| Theater im Bahnhof:
SUE ELLEN live Ich bin neu im politischen Handeln „Kill Bill“ am Opernball Was blieb von jungen Träumen, wenn man eines Tages aufwacht und feststellt, dass man 39 ist? Annemarie (Juliette Eröd), Ursula (Gabriela Hiti), Nadja (Pia Hierzegger) und Conny (Beatrix Brunschko) haben das, was viele als „gesicherte Existenz“ bezeichnen: Sie sind verheiratet, die Kinder gehen aufs Gymnasium, das Eigenheim plus Garten ist tipptopp in Schuss gehalten. Und selbstverständlich darf auch der reinrassige Hund nicht fehlen. Es werden Gartenpartys gegeben und keine Elternabende versäumt die perfekte Idylle. Als Ursula eines Tages ihren alten E-Bass auf dem Dachboden wieder findet, erkennt sie, dass Idylle nichts anderes als ein Synonym für Langeweile ist. Sie beschließt, ihre alte Schulband wieder zusammenzubringen. Gemeinsam mit ihren ehemaligen Schulkolleginnen Nadja, Conny und Annemarie werden die Instrumente ausgepackt und ein Entschluss gefasst: Wir ändern die Welt. Wir machen nicht mehr mit im globalen Monopoly. Wir geben unserem Leben wieder einen Sinn. Und die Musik soll Mittel und Zweck zugleich sein. Denn: „Rock ’n’ Roll ist eine Frage der Einstellung“. Das „Theater im Bahnhof“ hat den Standort am Lendplatz aufgegeben und bespielt nun die Stadt. Schau- und Spielplatz für die Premiere von „Sue Ellen live“ am 19.4. war das BANG in der Dreihackengasse. Ein gut besuchter Abend und Zwischenapplaus ließen die Schauspielerinnen völlig zu Recht strahlen. In bester Rockstar-Manier wurden weiße Anzüge und Bärte getragen und kräftig in den Bass gegriffen. Das Bühnenbild bestand aus Videos von Heike Barnard und Jürgen Gerger; da kamen Erinnerungen an „Guten Tag“ von Wir sind Helden hoch. Besonders amüsant war die Sequenz mit dem schönsten Finanzminister der Welt und seiner Fiona am Wiener Flughafen an sich schon komisch, aber mit Original-Dialogen aus „Dallas“ unterlegt einfach göttlich. Anschauen! Ansonsten wird auf große Dialoge verzichtet. Das meiste wird durch die Musik selbst ausgedrückt, diese natürlich live, nur die Beats kamen vom PC. Und da geht es Sue Ellen wie jeder anderen Band auch: Nicht alles ist ohrwurmfähig, aber Songs wie „Ich, du, sie und Ursi“ und „Ich bin neu im politischen Handeln“ sind sicher auch vom Stück losgelöst hörbar. Positiv aufgefallen ist die Authenzität der Darstellerinnen. Das sind echte Frauen, nicht die an einer Midlifecrisis leidenden Klischeepüppchen aus irgendeiner US-Soap. Und wer wissen möchte, wie eine Kombination aus dem Wiener Opernball und Tarantinos „Kill Bill“ aussehen könnte, der oder die möge sich bitte an einem der nächsten Spieltermine im Bang einfinden. Text: Christa Pail |
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