Lehárfestival Bad Ischl:

„Eva“ und „Der Bettelstudent“
Erfolgreiche Premieren

Dem Vorhaben Rechnung tragend, jedes Jahr eine Operette von Franz Lehár aufs Programm zu setzen, eröffnete das Bad Ischler Festival die heurige Saison mit der eher selten aufgeführten Eva und konnte das Werk sehr erfolgreich wiederbeleben.

Das Orchester ist hinter der Bühne platziert, somit wird Raum geschaffen für die Umsetzung des Regiekonzeptes von Leonard C. Prinsloo, das die Bühne weit in den Zuschauerraum verlegt; ein Teil des Publikums sitzt an Tischen, der revueartige Charakter der Inszenierung wird sofort klar erkennbar, auch wenn die Geschichte vom leichtlebigen Fabrikbesitzer Octave, der durch eigene Schuld die Liebe der von ihm angebeteten Eva verspielt, immer im Vordergrund bleibt. Die Darsteller agieren allesamt locker und natürlich und vermeiden jede operettenhafte Gestik, was der Aufführung sichtlich gut tut: Allen voran ist die Titelheldin Morenike Fadayomi zu nennen, die mit ihrem Charme augenblicklich bezaubert und durch ihren dunkel timbrierten und in der Höhe strahlenden Sopran besticht. Schauspielerisch macht sie die Wandlung vom behüteten Mädchen zur selbstbewussten jungen Frau schön glaubhaft. Ihr zur Seite als Octave Reinhard Alessandri, der nicht nur durch sein Auftreten, sondern auch durch seine baritonal gefärbte, in der Höhe aufblühende Tenorstimme beeindruckt; die Duette der beiden zählen zu den Höhepunkten des Abends. Nicht ganz so inspiriert war offensichtlich Lehár beim Buffopaar, das in Zora Antonic und Kurt Malik ausgezeichnete Interpreten findet. Thomas Zisterer gibt mit hübscher Stimme, viel Selbstironie und ausgezeichnet tanzend den Prunelles, als Evas Ziehvater Larousse gibt Gerhard Balluch eine weitere Kostprobe seiner großen Schauspielkunst.
Am Pult des ausgezeichnet spielenden Lehár-Orchesters waltete mit Schwung und Umsicht Wolfgang Bozic, der die Feinheiten der Partitur herausarbeitete und die groß angelegten Finali effektvoll zu steigern wusste.

Auch sein junger Kollege Marius Burkert vermochte das Orchester bei Carl Millöckers Der Bettelstudent zu einer hervorragenden Leistung zu animieren und so das musikalische Fundament des rundum geglückten und vom Premierenpublikum lebhaft akklamierten Abends zu schaffen. Die Besetzung lässt nur wenige Wünsche offen: Als Titelheld ist Alexandru Badea zu erleben, dessen Tenor den Anforderungen der Partie durchaus gerecht wird, Nuancen darf man sich aber nicht allzu viele erwarten, und leider ist er sowohl in den Dialogen wie auch beim Singen oft kaum zu verstehen. Als Oberst Ollendorf brilliert der Grazer Rupert Bergmann mit viel Humor und kernigem Bassbariton. Christian Bauer profiliert sich mit seinem wohl geführten lyrischen Tenor als charmanter Ian Ianicki.
Die besten gesanglichen Leistungen des Abends kommen aber von den Damen: Als exzellent singende Palmatica tritt Sophia Larson auf, welche die Figur weder gesanglich noch schauspielerisch je überzeichnet; ihre Töchter werden dargestellt von Miriam Portmann mit wunderbar strahlendem und Daniella Fally mit koloraturblitzendem Sopran, die drei Stimmen kontrastieren auch aufs Allerschönste.
Der Abend brachte auch das lange erwartete Regiedebüt von Dolores Schmidinger als Operettenregisseurin, das als Glücksfall zu bezeichnen ist: Sie lässt die Handlung in historischen Kostümen spielen, macht ihre Sängertruppe aber zu wahren Schauspielern, die ihre kein Detail außer Acht lassenden und sich immer mit der Musik im Einklang befindenden Einfälle umsetzen, mit viel Humor trägt sie alle durch die Handlung mit ihren vielen Verstrickungen bis zum Happyend. Unterstützt durch die geschmackvollen Bühnenbilder und Kostüme von Marion Menzinger und Katrin Köhler führt sie uns vor: So kann und soll Operette heute sein!
Nicht vergessen sei der bei beiden Produktionen von Thomas Huber einstudierte Chor, der auch Alonso Barros' Choreographie umzusetzen hatte, eine großartige Leistung aller Beteiligten.


Text: Wolfgang Würdinger



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