Opernhaus Graz:

Kálmán: Die Csárdásfürstin

Operettenseligkeit pur

(Graz). Als rundum geglückt kann die diesjährige Weihnachtspremiere bezeichnet werden, die heuer einem Werk der silbernen Ära galt, nämlich Emmerich Kálmáns meistgespieltem Werk, der 1915 uraufgeführten Operette Die Csárdásfürstin.

Für die Regie wurde der gebürtige Grazer Robert Herzl gewonnen, der eine Glanzleistung ablieferte: Er inszenierte im wunderschönen Jugendstilbühnenbild von Pantelis Dessylas, das von den ebenso farbenfrohen wie geschmackvollen Kostümen von Waltraud Engelberg unterstützt wird, Operette ganz konventionell, aber im besten Sinn des Wortes: Alle ProtagonistInnen, wie auch der Chor (Einstudierung: Matthias Köhler) und das Ballett (Choreographie: Allen Yu) bewegen sich und singen und sprechen mit größtmöglicher Natürlichkeit, jede Pointe sitzt; keine Geste, kein Tanzschritt ist zuviel, nichts wirkt übertrieben oder aufgesetzt, die Geschichte der beiden Liebespaare wird schnörkellos erzählt, ohne dass der zeitgeschichtliche Hintergrund, der soeben ausgebrochene Erste Weltkrieg und die dem Untergang geweihte Monarchie, vernachlässigt wird.

Musikalisch herrscht ebenfalls eitel Wonne: Altmeister Rudolf Bibl leitet das Grazer Philharmonische Orchester mit viel Schwung, gibt teilweise sehr flotte, aber dennoch immer sängerfreundliche Tempi vor, steigert die Aktfinali dramatisch und fängt alle in der Partitur vorhandenen Stimmungen ein, ein Verdienst auch des sehr sauber spielenden und den Intentionen des Dirigenten immer folgenden Orchesters.
Elisabeth Flechl debütierte in der Titelpartie am Grazer Opernhaus sehr erfolgreich, Ihre Sylva Varescu hält sehr schön die Balance zwischen selbstbewusster Künstlerin und liebender und damit auch verletzlicher Frau. Mit ihrem sinnlichen und höhensicheren Sopran meistert sie die Anforderungen ihrer Rolle ohne die geringste Anstrengung. Der zweite Hausdebütant war Dietmar Kerschbaum, der den Edwin gab, er beeindruckte mit seinem weichen, warmen und in der Höhe metallisch aufstrahlenden Tenor ebenso wie mit seiner natürlichen Ausstrahlung. Der dritte Hausdebütant war in der Rolle des Feri Bácsi der ungarische Buffo Tibor Szolnoki, der seiner Rolle mit viel Charme und Verve und perfektem Deutsch gerecht wurde. Dorit Machatsch gab eine ganz reizende Stasi, deren glöckchenreiner Sopran sehr schön mit der etwas dunkleren Stimme von Elisabeth Flechl kontrastierte. Den größten Erfolg beim Publikum allerdings heimste der schon als Jesus Christ Superstar gefeierte Daniel Prohaska als Boni ein, er sieht nicht nur blendend aus, sondern spielt, singt und tanzt gleichermaßen beeindruckend mit natürlich-jungenhaftem Charme. Last but not least seien in den Rollen des Fürstenpaares von und zu Lippert-Weylersheim die so vielseitige Uschi Plautz sowie der Heimkehrer Klaus Ofczarek erwähnt, der einen gar köstlich angetrottelten Fürsten verkörpert.

Alle an dieser Produktion Beteiligten wurden zum Schluss vom Publikum heftig akklamiert, leider war das Haus nicht ganz voll besetzt (zu viel Vorweihnachtsstress?), wir sind aber überzeugt, dass bei den weiteren Vorstellungen nicht viele Plätze leer bleiben werden.

Folgevorstellungen
21. und 31. Dezember 2005
11., 13. und 15. Jänner 2006
4., 11., 17. und 28. Februar 2006
weitere Vorstellungen von Ende März bis Anfang Juni 2006

Text: Wolfgang Würdinger