Warmes Barcelona:
ein durchaus persönlicher Reisebericht
von Alexander Poschgan und Wolfgang Würdinger


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Nicht nur für den schwulen, sondern auch für den normalen Touristen erweist sich Barcelona als heißes Pflaster:
Bereits die Einfahrt vom Flughafen ins Zentrum über die Gran Via de les Corts Catalanes mit als erstem Höhepunkt der Plaça Espanya mit dem Weltausstellungsgebäude von 1929 und der Stierkampfarena und, dann weiter mit den prachtvollen Häusern entlang der Ostgrenze des Eixample, im Jargon auch Gaysample genannt, dem Zentrum des schwulen Nachtlebens bis hin zum Plaça de Catalunya, dem oberen Ende der Ramblas und Hauptplatz der Stadt. Von dort aus lassen sich alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß, bzw. mit Bus oder Metro leicht erreichen. Im Osten der Prachtstrasse der Ramblas liegt das Barri Gòtic mit seinen kleinen Gassen, der Kathedrale und der Plaça Reial. Nach Westen führen die Prunkmeilen Passeig de Gràcia und Rambla de Catalunya mit ihren Jugendstilhäusern, wobei sich auf ersterer die von Antonio Gaudì erbauten Casa Batlló und Casa Amatller befinden. Nun sind wir nicht mehr weit von der Sagrada Familia, dem Lebenswerk Gaudìs, entfernt, an der nach wie vor intensiv gebaut wird. Auf dem Weg zum Port Olímpic geht es durch das Gründerzeitviertel Casc Antic mit dem Arc de Triomf und dem Parc de la Ciutadella. Beeindruckend sind das anlässlich der Olympischen Spiele 1992 erbaute Olympische Dorf, der neu aufschüttete Strand von Barceloneta sowie der umgestaltete Hafen, der durch die Kolumbusstatue an den Drassanes am Ostende der Ramblas nun wirklich an die Stadt angebunden ist. Bei nicht zu starkem Wind besteht die Möglichkeit, vom neuen Vergnügungs- und Shoppingzentrum Maremàgnum mit einer Seilbahn hinauf zum Montjuïc zu fahren, wo es vom alten Kastell aus einen traumhaften Panoramablick nach allen Richtungen über die ganze Stadt gibt.

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Heuer ist ein Gaudì Jahr, in der ganzen Stadt gibt es mehrere Ausstellungen, wer am Meister interessiert ist, sollte auch den Parc Güell, das wahrscheinlich imposanteste Bauwerk nach der Sagrada Familia, besuchen. Barcelona ist aber nicht nur die Stadt Gaudìs, auch andere Künstler wie z.B. Pablo Picasso und Joan Miró lebten und wirkten dort, ihnen ist jeweils eines der insgesamt 45 Museen der Stadt gewidmet. Bei näherem Interesse sei das Studium eines der zahlreichen Reiseführer, z. B. von Dumont, Merian oder Marco Polo empfohlen.

Ein Wort noch zu den Ramblas: Nach wie vor sind sie die wichtigste Verbindung zwischen der Zentrum und dem Meer, ihre Bedeutung wird durch die diversen Prunkbauten wie dem nach dem Brand von 1995 in alter Pracht wiederaufgebauten Gran Teatre del Liceu oder der Kathedrale de la Santa Eulalia und die Königspaläste an der Plaça Reial hervorgehoben; am großen Markt der Boqueria wird von den Einheimischen der tägliche Einkauf erledigt, jedoch ist nicht zu übersehen, dass sich vor allem die Touristenströme über die Ramblas wälzen, begleitet von Unmengen an Schaustellern, was, wie ein Bericht in der Tageszeitung El Periodico zeigt, zum Unmut der Barcelonesen und zu einer öffentlichen Diskussion über den Massentourismus in Shorts und Bikini führt. Der Autor des Artikels spricht sogar von einer drohenden Lloretisierung, was unserer Meinung nach doch etwas übertrieben ist, zu bemerken ist jedoch, dass sich vor allem viele Restaurants nicht an die Touristen anbiedern und ihre Speisekarten nur auf Spanisch und Katalanisch anbieten.

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Wer von Kunst und Kultur noch immer nicht genug hat, kann mit den bestens funktionierenden und auch preisgünstigen öffentlichen Verkehrsmitteln Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung machen. Wir empfehlen den Besuch des vom Meister selbst gestalteten Dalì Museums in Figueres, sowie einen Stopp in dem auf dem Weg gelegenen Girona mit seinem mittelalterlichen Stadtkern in Richtung Norden; wen es nach Süden zieht, der besichtige Taragona mit den römischen Ausgrabungen und auf dem halben Wege dorthin natürlich Sitges mit seiner reizenden Altstadt und weiteren internationalen Sehenswürdigkeiten: Wenn man sich nur wenige Meter vom Bahnhof entfernt, ist man auch schon überwältigt von der Verspieltheit und dem Charme des schwulen Mekkas Südeuropas. In der Tat drängt sich an den Stränden und am Nachmittag und Abend in der Stadt ein internationales Publikum vom anderen Ufer. Wer einen kleinen Fußmarsch nicht scheut, wird an der playa de la muerte mit einer bezaubernden und ruhigen Bucht samt angeschlossenem schattigem regenbogenfarbigem Wandergebiet belohnt. Vor dem Diskobesuch kann man sich in einem der vielen hervorragenden Restaurants stärken, denn die Nächte sind lang!!

Lang sind die Nächte natürlich auch in Barcelona selbst, wo es für jeden Geschmack etwas gibt: vom ruhigen Café bis hin zu den stark frequentierten In-Lokalen, den Diskos und den Saunen. Besonders gut gefallen haben uns das Café Dietrich mit seinen höchst beeindruckenden Shows, die Diskotheken Salvation und Metro mit jeweils zwei, sowie das erst Anfang Juli eröffnete und nach kürzester Zeit bereits bestens eingeführte Trixx mit sogar drei Dancefloors., wo bestimmt ein jeder die für ihn passende Musik findet. Wohlgefühlt haben wir uns auch in den diversen Saunen, die man zur Entspannung nach der Disko bzw. nach den Besichtigungen aufsuchen kann, wir empfehlen die Corinto und die die ganze Woche durchgehend geöffnete Casanova. Wer keinen Gefallen an käuflicher Liebe findet, sollte die Thermas meiden.

Aber der Mensch muss auch essen!! Sich in Barcelona standesgemäß zu verpflegen, ist nicht schwer und muss auch gar nicht teuer sein: Viele Lokale bieten sehr günstige Mittagsmenüs an, die Tapasbars locken mit großer Auswahl an spanischen und katalanischen Spezialitäten, über die schwulen Lokale informiert der Guía Gay, der in allen Touristeninformationsstellen erhältlich ist und dessen Studium dringend anzuraten ist, denn die Lokale – und hier meinen wir nicht nur die Restaurants – können schnell wechseln, uns ist es sogar passiert, dass zwei Lokale, die noch in den aktuellen Führern aufschienen, plötzlich geschlossen waren. Wer die Möglichkeit hat, selbst zu kochen, sollte das reichhaltige Angebot an frischem Fleisch, Fisch und Gemüse nützen.

Was und sehr angenehm auffiel, ist die Tatsache, dass sich in Barcelona das schwule Leben ganz ungezwungen und in aller Öffentlichkeit abspielt; hier hat man in den letzten paar Jahren einen Quantensprung nach vorne gemacht.

Wer noch mehr Informationen haben möchte, ist herzlich eingeladen, sich mit den Verfasserinnen des Artikels in Verbindung zu setzen: kultur@gundl.at.

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