| Schauspielhaus Graz - Abschied ist ein schweres Schaf :
Die Geschwister Pfister mit
"Have a ball" im Schauspielhaus
(Graz). Jo Roloff gab gemeinsam mit seiner Big Band den Ton an und entlang der herrlich schwülstigen Melodien entfalteten die Geschwister Pfister die große Welt des Entertainments vor dem Grazer Publikum.
Zunächst in Abendgarderobe, nach der Pause in Anzug und Kleid, deren Farben „in manchen Ländern verboten sind“, sangen und tanzten sich Fräulein Schneider, Toni und Ursli durch ein zeitlos-opulentes Programm, das auch sehr couragiert Stellung bezieht gegen den Werteverfall unserer Gesellschaft; indem es die wahren Tugenden ins Rampenlicht rückt: Kitsch, Reichtum, Glamour ... und Schönheitsoperationen.
Ein Wermutstropfen bleibt bei all dem: man will’s nicht wahrhaben und doch „Have a ball!“ ist die Abschiedsgala der Geschwister. Und wie meinte Fräulein Schneider so treffend: „Abschied ist ein schweres Schaf.“ Wie wahr.
Einerseits ist es durchaus reizvoll, sich die drei vorzustellen, wie sie in einer ihrer unzähligen Immobilien ihren Ruhestand verbringen, dort von Zeit zu Zeit vielleicht eine kleine Cocktailparty geben mit reichlich Alkohol und Krapfen, die das Fräulein selbst mit viel Liebe und nach altem bulgarischen Rezept in einem grässlichen Hut herausgebacken hat. Aber andererseits: wir wären dazu wohl nicht eingeladen und ungebeten irgendwo aufzutauchen entspricht nun so gar nicht unserer Art und deswegen ... Will sagen: Wir würden die Geschwister schmerzlich vermissen und deswegen wollen wir ein Stoßgebet gen Las Vegas schicken und hoffen, dass wahr ist, was hinter vorgehaltener Hand gemunkelt wird... Im Übrigen: Wenn man dem Fräulein Schneider ein neues Hüftgelenk einsetzt, wird es sicher wieder wie neu und kann noch viele, viele Jahre auf der Bühne stehen.
Text: Michael Langer
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