Opernhaus Graz:

Giacomo Puccini -
Il trittico



(Graz). Die vorletzte Opernpremiere der laufenden Spielzeit war Giacomo Puccinis 1918 in New York uraufgeführten, stofflich und auch musikalisch so unterschiedlichen drei Einaktern (Il tabarro, Suor Angelica und Gianni Schicchi) gewidmet.

Bereits nach Tosca hatte sich der Komponist aus Lucca mit dem Gedanken getragen, zum Genre Einakter beizutragen, es sollten aber beinahe zwanzig Jahre vergehen, bis Il trittico an der New Yorker Metropolitan Opera in prominenter Besetzung zum ersten Mal über die Bühne ging. Prominent besetzt waren auch in Graz einige der Hauptrollen, so konnte im Mantel als Giorgetta Joanna Kozlowska verpflichtet werden, die mit ihrem fülligem, jugendlich-dramatischem Sopran zu überzeugen vermochte. Die Sänger der männlichen Partien konnten da nicht ganz mithalten, für Igor Morozow kommt der Michele zu früh, der Altersunterschied zwischen ihm und seiner Gattin wird nicht deutlich, immerhin trägt er seine Rolle mit klangschönem Bariton vor; für Juraj Hurny hingegen kommt der Luigi zu spät, den jugendlich-leidenschaftlichen Liebhaber nimmt man ihm nicht mehr ab, einige strahlende Spitzentöne können nicht über den Zahn der Zeit hinwegtäuschen, der an seiner Stimme genagt hat (stumpfe, wenig tragfähige Mittellage).
Den größten Erfolg des Abends ersang sich, wie erwartet, Tamar Iveri als Titelheldin in Schwester Angelica, sie gestaltete ein eindringliches Rollenportät, die stimmlichen und darstellerischen Vorzüge der international aufstrebenden Sängerin hier zu rühmen, hieße wohl Eulen nach Athen tragen, ihr wunderbarer Sopran entwickelt sich kontinuierlich weiter ins dramatische Fach, ohne dass die Pianokultur und die gleichmäßige Durchbildung in allen Lagen darunter zu leiden hätten. Als ihre Gegenspielerin sahen wir am 12. Mai die vielseitige Cornelia Helfricht, die eine unerbittliche und kalte Zia Principessa zeichnete.
Als Titelheld sprang in der zweiten Vorstellung für den schon bei der Premiere leicht indisponierten Marco di Felice der Schweizer Bariton Bruno Balmelli ein und schuf mit schönem lyrischem Bariton ein köstliches Porträt des gewitzten Gianni Schicchi, ihm zur Seite als junges Liebespaar Andries Cloete und Sonia Zlatkova, sowie die in vielen Rollen noch in bester Erinnerung gebliebene Anna Portika als Zita. In allen drei Opern ist die hervorragende Besetzung der kleinen und kleinsten Rollen zu erwähnen, in Graz gibt es momentan ein wirklich ausgewogenes Ensemble. Bruno dal Bon dirigierte das groß besetzte Grazer Philharmonische Orchester, mit dem er die Eigenheiten und vor allem Kostbarkeiten der drei Partituren überzeugend herausarbeitete.

Im Einheitsbühnenbild von Peter Werner inszenierte Robert Tannenbaum am inspiriertesten mit der dem Stück angemessenen Turbulenz ganz eindeutig bei Gianni Schicchi (besonders originell auch hier die Kostüme von Ute Frühling), weniger fiel ihm zu Schwester Angelica ein, und noch weniger zu Der Mantel, wo die DarstellerInnen teilweise ziemlich unmotiviert herumstehen. Ein sich von Stück zu Stück steigernder Abend also, den man auch deshalb nicht versäumen sollte, weil die Gelegenheit, alle drei Einakter an einem Abend zu sehen, eine eher seltene ist.

Folgevorstellungen: 16., 19., 23. und 27. Mai
13. und 19 Juni

Text: 'Wolfgang Würdinger