Opernhaus Graz:

Mozart: Idomeneo

Musikalisch beglückend, szenisch missglückt

(Graz). Nach Mailand und nur zwei Tage nach Wien scheiterte auch Graz an der Umsetzung des – zugegebenermaßen etwas spröden und sicher nicht leicht zu realisierenden – Werkes des Jahresregenten Wolfgang Amadeus Mozart.

Dem Regie- und Ausstattungsteam Lisa Stumpfögger und Herbert Kapplmüller gelingt es nicht, seine zahlreichen und in Ansätzen auch durchaus originellen Ideen zu einem harmonischen Ganzen zu formen. So mischen sich ein als übermütiger Junge (Wolferl??) herumtobender Idamante und karnevaleske Szenen einerseits mit in strenges Barock verpackten Szenen (Welt von Vater Mozart??) andererseits, zum Schluss darf auch das obligate Ross, auf dem Idomeneo sitzt, nicht fehlen; warum Idamante seinen Vater ersticht, warum die furiose Elettra dem Oberpriester des Neptun (Juraj Hurny) das Herz heraus- und den Penis abreißt, bleibt im Unklaren, wie denn überhaupt die Gefühlswelt der ProtagonistInnen und ihre Beziehungen zueinander nicht sehr klar herausgearbeitet erscheinen; dass es sich um eine in der griechischen Antike spielende Geschichte handelt, sollte man besser schon vor Besuch der Vorstellung wissen. Dementsprechend einhellig fiel auch das Buhkonzert, das die beiden beim Schlussvorhang empfing, aus. Was jedoch vor zwanzig Jahren noch für einen handfesten Theaterskandal gesorgt hätte, langweilt heute nur mehr (besonders nach der Pause), zu viele Déjà-vus bekam das Publikum wieder einmal vorgesetzt.

Schade, denn gespielt und gesungen wurde auf hohem Niveau: Unter Paul Goodwin musiziert das Grazer Philharmonische Orchester besonders sauber, duftig und transparent, schönster Mozartklang also, dem es nur manchmal etwas an dramatischer Konturierung fehlt; sehr engagiert und differenziert der in den ersten beiden Parkettreihen platzierte Chor. In Johannes Chum wurde ein idealer Titelheld gefunden, der mit seinem sicher geführten, männlich lyrischen Tenor allen Anforderungen der koloraturenreichen Partie gerecht wird. Alle ihre Vorzüge spielt Margareta Klobucar als glöckchenreine Ilia aus, mit ausdrucksvollem Mezzo gestaltet Stephanie Houtzeel die musikalisch eher undankbare Partie des Idamante. Natalia Dercho verfügt über einen klangschönen dramatischen Sopran, forciert aber stellenweise zu sehr und wird dadurch ziemlich schrill. Die Partie des Arbace wurde auf wenige Takte reduziert, dafür darf Milen Bozhkov dann eine seiner Arien während der Pause im Spiegelfoyer mit Klavierbegleitung zum Besten geben – eine konzertante Aufführung wäre möglicherweise die bessere Wahl gewesen.

Folgevorstellungen
3., 8., 12., 15 und 26. Februar
2., 19. und 26. März
2., 16. und 29. April

Text: Wolfgang Würdinger