Anm. der Redaktion), du und dein Team ihr seid ja bei jedem wichtigen gesellschaftlichen Ereignis allgegenwärtig um euren LeserInnen aktuelle Informationen aus erster Hand ins Wohnzimmer zu bringen. Kommt es eigentlich umgekehrt auch oft vor, dass ihr vor das Mikrophon gebeten werdet?
M: Manchmal schon, wobei ich aber zugeben muss, dass ich nicht allzu gerne Interviews gebe und wenn dann schon eher für einschlägige Medien das heutige Gespräch ist sicherlich eine der Ausnahmen.
T: Das ist sicher richtig, ich überlasse die Bühne eher dem Mario Für mich steht als Fotograf eher das voyoristische als das gesellschaftliche Element im Vordergrund meiner Tätigkeit für das Pride. Ich hab Spaß daran zu beobachten was um mich herum geschieht.
G: Markus, wie ist es für dich, Lebenspartner einer so schillernden Erscheinung der Grazer Szene wie der Madame Uferlos zu sein, die doch sehr im Mittelpunkt steht? War das für dich schwierig zu akzeptieren?
MAR: Ich bin von meinem Naturell her eher ein Einzelgänger. Von da her war die Situation für mich am Anfang zwar etwas ungewohnt, ich habe mich dann aber recht schnell in dieser Welt eingelebt. Die Arbeit für das PRIDE macht mir Spaß und übt auf mich auch einen gewissen Reiz aus.
M: Markus ist eher kein Gesellschaftstyp, hat sich aber sehr schnell angepasst, er akzeptiert einfach, dass das gesellschaftliche Leben für mich sehr wichtig ist wir sind zwar ziemlich verschieden - obwohl wir auch viele Gemeinsamkeiten haben - was das betrifft ergänzen wir uns aber sehr gut.
G: Das Leben eines Gesellschaftsreporters in ehrenamtlicher Mission ist ja nicht immer einfach. Was bewegt euch dazu, diese Aufgabe mit voller Hingabe wahrzunehmen?
M: Es ist mir wichtig, meine persönlichen Gedanken in meiner Kolumne mitzuteilen und auch zum Nachdenken anzuregen. Wir erhalten sehr viele positive Rückmeldungen, doch auch Kritik ist uns sehr wichtig. Natürlich macht es auch Spaß bei Szene-Events immer mit dabei zu sein. Was den Reiz für mich persönlich noch erhöht, ist, dass viele, die mich nicht persönlich kennen, sich aufgrund des Namens Madame Uferlos ein völlig anderes Bild von mir machen.
Wenn sie mir dann persönlich gegenüber stehen sind manche etwas irritiert, dass ich ein ganz normaler Boy bin. Das bürgt natürlich für einen gewissen Überraschungseffekt, der durchaus zu sehr amüsanten Situationen führt.
Aber es gibt auch schwierige Momente, die mich sehr nachdenklich machen. Schließlich berichten wir nicht nur von Partys und Events, sondern auch über ernste oder gar traurige Anlässe. Davon bin ich dann doch immer persönlich sehr berührt.
G: Mario hat schon anklingen lassen, dass Gesellschaftsberichterstattung auch ernste Facetten mit sich bringt. Schreibt ihr eigentlich auch gesellschaftspolitische Artikel?
M: Diese Bereiche werden zwar großteils von Hans-Peter Weingand und Kurt Zernig abgedeckt, punktuell beschäftigen wir uns aber auch immer wieder mit diesen Dingen.
In der aktuellen Ausgabe befindet sich beispielsweise ein solcher Artikel.
G: Worum handelt es sich genau?
M: Um eine Homestory im Rahmen unseres Themenschwerpunktes Schwule und Lesben am Land über zwei Frauen, die mit ihren beiden Söhnen zusammenleben. Ich denke, ein durchaus interessantes Thema - einfach reinschauen!
G: Wird eigentlich der gesellschaftspolitische Charakter der Szeneberichterstattung unterschätzt?
M: Ja leider, Berichterstattung in der Szene hat doch auch etwas mit einer Fensterfunktion zu tun. Unser Blatt wird ja auch von Leuten außerhalb der Szene und von EntscheidungsträgerInnen in der Politik gelesen, die durch unsere Arbeit auch mit den charakteristischen Eigenheiten unserer Subkultur vertraut gemacht werden.
T: Das Schönaugassenfest ist ein Beispiel hierfür. Wenn eine Drag Queen durch die Gasse tanzt und die aus den Fenstern zusehenden AnrainerInnen dabei von uns fotografiert werden wie sie begeistert applaudieren dann führen wir durch unsere Berichterstattung gerade den politischen Eliten doch vor, dass die Berührungsängste der Bevölkerung kleiner geworden sind.
M: Sich für das Pride fotografieren zu lassen heißt für Manche auch, sich zum Schwulsein zu bekennen es ist sicher eine wichtige Aufgabe von uns den Leuten Mut zu machen, aus der Anonymität hervorzutreten.
