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Filmzentrum im Rechbauerkino:
Sally Potter - The Film Works
7. bis 27. Juli 2006
(Graz). Von 7. bis 27. Juli findet im Filmzentrum im Rechbauerkino die vollständigste jemals in Österreich gezeigte Werkschau der britischen Regisseurin Sally Potter statt.
Von ihren Experimental- und Kurzfilmen der 80er Jahre, über ihre bekannten und erfolgreichen Filme der 90er Jahre, bis zu ihrem neuesten Werk YES, das nun erstmals in Österreich in die Kinos kommt.
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Ab 7. Juli 2006:
YES - UK/USA 2004 100 Minuten engl. OmU - D: Joan Allen, Simon Abkarian, Sam Neill - Musik: Philip Glass, Sally Potter, Tom Waits
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Ein libanesischer Koch macht einer amerikanischen Geschäftsfrau Komplimente, sie gibt ihm ihre Nummer. Aus der flüchtigen Begegnung wächst große Liebe, die der Aufhänger ist für einen poetisch-philosophischen Bilderreigen. Potter greift eine beeindruckende Sammlung von Themen auf, die von Liebe und Glauben bis oberflächlicher Schönheitswahn und das Vorhandensein von Dreck geht. Dreck darum, weil die Welt aus der Sicht von Putzfrauen geschildert wird. Die wussten ohnehin schon immer genauer Bescheid über den Zustand der Welt hinter den schönen Fassaden. Eine dieser Reinigungskräfte stellt uns ihre Chefin und deren Haushalt vor, in einer Art kommentierenden und allwissenden Form, wie der Chor im antiken Theater. Dramatisch sind auch die Dialoge, die als Blankverse a la Shakespeare verfasst sind. Um Kanten herum, durch Wassergläser hindurch, mit verschiedene Farbfiltern filmt Potter ihre vielschichtige Geschichte. Elegant. Subtil erotisch. Wunderschön.
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14. bis 17. Juli 2006:
THE MAN WHO CRIED - UK/F 2000 100 Minuten engl. OmU - D: Christina Ricci, Johnny Depp, Cate Blanchett, John Turturro |
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Im Zentrum der Geschichte steht ein jüdisches Mädchen. Als kleines Kind schon wird sie aus ihrem russischen Dorf vertrieben, um bei englischen Pflegeeltern zu landen. Die Briten haben die besten Absichten und berauben das Mädchen doch ihrer Sprache und ihres Namens von nun an heißt sie Suzie. Einzig ein Foto ihres Vaters und eine Goldmünze, die einst die Überfahrt nach Amerika bezahlen sollte, bleiben ihr. Aus dem Kind wird eine junge Frau, die durch ihr Gesangstalent eine Anstellung in einem Pariser Nachtklub erhält. Man schreibt das Jahr 1939. Wie der Titel schon sagt, ist dies ein tragischer, trauriger Film. Und das ist nicht zynisch gemeint. THE MAN WHO CRIED ist nicht rührselig, sondern berührend. Die Grenze zwischen echten Emotionen und reiner Sentimentalität ist zwar fließend, aber der Film schafft es, gefühlvoll statt gefühlig zu sein. Der wiederkehrenden Geschichte von Vertreibung und Vernichtung begegnet die Regisseurin Sally Potter mit Feingefühl und Respekt. Auch der Gefahr, bei der Darstellung fremder Kulturen zu sehr auf den Reiz des Exotischen zu setzen, widersteht sie.
