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Opernhaus Graz: Tschaikowski: Der Nussknacker Gemischte Gefühle (Graz, 24.11.2006). Die Kinder warten am Weihnachtsabend sehnsüchtig auf ihre Geschenke. Ein stilisierter Weihnachtsbaum wird auf die Bühne herabgesenkt, bei den daran befestigten Geschenken ist für jeden etwas dabei. Marie bekommt einen Nussknacker doch im Spiel zerreißt dieser. Die Kinder werden in eine Traumwelt aufgesogen und werden zu den Figuren ihrer Fantasie. Sie bestehen im Kampf gegen die Mäuse, die Schneekönigin entführt den Nussknacker doch Marie kann ihn befreien, und erwachen dann aus ihrer Traumwelt. Erwachsen geworden trifft Marie wieder auf den Nussknacker, er ist jetzt der Liebhaber einer anderen doch mit großem Durchsetzungsvermögen bekommt sie ihn doch. Diese Handlung ist Ihnen fremd? Egal, denn eine neue Handlung für ein so programmatisches Werk ist ohnehin meist fragwürdig und in der undurchsichtigen Inszenierung von Darrel Toulon wird sie Ihnen auch nicht näher gebracht. Die gesamte Aufführung leidet unter einer gewissen Disharmonie der TänzerInnen. Sie sind nur gelegentlich - und auch dann nicht lange - synchron oder gar im Takt, was vor allem dann, wenn sie in mehreren Gruppen zeitlich versetzt dasselbe tun sollten, zu größtmöglichem Chaos auf der Bühne führt. Die zierlichen Damen des Ensembles kommen in den zarten Pianissimo-Stellen so ungeschickt auf, dass man statt an leichte Federn eher an Daunen aus Stahl denken muss. Der Choreographie von Darrel Toulon fehlt jene Eleganz, die man von den Ballettmeistern an anderen Häusern kennt. Das Bühnenbild und die Kostüme von Anne Marie Legenstein sind einfach und wirkungsvoll; doch - wohl wegen der Inszenierung, welche weit von allem entfernt ist was man sich von einem Ballett erwartet - erfüllen sie nicht die Hoffnungen, die man in sie gesetzt hatte. Die Mäuse erinnern am ehesten an besonders skelettartige Schlangen, die Szene der Zuckerfee wurde völlig umgeschrieben, stattdessen hüpfen ein paar Teenies in Badeanzügen mit Schwimmreifen bewaffnet über die Bühne. Zumindest das Orchester spielt hervorragend, auch wenn man sich von Richard Wien mehr musikalische Differenzierung gewünscht hätte. Doch von den zarten Geigentönen, dem feinen, sanften Spiel der Harfen kann man sich dann forttragen lassen, wenn die Darbietung auf der Bühne nicht mehr das ist, was man sich vom Nussknacker erhofft. Und auch wenn man, um von diesem Ballettabend vollends hingerissen zu sein, schon sehr viel Verständnis für modernen Tanz und auch eine gewisse Nachsicht für tänzerische Ungenauigkeiten aufbringen muss, so kann man doch an der emotionsgeladenen Musik gefallen finden, welche ihre volle Wirkung erst entfalten kann, wenn sie sich live vorgetragen in einem so herrlichen Saal wie dem Zuschauerraum der Grazer Oper ausbreiten darf. Text: Ulrich Braunegg Folgevorstellungen: |
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