T: Berichte von Veranstaltungen wie der Regenbogenparade haben sicherlich auch eine gesellschaftspolitische Bedeutung; die Parade dient ja nicht nur der Unterhaltung sondern verfolgt in erster Linie politische Zwecke.
M: Gesellschaftspolitik steht sicherlich nicht im Mittelpunkt unserer Arbeit. Unsere Stories sollen in erster Linie Freude machen und unterhalten, aber auch die Möglichkeit bieten, sich als LeserIn wiederzufinden und auch das Gefühl vermitteln, Einfluss nehmen zu können, was zu bewegen und zum Nachdenken anzuregen.
G: Wie wichtig ist die Szeneberichterstattung für das Pride?
T/M: Ich denke, diese hat im PRIDE schon eine tragende Rolle. Wichtig ist aber in erster Linie eine ausgeglichene Berichterstattung. Sowohl der politische Teil, als auch die Szeneberichterstattung müssen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen. Und wichtig ist vor allem auch, dass Gesellschaftsberichterstattung nicht anspruchslos sein darf.
G: Schwule Ghettos: Diese scheinen sich ja in Auflösung zu befinden, was nicht bei Allen auf Zustimmung stößt. Was ist eure Meinung dazu?
M: Die Zeiten der Ghettos sind vorbei, trotzdem ist es gut, wenn es auch Räume gibt, wo wir unter uns sind.
M: Schwule gehen in Hetero-Lokale und Heten in Schwulen-Lokale. Ob das für uns immer ein Vorteil ist kommt darauf an was man sucht. Um jemanden kennen zu lernen braucht man nicht in ein Schwulenlokal zu gehen. Falls man jedoch den schnellen Aufriss sucht ist man in der Szene sicher richtig.
G: Da fällt mir was ein Mario und Markus, wie hab ihr euch eigentlich kennen gelernt?
M: Virtuell, obwohl ich ja eigentlich kein Chatter-Typ bin.
G: aha, aber du hast sowohl Thomas als auch Markus im Chat kennen gelernt?
M: Ja, das ist richtig die besten Kontakte habe ich somit trotz allem im Netz geknüpft.
MAR: Ich war eigentlich mit jemandem im Chat verabredet, der mich aber versetzt hat. Dann bin ich mit Mario ins Gespräch gekommen.
M: Wir haben uns auf Anhieb verstanden und unser Gespräch wurde dann auch recht rasch tiefsinniger. Und in den eineinhalb Jahren seit das her ist, ist uns noch nie der Gesprächstoff ausgegangen das finde ich in einer Beziehung extrem wichtig.
G: zumindest dir Mario....
MAR: Ich bin eher am Anfang etwas zurückhaltend, wenn ich jemanden neu kennenlerne, das legt sich dann aber schnell..... - es kommt bei mir aber auch auf die Stimmung an....
M: ...Das ist auch gut so. Ich hole den Markus ein bisschen aus seiner Introvertiertheit heraus und umgekehrt bremst er mich ein wenig in meiner Extrovertiertheit ein.
G: Mario, du stehst innerhalb der Szene immer in der Öffentlichkeit, fehlt dir nicht manchmal ein bisschen die Privatsphäre?
M: Ich bin mit meiner Rolle im Großen und Ganzen zufrieden, wenngleich es sicher nicht immer angenehm ist, in der Öffentlichkeit zu stehen. Wenn ich mir mehr Privatsphäre wünsche, dann nehme ich sie mir einfach, obgleich sich das natürlich auch leichter anhört, als es dann definitiv ist.
G: Du gehörst in der Grazer Szene mit anderen Persönlichkeiten wie Lili, Mausi, Vera usw. zu den bekanntesten. Haben solche Szene-Größen eigentlich auch so was wie eine Funktion innerhalb der Subkultur sind sie ein Vorbild für Andere?
M: So würde ich das nicht sagen. Ich sehe mich eigentlich nicht als Vorbild. Ich würde eher sagen, wir sind ein Orientierungspunkt; Menschen, die einem versuchen weiterzuhelfen, wenn man etwas wissen will, sich irgendwie nicht zurechtfindet. Das ist auch eine schöne Aufgabe, wenn sie gelingt.
Dafür wird man aber auch immer genau beobachtet auch ob man irgendwelche Fehler macht.
G: Fühlst du dich manchmal ein bisschen wie in einem goldenen Käfig?
M: Nein, ich verkaufe mich ja nicht und ich nehme mir die Freiheit die ich brauche.
Aber manchmal wünsche ich mich schon mal fort von hier und gebe diesem Wunsch dann oft auch nach. Wenn ich dann weg bin zieht es mich aber auch wieder zurück.
Was ich mir aber wünsche ist, dass ich nicht nur nach meiner Arbeit beurteilt werde, sondern einfach als der Mensch, der ich für meine geliebten Eltern, denen ich alles zu verdanken habe, meinen geliebten Schatz, meine wirklichen Freunde und auch ganz für mich selbst bin.
G: Das war jetzt ein schöner Schlusssatz. Meine Lieben, es war total nett mit euch zu plaudern Ich danke euch für das offene und anregende Gespräch.
Linktipps:
http://www.pride.or.at, http://www.fotoma.com
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