Lehárfestival Bad Ischl:

Lehár: Die lustige Witwe
Grandioser Saisonauftakt


(Bad Ischl). Nach dem Vorjahr, in dem eine Rarität von Franz Lehár, Eva, mit einem populären Werk (Der Bettelstudent) gekoppelt war (gundl.at berichtete), macht es das heurige Lehárfestival genau umgekehrt und spielt in Ergänzung zu einer der bekanntesten Operetten des Ischler Meisters die in den letzten Jahrzehnten kaum irgendwo zu sehende Fatinitza von Franz von Suppé.

Nach der restlos ausverkauften Premiere der Lustigen Witwe kann ruhigen Gewissens behauptet werden, dass sich zum künstlerischen Erfolg heuer auch der wirtschaftliche gesellen wird – die weiteren Vorstellungen sind bereits sehr gut gebucht.

Nun aber zur Aufführung selbst, die das als äußert gelungen zu bezeichnende Regiedebüt von Ulrike Beimpold mit sich brachte: Im beinahe klassisch zu nennenden Bühnenbild von Mignon Ritter und den geschmackvollen Kostümen von Michaela Mayer-Michnay belässt die Schauspielerin die Handlung im Paris des beginnenden 20. Jahrhunderts, sorgt dafür, dass sich die SängerInnen mit größter Natürlichkeit bewegen und vor allem die Dialoge ohne falsches Pathos sprechen, natürlich dürfen auch die üblichen Pointen nicht fehlen, die wohldosiert eingesetzt werden. Großes Lob verdient die Führung des wie immer von Thomas Huber hervorragend einstudierten Chores. Ein geradezu magischer Moment ergibt sich im Duett Lippen schweigen, wenn das Paar, das sich endlich gefunden, zum Walzerzwischenspiel nicht tanzt, sondern einfach nur verliebt nebeneinander sitzt und den Mond betrachtet; dies sei als nur ein Beispiel für die vielen hübschen Details erwähnt, die Beimpold herausgearbeitet hat.

Auch musikalisch bewegt sich das Lehárfestival auf höchstem Niveau. Als charmante Titelheldin, die Diva und liebende Frau in einem ist, besticht Miriam Portmann mit ihrem sicher geführten und vieler Nuancen fähigen Sopran, ihr Danilo ist Publikumsliebling Reinhard Alessandri, er ist ebenso aristokratischer Hallodri wie verletzter Liebender, stimmlich bereitet die Partie seinem strahlenden Tenor natürlich nicht die geringste Schwierigkeit und vor allem Eines: Er versteht es, Frack zu tragen, hätte man ihm, aller Sparsamkeit zum Trotz, Lackschuhe spendiert, wäre dies noch besser gelungen.

Von einem zweiten strahlenden Tenor gilt es ebenfalls zu berichten, Marlin Miller wuchs als Rossillon geradezu über sich selbst hinaus, ließ die Rosenknospe voll erblühen und krönte sie mit einem wunderbaren hohen C. Stimmlich schön mit der Titelheldin kontrastierend die Valencienne von Ulrike Pichler-Steffen, nach Wunsch tollpatschig und stimmlich saftig der Mirko Zeta von Rupert Bergmann, stellvertretend für den Rest des hervorragenden Ensembles seien Karl Herbst als aufbrausend-eifersüchtiger Kromov und Wolfgang Dosch als bauernschlauer Njegus erwähnt.

Mit viel Schwung und Gefühl leitet Marius Burkert das äußerst engagiert und präzise aufspielende Franz Lehár-Orchester, eine Leistung, die auch vom gestrengen Altmeister Franz Bauer-Theussl heftig akklamiert wurde.

Bis Ende August gibt es noch 20 Aufführungen der Lustigen Witwe, sowie acht von Fatinitza, die am 15. Juli Premiere haben wird.

Nähere Informationen: www.leharfestival.at


Nachwort

Zur Saisoneröffnung gab es neben der Begrüßung durch Intendant Michael Lakner auch Grußworte des Landeshauptmannes von Oberösterreich und des Bürgermeisters von Bad Ischl, die beide ein Bekenntnis zur Kunstform Operette und zum Lehárfestival ablegten, sowie eine Festrede von Miguel Herz-Kestranek, die zur Peinlichkeit geriet, aber nicht für den großen Schauspieler und Schriftsteller, sondern für Teile des anwesenden Premierenpublikums: Der Vizepräsident des österreichischen P.E.N.-Zentrums setzte sich – rhetorisch brillant - durchaus kritisch mit der Geschichte der Operette auseinander und prangerte Missstände der österreichischen und internationalen Kulturpolitik an. Dies missfiel Teilen des Publikums so sehr, dass er niedergehustet wurde, woraufhin der andere Teil des Publikums – Gott sei Dank - heftig zu applaudieren begann, aber es war vorbei mit der Rede: Abgesehen von der Frage der puren Höflichkeit finde ich es beschämend und erschütternd, dass im Österreich des beginnenden 21. Jahrhunderts noch immer ein derartiges Klima der Engstirnigkeit und Intoleranz herrschen kann, dass man jemanden nicht einmal zu Ende sprechen lässt, bloß weil das von ihm Gesagte einem nicht zu Gesicht steht.

Text: Wolfgang Würdinger







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