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18. bis 21. Juli 2006:
TANGO LESSON - UK 1997 100 Minuten engl. OmU - D: Sally Potter, Morgane Maugran, Pablo Verón |
Sally ist Regisseurin und arbeitet an ihrem neuen Stoff. Witzig dargestellte Momente einer kreativen Schreibblockade treiben die britische Autorin vom penibel sauberen Schreibtisch nach Paris, der Exilstadt vieler von Diktaturen vertriebener Argentinier. Dort verfällt sie dem professionellen Tangotänzer Pablo und macht ihm ein Angebot: Wenn er ihr den Tango beibringt, würde sie ihn zum Filmschauspieler machen. Ein Film mit berauschenden Bildern aber auch mit anspruchsvoll kantigen Inhalten. Sally Potter verbindet in ihrer verführerischen Tanzstunde elegant eine Vielzahl von Themen: Die Faszination des Tango, die Entwicklung des Films, den wir gerade sehen, die Geschlechterfrage. Wie kommen Mann und Frau damit zurecht, wenn die Führungsrolle wechselt? Sally Potter tanzt dabei selbst. Sie ist und spielt die sensible und starke Regisseurin, wie auch der berühmte Tangotänzer und -Choreograph Pablo Veron den Pablo spielt und die Tänze choreographierte. Sallys Tanzrepertoire scheint zwar begrenzt, die Figuren und Schritte, die sie beherrscht, geben aber die Faszination des Tango ganz wieder ob an den Quais der Seine oder in den Tanzhallen von Buenos Aires.
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22. bis 25. Juli 2006:
ORLANDO - UK 1992 93 Minuten engl. OmU - D: Tilda Swinton, Quentin Crisp, Jimmy Somerville |
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Basierend auf der Romanvorlage von Virginia Woolf, setzt Sally Potter eine Geschichte zwischen den Zeiten in Bilder um: Orlando, ein junger englischer Edelmann des 16. Jahrhunderts, bekommt von seiner ihm wohl gesonnenen Königin Elisabeth I. einen prachtvollen Besitz übereignet - für alle Zeiten, wenn er nur jung bleibe. An diese Bedingung hält er sich auch, und durchlebt die Jahre in wechselnden Professionen und an unterschiedlichen Orten. Als Orlando zur Frau wird, erklären ihn die Behörden erstens für tot und sprechen ihr zweitens den Besitz ab. Doch ihre Reise geht weiter bis in die Gegenwart... Orlandos Wandel vollzieht sich im Einklang mit der gesellschaftlichen und politischen Veränderung Großbritanniens durch die Jahrhunderte. Als In-Joke leiht Quentin Crisp, einer der ersten offensiv homosexuellen Entertainer Britanniens, der "großen " Königin Elisabeth I. eine neue Facette. Noch wichtiger ist aber die Toleranz, die sich in der Figur Orlando widerspiegelt. Diese rührt von der Erfahrung, die so wenige machen können, nämlich die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln gesehen zu haben - ein Weg, der oft schmerzhaft und von Verlust geprägt ist, aber die Augen weit öffnet.
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26. und 27. Juli 2006:
LONDON STORY - UK 1986 15 Minuten engl. OV - D: Lol Coxhill, Arthur Fincham, Jacky Lansley |
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While Britain chooses between Europe and the US as political allies, three characters decide to act…
This virtually dialogue-free film is performed very much as a silent comedy might be, with bodily gesture and dance doing the work of sketching in the characters and moving the story along. At home in his seedy room, the doorman rehearses the gestures that his job requires; Lol Coxhill's briefcase man swerves around on the bike and totters gingerly across the ice to meet his contact; Jacky Lansley's femme fatale, complete with red dress, leads the closing dance with her two henchmen. A tight, elegant and witty film, THE LONDON STORY lovingly evokes earlier forms of cinema - Technicolor musicals as well as silent comedies and spy thrillers. It recruits familiar London landmarks for its allusions to the relationship between government (represented by Parliament and Whitehall on one side of the Thames) and the arts (represented by the South Bank).
