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Mein Vater hat sich vor mir geoutet, da war ich acht. Wir waren mit dem Auto unterwegs, im Wagen hinter uns sein Freund. Stammelnd hat er mir zu erklären versucht, dass er schon ein wenig mehr als bloß Freundschaft für ihn empfinden würde, bis ich ihn unterbrach: „Dann seid’s ihr also schwul.“ Für mich war die Sache damit gegessen und kein Thema mehr. Seitdem ist die sexuelle Orientierung meines Vaters auf ganz natürliche Weise Teil unseres Verhältnisses: Ob wir gemeinsam mit seinem derzeitigen Freund etwas unternehmen, er mir schwärmerisch von sexy Schauspielern erzählt oder wir uns gegenseitig spielerisch aufziehen. Einziges Problem war für mich, dass er zeitweise weit weg von mir war und ich ihn nur selten gesehen habe, weil ich bei meiner Mutter gelebt habe.

Meine Eltern haben mich bekommen, als sie beide noch sehr jung, Anfang 20, waren. Mein Vater hat längere Zeit mit seiner Homosexualität nicht gut umgehen können. Sie waren noch ein paar Jahre nicht wirklich getrennt, er war noch fast jedes Wochenende bei uns, und der Mutter meines Vaters wurde ein heiles Familienleben vorgespielt. Das war für meine Mutter sehr schwer, es hat auch lange gebraucht, bis sie sich gänzlich von ihm lösen konnte, aber ich habe davon nicht viel mitbekommen, bis mein Vater auszog, als ich ungefähr acht war.
Ich habe immer ein sehr enges Verhältnis zu meinem Vater gehabt, in vielen Bereichen war er meine erste Ansprechperson. Aber einer unserer größten Konflikte ist merkwürdigerweise, dass ich lesbisch bin. Ich habe mich mit 14 vor ihm geoutet. Meine Homosexualität wurde im Gegensatz zu seiner nie thematisiert, wenn ich sie anspreche, reagiert er sehr verlegen und unbeholfen. Mit meiner Mutter hatte ich da immer viel weniger Probleme, obwohl sie ja durch die Beziehung mit meinem Vater eine eher negative Erfahrung mit Homosexualität gemacht hat. Mein Vater hat mir sogar einmal gestanden, dass er wirklich gröbere Probleme damit hat und auch nur schwer damit umgehen kann, wenn zwei Frauen sich küssen. Es ist ein seltsames Gefühl, zu spüren, wie wenig er meine Freundin akzeptieren kann, während ich zu seinen Freunden immer ein ausgesprochen gutes Verhältnis hatte.

Ich weiß, dass es meinem Vater sehr wichtig war, ein Kind zu bekommen. Da ich mir selbst auch unbedingt ein Kind wünsche, finde ich es sehr schade, dass es für Homosexuelle so wahnsinnig schwer ist, zu einem gemeinsamen Kind zu kommen. Es bedingt nämlich, dass es wesentlich schwieriger ist, das Kind in eine intakte Umwelt hinein zu gebären. Es würde bestimmt glücklicher aufwachsen, wenn es das Kind einer funktionierenden Partnerschaft wäre, als wenn es das Produkt von Lügenmärchen und Täuschungsmanövern ist. Außerdem finde ich es traurig, dass sogar Menschen, die am eigenen Leib Diskriminierung erfahren, auf andere die eigenen Maßstäbe ansetzen. Mein Vater hat sich wohl immer das kleine brave Mädchen mit den langen blonden Zöpfen gewünscht.