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Sabines Geschichte

Ich bin 27 Jahre alt und habe eine viereinhalb-jährige Tochter (sie ist "gemischt": ihr Vater ist Nigerianer, hat sie nie kennen gelernt, weiß aber von ihr). Als ich die Beziehung mit dem Vater meiner Tochter hatte, glaubte ich, er sei meine große Liebe und ich sei heterosexuell, obwohl ich bereits mit 15 in eine Schulkollegin verliebt war. Das war noch einige Zeit bevor ich meine ersten Erfahrungen mit Männern hatte. Während meiner Schulzeit war ich dann auch noch total verliebt in meine Professorin und doch hatte ich Beziehungen zu Männern, da Homosexualität, Lesbisch-Sein einfach kein Thema sein durfte. Ich wuchs in einer ländlichen Gegend auf und dieses Thema war quasi ein "Wiener Thema". Ich dachte mir manchmal, dass irgendwas mit mir komisch war, weil ich bei Männern nie das Gefühl hatte mich fallen lassen zu können, oder ein tiefes Vertrauen entwickeln konnte. Ich fragte mich oft warum ich eine Rolle spielte, warum ich nie ganz ich sein konnte in Gegenwart von Männern. Aber auf all diese Fragen gab ich mir selbst die Antwort: Ich bin eben anders, das wird noch, bin halt einfach komisch.

Ein wirklich schockierendes Erlebnis war, als ich eines Nachts schweißgebadet aufwachte weil ich träumte mit meiner Professorin ein intimes Verhältnis zu haben. Am nächsten Tag konnte ich ihr gar nicht in die Augen sehen, so schämte ich mich für meine Gedanken, obwohl es ein Gefühl von Wärme war, von so viel mehr als nur körperlicher Lust. Diese Gedanken machten mir ungeheure Angst.

In den Vater meiner Tochter war ich total verliebt, endlich hatte ich nach vielen Beziehungen zu Männern meine große Liebe gefunden. Wenn wir miteinender schliefen, dann gab mir das zwar weiterhin nichts, aber ich fühlte mich bei ihm wohl.

Als er dann das Land verließ und ich schwanger war, fühlte ich mich total a-sexuell und das war echt total gut. Erst nach eineinhalb Jahren spürte ich, dass ich ja noch Frau bin: allerdings war ich zu diesem Zeitpunkt dann endlich ehrlich zu mir: Es gab ab diesem Zeitpunkt keine Beziehung mit Männern mehr, und nach einigen Monaten des Versuchs mir einzureden, ich sei bisexuell, war mir auch gefühlsmäßig klar, dass ich lesbisch bin: Es war nur sehr schwierig, mir mein Kind, das ich ja wollte, das auf „normale“ Art und Weise entstand, zu erklären, aber doch war ich froh, endlich ehrlich gewesen zu sein.

Nun lebe ich seitdem relativ offen lesbisch. Relativ deshalb, weil mir die Folgen eines totalen Outings noch nicht klar wären und ich es auch so empfinde, dass es meine Privatsache ist: meine Kolleginnen wissen zwar, dass ich mit einer Frau und ihrem Kind lebe, aber dass wir ein Paar sind, wissen sie offiziell nicht. Möglich, dass es Spekulationen gibt.

Nun leben wir also zu viert in einer klassischen Patchwork-familiy, nur mit dem Unterschied, dass wir lesbisch sind. Wir haben die gleichen Troubles bzgl. Kindererziehung u. dgl. wie eben andere Familien auch.

Es geht um soviel mehr als Sex, wir leben eine ganz „normale“ Beziehung, mit allen Höhen und Tiefen, wir streiten, wir versöhnen uns. Jedoch ist für uns ein wesentlicher Unterschied: Wir sind einfach wir selbst, wir verleugnen uns nicht mehr, nur um einem Gesellschaftsbild zu entsprechen. Geborgenheit, Wärme, Vertrauen sind für mich erst möglich geworden, seit ich meine Persönlichkeit auch lebe, meine Liebe lebe.

Es wäre nun doch endlich an der Zeit, dass mehr Menschen verstehen, dass lesbische Familien nicht anders leben als Heterosexuelle. Meine Tochter hat eine Schwester bekommen, die Tochter meiner Freundin - für beide ist das wunderschön.