Theater im Keller:

Kein Mozart.
Ensemble Herzbruchstück begeistert Grazer Publikum


(Graz, 21.9.2006). „Hallo, ich bin Wolf und ich war böse.“ Der Beginn einer weiteren faszinierend-widerlichen Nachmittags-Talkshow? Nein. Besser! Kein Mozart.

Harald Buresch nahm sich für sein Musical die unsäglichen Damen und Herren der Unterhaltungsindustrie, Zuhälter und Zuhälterinnen der Sozialpornographie, zum Vorbild und trieb ihr Konzept auf die Spitze. Heraus kamen satirische Überhöhung, pfiffiger Wortwitz und intelligente Pointen gepaart mit wenigen Momenten in denen einem das Lachen eher im Halse stecken bleibt.

Wolf (Buresch) war also böse und möchte (?) das seiner Conny (Sonja Kraushofer) vor laufender Kamera in Bärbel Wahrlichs (Saskia Bade) Talkshow beichten. Ausgehend von ihrem Auftritt in der Sendung werden Connys und Wolfs Beziehung und ihrer beider Leben näher beleuchtet … beleuchtet von Tausenden Flutlichtern, die Bärbel Wahrlich gnadenlos auf ihre Gäste richtet. Dass die beiden Charaktere dabei während unzähliger Pointen und einiger nachdenklicher Momente nie zu Karikaturen verkommen – eigentlich sogar mehr Würde bewahren als manche reale Talkshow-Gäste –, liegt nicht zuletzt an den schauspielerischen Leistungen von Kraushofer und Buresch.
Saskia Bade begeistert als selbstverliebte, skrupellose Bärbel Wahrlich bar jeglicher Empathie; heuchelt Interesse fast noch abscheulicher als wir es von den realen Vorbildern gewohnt sind.
Alle drei sind sie hervorragende SängerInnen, die, begleitet vom naturgemäß unterforderten Florian C. Reithner am Piano, die Songs des Musicals unplugged zum Glänzen bringen.
Und: Wenn Bade sich als Bärbel freud [sic!], erblasst so manche Tunte vor Neid auf ihr Kreischen.
Gecovertes und Umgetextetes fügt sich brillant in die Handlung des satirischen Musicals. Da wird „In The Navy“ dann schon mal rasch zu „Nur bei Bärbel“. Wobei: So abwegig ist die sehr freie Übersetzung vielleicht ja gar nicht: Opfer sind da wie dort zu beklagen. Und im Krieg wie in der Talkshow sind Menschen nur Humankapital, Mittel zum Zweck.

Die Spielfreude war dem Ensemble Herzbruchstück bei dieser Graz-Premiere vom ersten Ton bis zur heftig akklamierten Zugabe wirklich anzusehen.

Und damit wir alle aus diesem Abend auch was lernen, eine schöne Lebensweisheit zum Schluss: „Man muss die Männer so nehmen, wie sie sind. Aber man muss sie doch nicht so lassen.“

Folgevorstellungen:
22. und 23. September: Theater im Keller, Münzgrabenstraße 35, 8010 Graz
24., 25., 27. und 28. September: Theater am Alsergrund, Löblichgasse 5-7, 1090 Wien
30. September: Altes Brauhaus, Passauer Straße 11-13, D-84347 Pfarrkirchen


Text: Michael Langer


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