Klamauk im Grazer Opernhaus:

J. Offenbach: La Périchole



(Graz). Nach der erfolgreichen Produktion von Jacques Offenbachs Orpheus in der Unterwelt in der vorigen Spielzeit zeigt nun das Grazer Opernhaus eine weitere Operette des deutsch-französischen Komponisten, nämlich die in Peru spielende Geschichte der Straßensängerin Périchole, die nach verschiedenen Verwicklungen doch ihren geliebten Piquillo bekommt.

Natürlich nimmt Offenbach auch hier die politischen und gesellschaftlichen Zustände im Frankreich seiner Zeit satirisch-beißend ins Visier, was in Graz aber leider gar nicht über die Rampe kommt.

Das Regie- und Ausstattungsteam Helmut Lohner und Rolf Langenfass hat offensichtlich das Grazer Opernhaus mit der Seebühne in Mörbisch verwechselt und demgemäss das Stück als harmlosen Klamauk auf die Bühne gebracht. Das Bühnenbild im ersten Akt stellt zwar die erforderliche Schenke dar, der Prospekt im Hintergrund jedoch entführt uns mit der beleuchtungsmäßigen Hervorhebung von Notre Dame, Eiffelturm und Sacré Coeur überdeutlich nach Paris, das Grazer Publikum hätte wohl von allein mitbekommen, dass es sich um eine französische Operette handelt. Auch bei der Personenführung wurde szenisch, gestisch und mimisch ein tiefer Griff in die große Mottenkiste getan, in den - deutsch gesprochenen - Dialogen kalauert es zeitweise gewaltig.

Glücklicherweise steht es um die musikalische Realisierung wesentlich besser: Wie im Vorjahr leitet Johannes Stert die Produktion, er tut dies mit viel Umsicht und Schwung, hält das mit schönem Klang und Präzision spielende Orchester zu dynamischer Differenzierung an und begleitet die Sänger aufmerksam. Sehr gut gelingt ihm die Balance zwischen den spritzigen und den zärtlichen bzw. wehmütigen Nummern. Mit viel Spielfreude ist auch der wie immer von Matthias Köhler studierte Chor bei der Sache und singt dazu noch ausgezeichnet und in durchwegs idiomatischem Französisch, wie denn im allgemeinen die gute Aussprache der SolistInnen zu erwähnen ist. An erster Stelle zu nennen ist das Liebespaar, dargestellt einerseits von der bereits an der Wiener Volksoper als Carmen umjubelten armenischen Sängerin Karine Ohanyan mit in allen Lagen gleichmäßig ansprechendem echten Mezzosopran, blendendem Aussehen und viel selbstbewusstem Temperament, andererseits von Marlin Miller, der einen ebenso verliebten wie leicht aufbrausenden Piquillo zeichnet. Nach seinem beeindruckenden Werther in Vorjahr zeigt sich auch nun, dass sich sein lyrischer Tenor ausgezeichnet für das französische Fach eignet. Götz Zemann verkörpert mit dem ihm eigenen Charme den Vizekönig, ohne dessen Bedrohlichkeit spürbar werden zu lassen. Ausgezeichnet besetzt aus dem hauseigenen Ensemble die kleineren Rollen, erwähnt sei die Mitwirkung von gleich sechs ehemaligen und derzeitigen Mitgliedern des noch von Karen Stone ins Leben gerufenen Grazer Opernstudios.

Folgevorstellungen: 26. März
1., 4., 7., 15., 22 und 29 April
9., 22. und 28. Mai
11., 16. und 24. Juni

Text: Wolfgang Würdinger
Fotos: Opernhaus Graz