Opernhaus Graz:

Zauberflöte
Umjubelte Weihnachtspremiere

Am 21. Dezember füllte das festlich gestimmte Publikum das Grazer Opernhaus bis auf den allerletzten Platz, um der Premiere von Wolfgang Amadeus Mozarts Dauerbrenner, Die Zauberflöte, beizuwohnen und wurde auch nicht enttäuscht.

Für die musikalische Leitung konnte nach der krankheitsbedingten Absage von Philippe Jordan der renommierte schwedische Dirigent Arnold Östman gewonnen werden, der am Premierenabend mit noch rascheren Tempi als auf seiner CD-Einspielung durch die Partitur fegte; dennoch gelang es ihm, mit dem sehr sauber aufspielenden Grazer Philharmonischen Orchester viele Details und Nebenstimmen herauszuarbeiten, ohne das musikalische Gesamtbild aus den Augen zu verlieren. Er ließ die Musik frei ausschwingen und auch den SängerInnen genug Zeit zum Atmen. Von letzteren bewährten sich die Hauskräfte am besten, Alexander Puhrer als Papageno mit seinem wohltönenden lyrischen Bariton, Ann Helen Moen mit strahlend mädchenhaften Sopran als Pamina und ihr Tamino Marlin Miller mit lyrischem, aber dennoch kernig männlichem Tenor, der italienische Kritikerpapst Rodolfo Celletti würde sagen con los cujones. Problematisch hingegen die Besetzung der zwei weiteren großen Rollen: Ana Camelia Stefanescu konnte mit ihrem dünnen und schrillen Sopran der Dramatik der Königin der Nacht nicht gerecht werden, die geforderten Spitzentöne erreichte sie stellenweise nur in Annäherungswerten. Der junge Markus Marquardt enttäuschte als Sarastro, er verfügt zwar über eine hübsche und gut geführte Bassbaritonstimme, es fehlt ihm aber die orgelnde Tiefe und somit die Autorität, um in dieser Rolle überzeugen zu können. Sehr gut wiederum der von Matthias Köhler studierte Chor, ausgezeichnet die Besetzung der mittleren und kleinen Rollen, die drei Damen von Melinda Parsons (sehr schöner lyrischer Sopran) und den bewährten Stephanie Houtzeel und Claire Powell mit viel Ausdruck und durchaus selbstironischer Spielfreude, die glöckchenreine Papagena von Hyon Lee, der sonor-würdevolle Sprecher von David McShane, die beiden Geharnischten von Wolfgang Nöth und Wilfried Zelinka sowie der Monostatos von Manuel von Senden, der jedoch ein Opfer der Regie wurde.

Regisseur Daniel Slater gelingt es nicht, die Bedrohlichkeit des Monostatos sichtbar zu machen und die Kapazitäten eines so hervorragenden Singschauspielers wie Manuel von Senden zu nützen; sein Konzept, die Handlung als Traum des Papageno ablaufen zu lassen und das Singspielhafte in den Vordergrund zu stellen, geht zwar auf, beraubt das Stück jedoch wichtiger Dimensionen. Trotz des kargen Bühnenbildes - eine barocke Weltenkugel - von Angela Davies schafft er es, die Geschichte in klaren Bildern zu erzählen, hübsche Einfälle wie beispielsweise die Darstellung der Zauberflöte durch eine auf der Bühne spielende Flötistin oder die originellen Auftritte der drei Knaben (lupenrein intonierend die Mitglieder der Aurelius Sängerknaben Calw) stehen vertane Möglichkeiten gegenüber, denken wir nur an die nicht sehr befriedigende Lösung der Feuer- und der Wasserprobe. Auch der Darstellung von Sarastros Reich als überaltete Gesellschaft konnten wir nicht viel abgewinnen, ebensowenig wie den Kostümen, wiederum von Angela Davies, originell noch Papageno als Mischung aus Fledermaus und Charles Lindbergh, weniger passend hingegen die drei Damen mit Kostümen wie aus einer billigen Inszenierung von Carmen, und die Königin der Nacht als Grisette hätte eher in die lustige Witwe gepasst.

Eine szenisch-optisch zwiespältige, musikalisch bis auf kleine Besetzungsschwächen sehr hochwertige Realisierung also, die zweifelsohne ihr Publikum finden wird; bei der Premiere wurden Dirigent, Leading Team und die SängerInnen heftig umjubelt

gundl.at Kulturredaktion: Wolfgang Würdinger
Weitere Vorstellungen: 26. und 31. Dezember 2003

9., 14., 21., 23., 25. und 29. Jänner 2004

12., 22. und 27. Februar 2004

7., 13. und 27. März. 2004





Fotos:
Opernhaus Graz


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