Opernhaus Graz:

Puccini - Tosca
Glanzvolle Repertoirevorstellung

(Graz). In der achten Vorstellung (22. Jänner 2005) von Dietmar Pflegerls so kluger und den Intentionen des Librettos genau folgender Inszenierung von Puccinis Meisterwerk, das vor kurzem seinen 105. Geburtstag feierte, stellten sich der lettische Tenor Alexandrs Antonenko als Cavaradossi und der vielseitige Egils Silins als Baron Scarpia dem Grazer Publikum vor und reüssierten bestens.

Alexandrs Antonenko, um dessen Hausdebüt es sich handelte, und der im kommenden Sommer bei den Opernfestspielen in St. Margarethen den Don José in Bizets Carmen verkörpern wird, überzeugte von den ersten Tönen an mit strahlendem, in allen Lagen gleichmäßig ansprechendem und immer schlank geführtem Tenor, dem sowohl die lyrischen Passagen wie auch die dramatischen Momente bestens gelingen, wunderbar der schwierige Übergang im Passaggio im Liebesduett des ersten Aktes, überzeugend strahlend und ohne hörbare Anstrengung das Vittoria im zweiten und nuanciert E lucevan le stelle und O dolci mani im dritten Akt. Von dem das Haus bis auf den letzten Platz füllenden Publikum wurde er nur zu Recht mit dem stärksten Applaus des Abends und vielen Bravorufen bedacht.

Egils Silins verkörpert mit echtem Bass-Bariton den bedrohlich lüsternen Gegenspieler des Liebespaares, auch im Spiel souverän schürt er Toscas Eifersucht, überstrahlt im Te Deum mühelos Chor und Orchester, zieht im zweiten Akt sadistisch-geschickt die Fäden der Handlung (sehr eindringlich die beiden großen Monologe) und haucht schließlich durchaus vernehmlich sein Leben aus. An dieser Stelle sei auf das Buch Ich lebte für die Liebe der italienischen Autorin Paola Capriolo verwiesen, die die Geschichte in Form eines von Scarpia geführten Tagebuchs neu erzählt, sehr lesenswert.

Seit der Premiere gleichgeblieben ist die Besetzung der Titelheldin: Marquita Lister hat seit Herbst hörbar an ihrer Stimme und ihrer Interpretation gearbeitet, das ausufernde Vibrato ihres üppigen jugendlich-dramatischen Soprans ist nun sicher unter Kontrolle, die Spitzentöne werden präzise angesetzt, und die junge Sängerin liefert eine detailreiche Darstellung der verliebten Sängerin ab, auch schauspielerisch macht sie alle Gefühlsregungen glaubhaft.

Hervorragend besetzt auch die mittleren und kleinen Rollen: Wilfried Zelinka als Angelotti, Andries Cloete als Spoletta, Shavleg Machasrashvili als Sciarrone, und besonders zu erwähnen David McShanes köstliche Charakterstudie des Mesners.

Unter der bewährten Leitung von Wolfgang Bozic spielt das Grazer Philharmonische Orchester prächtig auf, mit präzisen Einsätzen, in allen Instrumentengruppen die Partitur auskostend und immer auf die Sänger Rücksicht nehmend.

Folgevorstellungen:
11.02.2005
10., 19. und 23.03.2005
02. und 28.04.2005

Text: Wolfgang Würdinger