| Opernhaus Graz - Don Pasquale:
Harmloses Herbstvergnügen
Wie der letzten Presseaussendung von Theater Graz zu entnehmen war, konnten die Abonnentenzahlen in der laufenden Spielzeit in allen Abo-Varianten gesteigert werden, je nach Abo von 11 bis 156 (!) Prozent; besonders erfreulich ist, daß sich die Zahl der Jugendabos mehr als verdoppelt hat, insgesamt gibt es heuer knapp 4000 Abonnenten, gundl.at gratuliert herzlich. Offensichtlich als bewußter Kontrapunkt zu Richard Wagners Parsifal wurde als zweite Premiere der Saison Gaetano Donizettis späte komische Oper Don Pasquale gewählt, dem letzten großen italienischen Werk seiner Gattung bis zu Verdis Falstaff. Regisseur Uwe Hergenröder verlegt die Handlung in die Fünfzigerjahre des vorigen Jahrhunderts und läßt sie turbulent, mit so manchem Slapstikgag gewürzt ablaufen. Der Titelheld wird als mehr schrulliger denn liebenswürdiger Geizhals gezeichnet, dem man nach seiner Übertölpelung nicht viel Mitleid entgegenbringt. Köstlich die Doubles der Protagonisten, denen so immer der Spiegel des eigenen Handelns vorgehalten wird. Bunt und schrill, allerdings manchmal etwas zu dick auftragend die Ausstattung von Ulrich Schulz, jedoch genau passend zum rasanten Tempo der Regie. Zwiespältig hingegen die Eindrücke der musikalischen Umsetzung. Bereits die ersten Einsätze bei der Ouverture wackelten bedenklich, erst im Lauf der Vorstellung gelang es Dirigent Giovanni Pacor, das Orchester in den Griff zu bekommen und vor allem die Lautstärke so zu dämpfen, daß die Protagonisten, die über sehr schöne, aber nicht allzugroße Stimmen verfügen, ohne Probleme über den Orchestergraben kamen. Von den Sängern an erster Stelle zu nennen ist Alexander Puhrer als Malatesta, der sich mit viel Spielfreude und klangschönem Bariton eine weitere Rolle des lyrischen Faches eroberte, seine italienische Diktion ist makellos und er kennt die Regeln des Belcanto (wunderbare Kantilenen mit der richtigen Dosierung der Portamenti und sprudelndes Parlando) ebenso wie Andries Cloete als Ernesto, dessen Stimme jedoch nicht ganz mit den Intentionen mitzuhalten vermag, im Passaggio und in der oberen Mittellage wird die Stimme quäkend, erst die - nicht sehr häufig geforderten - Spitzentöne entfalten sich wieder frei. Ein gelungenes Debüt beging am 5. November Hyon Lee als Norina, die lyrischen Momente vermag sie zwar noch nicht ganz auszukosten, die Koloraturen perlen aber köstlich. Als Titelheld stellte sich der italienische Bassbariton Luciano di Pasquale dem Grazer Publikum vor und konnte mit differenziert-witzigem Spiel und runder Stimme überzeugen. Ausgezeichnet wieder der von Matthias Köhler einstudierte Chor, der im berühmten Dienerchor brillierte und Ernestos Serenade im dritten Akt gefühlvoll begleitete. Im Zuge der nächsten Vorstellungen gibt es durchaus interessante Umbesetzungen, gundl.at wird berichten. Folgevorstellungen: 12., 14., 21. und 29. November;12., 19. und 28. Dezember |
||