|
Opernhaus Graz: Cole Porter: Anything Goes Lassen Sie sich entführen! (Graz, 29.10.2006). Der Dirigent betritt aus dem Zuschauerraum heraus in einer Kapitänsuniform den Orchestergraben, vor dem Vorhang steht ein Grammophon, aus den Lautsprechern erklingt die Stimme von Cole Porter. Als sich dann zu den ersten schwungvollen, fein akzentuierten Klängen aus dem Orchestergraben der Vorhang hebt und den Blick freigibt auf die MS America, wird dem Gast der Grazer Oper schnell klar, dass ihm ein Abend voll Freude bevorsteht. Cole Porters Anything Goes ist eine schwungvolle Broadwaykomödie, gespickt mit einer Vielzahl an Songs die außerhalb des Stückes von sämtlichen Großen des Showbiz interpretiert wurden und die inzwischen so bekannt sind, dass sie aus der Unterhaltungsmusik des Zwanzigsten Jahrhunderts nicht mehr wegzudenken sind: I get a kick out of you, You're the top, It's de-lovely, Anything goes und in der Grazer Inszenierung auch Let’s do it (Let’s fall in love). Alle wurden sie schon von so namhaften Interpreten wie Ella Fitzgerald, Frank Sinatra, Alanis Morisette und Robbie Williams gesungen, doch sie hier an ihrer Originalposition im Musical zu hören, und ihre ursprüngliche Bedeutung erfassen zu können, ist ein besonderes Erlebnis. Die Regie von Josef Ernst Köpplinger lässt dabei keine Wünsche offen. Abwechslungsreich, einfallsreich und humorvoll lässt sie die Handlung klar verständlich ablaufen. Dirigent Michael Brandstätter hat das Orchester und den Chor fest in der Hand und bereitet somit dem Publikum größtmögliches Vergnügen. Die weibliche Hauptrolle Reno Sweeny wird von Patricia Nessy gegeben die mit ihrer Stimmgewalt schon fast an Ethel Merman, die Reno der Premiere von 1934, heranreicht. Daniel Prohaska als Billy Crocker spielt den vor Leidenschaft haltlosen jungen Liebhaber genauso überzeugend wie Elisabeth Ebner Hope Harcourt das Objekt seiner Begierde, und beide stehen sie Patricia Nessy in der Größe ihrer Stimmen um nichts nach. Lord Evelyn Oakleigh wird gesungen und in seiner Tollpatschigkeit wunderbar gespielt von Christian Stadlhofer steht in den Ensemblenummern ein wenig hinter den anderen zurück, doch macht dies in seinen Solopassagen mehr als nur wieder wett. Die Rolle des Kapitäns, gegeben von Previn Moore, wurde in der Grazer Produktion ebenso wie die von Evangeline Hacourt, Dagmar Hellberg, aufgewertet, was dem Stück eine zusätzliche Nummer und Previn Moores wunderbar sanfte Stimme schenkt. Was kann man über diesen Abend noch sagen außer: Gehen sie in die Grazer Oper und lassen Sie sich entführen in eine Welt wo die Wasserwellen der Damen ewig halten, die Matrosen an Deck wunderbar stepptanzen und die Küsse endlos lang, oder zumindest so lang wie die Zwischenspiele der Musicalnummern, sind. Text: Ulrich Braunegg Folgevorstellungen: |
|
||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||