Opernhaus Graz:

Igor Strawinsky -
The Rake's Progress



(Graz). Auch die letzte Premiere der laufenden und letzten von Karen Stone geplanten Spielzeit geriet szenisch wie musikalisch zu einem vollen Erfolg. Die nunmehr ebenfalls scheidende Oberspielleiterin Kerstin Maria Pöhler versetzte Strawinskys 1951 uraufgeführtes, neoklassizistisches Werk in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts und inszenierte mit viel Witz und Ironie, ohne jedoch die intimeren und berührenden Szenen (Beginn, Irrenhaus) zu vernachlässigen.

Unterstützt wurde sie dabei vom originellen Bühnenbild (Darstellung Londons mittels Linienplan der Underground!!) und den farbenprächtigen Kostümen von Frank Fellmann. Johannes Stert, der im soeben erschienenen Saisonheft 2004/05 als Dirigent von Henzes Boulevard Solitude angekündigt ist, leitete umsichtig und mit eher bedächtigen Tempi das Grazer Philharmonische Orchester, das die Partitur schillern ließ, besonders zu erwähnen die Bewältigung der heiklen Bläsersätze. Der in verschiedenen Funktionen eingesetzte Chor sang nicht nur schön, sondern betätigte sich auf der Bühne auch mit grosser Spielfreude. Als Titelheld eroberte sich Marlin Miller mit seinem hellen lyrischen Tenor eine neue Rolle, er zeichnet Tom Rakewell als den vom Bösen Getriebenen, ein durchaus interessanter Interpretationsansatz. Als Anne überzeugte Ann-Helen Moen mit ihrem silbern glänzenden Sopran ebenso wie Wilfried Zelinka als ihr Vater und Chariklia Mavropoulou (die einzige Nicht-Rollendebütantin des Abends) als Türken-Baba mit sonorem Mezzosopran mit ausladender Tiefe sowie die unverwüstliche Fran Lubahn als Mother Goose. Schauspielerisch sehr überzeugend, aber stellenweise mit leicht detimbriertem Bariton zeichnete der Hausdebütant Peter Möwes ein beunruhigendes Porträt des Nick Shadow, der nach seiner Niederlage noch einmal als Irrenwärter auftritt.

Die zu Ende gehende Spielzeit kann zweifellos als eine angesehen werden, die in allen Sparten künstlerisch hochwertige Produktionen hervorgebracht und die Begegnung mit in Graz selten zu sehenden Werken und interessanten Sängern ermöglicht hat.

Folgevorstellungen: 12., 17., 20., 23 und 25. Juni

Text: Wolfgang Würdinger