Schauspielhaus Graz:

Shakespeare: Richard III.
Im Westen nichts Spannendes - Missglückte Regie


(Graz, 21.10.2006). Der Vorhang ist bereits geöffnet als man als Zuseher den Saal betritt. Auf einer mit Sand bedeckten Bühne stehen zwei Italowestern-Cowboys und starren einander an. Regungslos. Dann fängt das Stück an. Um Sheriff zu werden lässt Richard III. alle möglichen Leute umbringen. Darunter auch den Sheriff. Warum? Das vergisst Regisseur Jan Klata leider zu erklären. Um Shakespeares Königsdrama vom englischen Königshof um 1483 in den Wilden Westen versetzen zu können, hat er Einiges aus dem Stück gestrichen. Zwei Figuren (Königin Elisabeth und die Königsmutter) wurden gänzlich entfernt, ebenso wie sämtliche Passagen des Textes in denen erklärt wird warum die Handlung passiert. Zum Beispiel wird nicht klar, warum man, um Sheriff zu werden, irgendwen, außer vielleicht den amtierenden Sheriff, töten muss. Es gibt keinen Grund auch noch seine Familie auszurotten – einen Sheriffsposten kann man schließlich nicht erben. Um dieser Handlungsinkongruenz zu entgehen, hat Klata also beschlossen, einfach den Text darauf zu reduzieren, dass ein - wohl etwas neurotischer - Cowboy, um Sheriff zu werden, alle möglichen Leute um die Ecke bringen lässt oder sie selbst um die Ecke bringt. Shakespeares Königsdrama wurde somit von der Intensität der Handlung und von der, für den Dramatiker so typischen, psychologischen Ausdeutung der Figuren her so weit reduziert, bis das Ganze nicht nur optisch das Niveau eines Italowestern erreicht hat. Anstelle des Textes treten sich endlos in die Länge ziehende Szenen in denen zur Musik aus Westernverfilmungen nichts passiert. Oder einer der Schauspieler wiederholt eine Textzeile. Zehn, zwanzig Mal. Dass es das Stück, das normalerweise etwa zweieinhalb Stunden dauert, dennoch schafft in knapp eineinhalb Stunden über die Bühne zu gehen, kann als Messwert dafür genommen werden, wie viel Shakespeare da eigentlich noch geboten wird.

Dieser missglückten Regie stehen die exzellenten Leistungen der SchauspielerInnen gegenüber. Max Mayer gibt einen dem Wahnsinn verfallenen Richard dem es an Ausdruck in nichts fehlt. Warum George, der Herzog von Clarence und Bruder des Königs, stottern muss, ist unklar, doch Jan Thürmer tut dies höchst überzeugend. Hertha Schell als Margaret, Witwe König Heinrichs VI., ist mit Glatze und Krücken beängstigend und überwältigend zugleich. Lord William Hastings, im Stück zum einfachen Pastor degradiert, deklamiert endlos lange, sich immer wieder wiederholende Grabreden in amerikanisch eingefärbtem Latein. Fabian Vallant der als Kind, die Rolle der beiden Prinzen von York übernimmt hat leider vom Regisseur nicht genug Beachtung bekommen (Wohl weil er zu sehr mit dem Kürzen des Dramas beschäftigt war?). Er rattert seinen Text (ein sich vielmals wiederholendes: „Großmutter, ist Vater tot?“) so ausdrucksleer herunter wie ein auswendig gelerntes Muttertagsgedicht.

Das Bühnenbild von Justyna Łangowska und Christoph Steffen ist karg aber wirkungsvoll. Ein Galgen rechts, eine Plattform mit der amerikanischen Flagge links, dazwischen Kies und Sand und als Hintergrund eine Videoleinwand auf die ein Himmel mit immer schlechter werdendem Wetter projiziert wird. Wolken die am Horizont vorbeiziehen bis am Ende Henry, Graf von Richmond, in den Sonnenuntergang reiten darf um das Stück endlich zu beenden.


Folgevorstellungen:

24. und 25. Oktober
7., 10., 16., 23. und 24. November

Text: Ulrich Braunegg







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