Opernhaus Graz - Glänzende Ballettpremiere:

Der Feuervogel
Le Sacre du printemps


(Graz). Nach den geglückten und vom Publikum stark nachgefragten Opernproduktionen der letzten Zeit gab nun auch Tanz, Graz ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Am Samstag kamen im beinahe ausverkauften Grazer Opernhaus zwei der wohl berühmtesten Ballette des 20. Jahrhunderts, Igor Strawinskys Feuervogel und sein sowohl die Musik- wie auch die Ballettwelt revolutionierender Sacre du printemps zur Aufführung.

Nicht umsonst wurde Ballettchef Darrel Toulon vor knapp zwei Jahren der Spezialpreis für besondere Leistungen im österreichischen Tanz verliehen, das Ergebnis seiner Arbeit kann sich mehr als sehen lassen, er hat die 19 TänzerInnen der heimischen Balletttruppe auf einheitlich hohes Niveau gebracht.

Den Feuervogel modernisiert Toulon behutsam, die Prinzessinnen werden vom bösen Katschei in einem Aquarium geklont, der Feuervogel selbst, der mit übernatürlichen Kräften Iwan zu retten und so Katscheis Macht zu brechen imstande ist, wird mit durchaus menschlichen Zügen gezeichnet, das Wasser wandelt sich am Schluss wieder zum positiven Element, mit dem sich Iwan erfrischt. Tänzerisch mischt Toulon ganz im Geist des Stückes Elemente des klassischen Tanzen mit jenen des Ausdruckstanzes, was auch von der Truppe mit viel Engagement und Präzision umgesetzt wird, allen voran Young na Hyun in der Titelrolle und Michal Zábavik als Iwan I. Als die zwei weiteren Iwans brillieren Pal Szepesi und Tamás Topolánszky, die drei Prinzessinnen werden verkörpert von den ausdrucksstarken Lore Janssens, Beate Arndt und Lívia Hýllová, den Katschei gibt sehr überzeugend William Süll.

Den Sacre du printemps erzählt Toulon als Geschichte einer Welt, der die Liebe fehlt, in der es kaum möglich ist, emotionale Bindungen zwischen Mann und Frau aufzubauen, auch hier agiert das ganze Ensemble ausdrucksstark und mit größter Präzision, stellvertretend für alle seien die mädchenhafte Shaohui Yi und der jungmännlich-expressive Abel Cruz dos Santos erwähnt.

Intendant Jörg Koßdorff schuf sowohl für den Feuervogel (Katscheis Reich als unterirdisches, von Ventilatoren belüftetes Laboratorium) wie auch für den Sacre ein ebenso originelles wie wandlungsfähiges Bühnenbild, das von Reinhard Traub wieder perfekt ausgeleuchtet wurde, sehr geschmackvoll die phantasiereichen Kostüme von Anne Marie Legenstein.

Bereits bei seinem Auftritt vom Publikum herzlich begrüßt leitete Peter Schrottner das groß besetzte Grazer Philharmonische Orchester (Harfen und Schlagwerk mußten in den Proszeniumslogen platziert werden) mit der ihm eigenen Umsicht und spornte es zu einer hervorragenden Leistung an, er sorgte für fülligen Streicherklang, ließ die äußerst sauber spielenden Holz- und Blechbläser brillieren, schuf ein transparentes Gesamtbild und war den TänzerInnen ein kongenialer Partner.

Nach der umjubelten Vorstellung fand im Foyer Galerie die neu gestaltete Premierenfeier statt, die Mitwirkenden wurden noch einmal gefeiert, nach der Stärkung am köstlichen Büffet gaben dann Mitglieder des Gesangs- und Ballettensembles zur Erbauung der Anwesenden einige Musicalnummern zum besten, für groovigen Sound war natürlich auch gesorgt. Sowohl die Premiere wie auch die anschließende Feier können als durchschlagender Erfolg bezeichnet werden.

Folgevorstellungen:
3., 5., 11., 14., 17., 20.und 25. März,
2. und 17. April; 7. Mai,
5. und 28. Juni

Text: Wolfgang Würdinger
Foto: Dimo Dimov