Opernhaus Graz:

Tschaikowski: Dornröschen

Großer Publikumserfolg

(Graz). Heftig akklamiert wurde der diesjährige Ballettabend vom leider nicht übermäßig zahlreich erschienenen Premierenpublikum (Schneefall?!?) - diese Aufführung sollte man sich allerdings nicht entgehen lassen.

Darrel Toulon hat wiederum ein abendfüllendes Ballett ausgewählt und seine eigene Fassung kreiert, der leider eine gute halbe Stunde der Musik von Peter Iljitsch Tschaikowski zum Opfer gefallen ist. Er stellt die Geschichte in eine Rahmenhandlung – ein kleines Kind kann sich nach einem Albtraum nicht beruhigen, weder die Eltern, noch die herbeieilende Ärzteschar vermögen etwas auszurichten, erst als es sich in „The sleeping beauty“ vertieft, kommt es zur Ruhe, vielmehr noch, es wird vom Märchen derart in den Bann gezogen, dass es schließlich in die Handlung eingreift und an Stelle der originalen Fliederfee mithilft, das Böse zu besiegen und die Liebenden zueinander zu führen. Vor dem glücklichen Ende gibt es noch einen bunten Reigen vieler weiterer Märchengestalten, von der Hexe über die Bremer Stadtmusikanten bis zum bösen Wolf, dem auch noch der Garaus gemacht wird. Toulon stellt nicht nur Gut und Böse gegenüber, sondern konfrontiert auch die Erwachsenenwelt mit der schier grenzenlosen Imagination der Kinder.

Seinem in den letzten Jahren entwickelten Stil treu bleibend vermischt Toulon auch diesmal Elemente des Ausdruckstanzes mit jenen des klassischen Balletts, würzt das Ganze mit so manch parodistischer Einlage und schneidert seine Choreographie den TänzerInnen förmlich auf den Leib. Allen voran ist zweifelsfrei Young na Hyun zu nennen, die sich mit unbändiger Energie und starkem Ausdruck die Herzen der ZuschauerInnen erobert, als böse Carabosse (und als Wolf) brilliert Michal Zábavik, Livia Hýllová ist eine bezaubernd-virtuose Prinzessin Aurora, und als Einspringer für den verletzten Abel Cruz dos Santos fügt sich der in Innsbruck engagierte Spanier Enrique Gasa Valga sehr elegant beinahe nahtlos ins Ensemble ein. Natsu Sasaki und William Süll geben ein ebenso verliebtes und wie würdiges Königspaar, wie denn die ganze Tanztruppe die ihr gestellten Aufgaben mit sichtbarer Freude an der Sache virtuos bewältigt.

Das aus wenigen Elementen bestehende Bühnenbild sowie die phantasievollen und farbenfrohen Kostüme von Anne Marie Legenstein und Alexandra Burgstaller tragen das Ihre zum Erfolg des Abends bei.

Last but not least die musikalische Umsetzung des Werkes: Von Richard Wien mit großer Gestik animiert bringt das Grazer Philharmonische Orchester die hochromantische Partitur zu wunderbarem Klingen, ohne dass übermäßiges Pathos aufgetragen wird, eine hervorragende Leistung in allen Instrumentengruppen.

Starker und lang anhaltender Schlussapplaus für alle an der Aufführung Beteiligten.

Folgevorstellungen
8., 10., 12., 16. und 24. März 2006
1., 6. und 12. April 2006
13. und 28. Mai 2006

Text: Wolfgang Würdinger