Schauspielhaus Graz:

Turrini: Die Eröffnung
Glücksgriff der neuen Intendantin


(Graz, 24.09.2006). Nach dem Abschied von Matthias Fontheim im Sommer wurde dem Schauspielhaus nun mit Anna Badora eine neue Intendantin gegeben deren Regiearbeit die nächsten Saisonen prägen wird.

Anna Badora wurde in Polen geboren und studierte erst in Krakau und dann, als erste Frau, Regie am Max Reinhard Seminar in Wien. 1982 wurde sie in Köln engagiert und arbeitete dort an ihren ersten eigenständigen Regiewerken. 1991 wurde sie Schauspieldirektorin in Mainz von wo aus sie 1996 nach Düsseldorf wechselte. Ab der Saison 06/07 ist sie nun in Graz Intendantin des Schauspielhauses.

Die Saison wurde am Sonntag den 24.9. mit Peter Turrinis Stück Die Eröffnung eröffnet, ein Stück für 2 Sprechrollen (von denen eine nur sehr kurz zu Wort kommt) und einer Menge an stummen Rollen die das Erzählte illustrieren. Doch um die neue Saison zu eröffnen, wurde das Stück von Turrini alleine gelesen. Jetzt könnte man fürchten, der gut eine Stunde lange Monolog des Autors wäre nicht aufregend genug um zu fesseln, doch als Zuschauer dieses einmaligen Abends wurde einem schnell klar, dass Turrinis Vortrag alles andere als langweilig werden würde.

In Die Eröffnung geht es um einen jungen Mann der Schauspieler ist, der jedoch seine Berufung erst erreicht, nachdem er sich erst als Freisprechanlagenvertreter und dann auf einem Kreuzfahrtschiff als Vortragender von berühmten Balladen verdingt. Er sucht und findet die perfekte Frau, sie ist Ausdruckstänzerin und kopiert ihren Hintern für ihn. Er hat mit ihr eine Tochter, kann jedoch mit ihrer fortschreitenden „Arschvergrößerung“ nicht leben und trennt sich von ihr. Er feiert berufliche Erfolge, bekommt von seiner Exfrau die gemeinsame Tochter übergeben damit sie auf Tournee gehen kann, kann mit dem Kind nicht umgehen und erzählt ihm fortwährend Geschichten in denen Bäume, Kopiermaschinen und Kreuzfahrtschiffe vorkommen. Die Tochter verlässt ihn und er endgültig die reale Welt. Sie ist ihm zu gefährlich. Dort kann man erschossen werden, ganz ungeprobt und ungeplant. Der Mann wird Theaterkönig doch sein größter Gegner tötet ihn. Dieser kommt kurz zu Wort ehe der Mann wieder erscheint – Am Theater stirbt man nicht wirklich. Seine Tochter stirbt und vor Schmerz wird er wahnsinnig. Doch am Ende rettet ihn das Theater wieder. Die weiße Maske durch die er auf der Bühne alt geschminkt wurde wäscht er sich ab mit Abschminke die ihm die Souffleuse reicht. Er hat den Zusehern sein Leben eröffnet. Und jetzt eröffnet er das Theater. „Vorhang auf!“

Peter Turrinis Stück ist abwechslungsreich, mal lustig, mal ergreifend und wird dabei nie langweilig. Und seine Art sein eigenes Werk vorzutragen ist unbeschreiblich. Mit seiner Stimme zeichnet er ein Bild von einer Bühne, das für den Zuhörer real und fast greifbar wurde. Sein Stück zu verwenden, um die neue Spielzeit und die neue Intendanz zu eröffnen, war ein Glücksgriff welcher der neuen Intendantin bei Ihrem Publikum bereits einige Sympathie sichern konnte. Das Stück vom Autor selbst lesen zu lassen machte daraus ein Erlebnis das für die ZuseherInnen sicherlich unvergesslich bleiben wird.


Die nächsten Premieren im Schauspielhaus:

27.09.2006 Premiere Medea
28.09.2006 Premiere Ostmark
29.09.2006 Premiere Tzap-Tzarap

Text: Ulrich Braunegg









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