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26. und 27. Juli 2006:
THE GOLD DIGGERS - UK 1983 89 Minuten engl. OV - D: Julie Christie, Hilary Westlake, Colette Laffont |
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Yukon, Canada: Celeste works in a bank and is investigating the nature of money and gold and their circulation. Beautiful blonde Ruby, daughter of a gold rush entertainer, is chasing her own memories. Their quests gradually converge... Aesthetically, the film occupies the territory between experimental cinema and, with its stunningly lit black-and-white cinematography redolent of Ingmar Bergman's films. Its investigative narrative gives THE GOLD DIGGERS a cool, cerebral quality, a kind of Brechtian distanciation. At the same time, the music track ties all the elements of the film together and this, along with the beauty of its images and the wittiness and engaging quality of its dance numbers, brings to the fore cinema's particular pleasures. With its numerous references to the history of cinema, from D.W Griffith's Way Down East (US, 1920) through the Hollywood musical Gold Diggers of 1933 (US, d. Mervyn LeRoy, 1933) to David Lean's Doctor Zhivago (1965), The Gold Diggers is both a love letter to, and a critique of, mainstream cinema.
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Sally Potter verließ die Schule im Alter von sechzehn Jahren, um Filmemacherin zu werden. Schon bald begann sie, experimentelle Kurzfilme zu drehen. Später absolvierte sie an der London School of Contemporary Dance eine Ausbildung als Tänzerin und Choreographin, um danach ihr eigenes Ensemble, die Limited Dance Company, zu gründen.
Mehrfach wurde Sally Potter in der Folgezeit als Performance-Künstlerin und Theaterregisseurin ausgezeichnet. Darüber hinaus wirkte Sally Potter als Textdichterin und Sängerin in mehreren improvisierten Musikgruppen mit. Gemeinsam mit David Motion komponierte sie den Soundtrack zu ihrem Film Orlando, und auch die Musik zu Tango-Fieber entstammte ihrer Feder. Die Originalmusik zu Yes, von ihr produziert und komponiert, ist ihre bislang letzte Arbeit auf dem Gebiet der Musik.
Mit ihrem Kurzfilm Thriller (1979), einer kritischen Auseinandersetzung mit Puccinis Oper La Bohème, sorgte Potter bei mehreren großen Festivals für Aufsehen, so dass ihr Werk allmählich einem größeren Publikum bekannt wurde. Bald konnte sie ihren ersten abendfüllenden Spielfilm drehen, The Gold Diggers mit Julie Christie in der Hauptrolle (1983), dem sie dann mit London Story (1986) wiederum einen Kurzfilm folgen ließ. Als nächstes drehte sie für den britischen TV-Sender Channel 4 die Dokumentarserie Tear, Laughter, Fears and Rage (1986) sowie einen Film über Frauen im sowjetischen Kino, der den Titel I Am An Ox, I Am A Horse, I Am A Man, I Am A Woman trägt (1988). Der Film Orlando (1992) mit Tilda Swinton in der Hauptrolle, eine Adaption des gleichnamigen Romans von Virginia Woolf, verhalf Sally Potter zu internationalem Erfolg. Abgesehen von zwei Oscar-Nominierungen wurde Orlando mit über 25 internationalen Auszeichnungen bedacht, darunter mit einem Felix als bester europäischer Film des Jahres 1993 und mit Hauptpreisen bei den Filmfestspielen von St. Petersburg, Thessaloniki und anderen Festivals. Sally Potters nächster Film war Tango Lesson, in dem sie an der Seite des berühmten Tangotänzers Pablo Veron auch in einer eigenen Rolle zu sehen ist. Als man den Film beim Festival von Venedig präsentierte, wurde er gleichermaßen vom Publikum wie von der Kritik gefeiert. Im Jahr 2000 vollendete Sally Potter The man who cried (mit Johnny Depp, Christina Ricci, Cate Blanchett und John Turturro in den Hauptrollen), der kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs in Paris spielt und dort im Opern-Milieu angesiedelt ist. 2004 folgte ihr bislang letzter Film Yes, eine bittersüße Romanze mit Joan Allen, Simon Abkarian und Sam Neill in den Hauptrollen, der nun erstmals in Österreich zu sehen ist.
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