Opernhaus Graz

Verdi: Nabucco
Fragwürdiges Regiekonzept

(Graz, 24.01.2009). Für uns ist ein Regiekonzept dann ernsthaft in Frage zu stellen, wenn die musikalische Realisierung zu leiden hat, und zumindest  für die ZuhörerInnen im Parterre war dies beim späten Regiedebüt von Jörg Koßdorff, unter Mitwirkung von Christiane Lutz, der Fall.

Das Orchester einige Meter über der Bühne zu platzieren, war keine so gute Idee, denn obwohl das Grazer Philharmonische Orchester unter Johannes Fritzsch engagiert, präzise und rhythmisch prägnant aufspielte, gingen leider viele orchestrale Details der ersten wirklich meisterlichen Partitur von Giuseppe Verdi verloren, und zündeten viele der mitreißenden Melodien nicht so recht. Auch der eher im Hintergrund, groß teils unter dem Orchesterpodest (Ghettoisierung der Hebräer?) agierende Chor  konnte, obzwar großartig einstudiert von Bernhard Schneider, was Gesangskultur und Wortdeutlichkeit betrifft, von der Regie jedoch eher im Stich gelassen, nicht immer seine Meriten voll zur Geltung bringen.

Dies blieb den SolistInnen vorbehalten, die sich vor allem über dem Orchestergraben bewegten, wo sich der Großteil der Handlung abspielte. Allen voran ist Mlada Khudoley zu erwähnen, welche die so schwierige Partie der Abigaille mühelos meisterte, jeder noch so exponierte hohe Ton war gesungen und nicht geschrien, die oft atemberaubenden Tonsprünge gelangen makellos, ohne dass sie in der Tiefe zu sehr aufs Brustregister zurückgreifen musste, schön blühten die Kantilenen, präzise kamen die Koloraturen, in ihrer Stretta legte sie sogar einige Variationen ein. Als Zaccaria feierte der jüngst  an der Staatsoper als König Phillip in Don Carlo bejubelte Stefan Kocán ein glänzendes Haus- und Rollendebüt: Er verfügt über  einen echten basso cantante, dem es jedoch auch in der leicht erreichten Tiefe nicht an der nötigen Schwärze und Durchschlagskraft mangelt. An letzterer hat auch Mark Rucker als Titelheld mehr als genug aufzubieten, nur wünschte man sich, dass er seinem markigen und virilen Bariton manchmal mehr Nuancen und Pianokultur abverlangte. Katerina Jalovcová mit ihrem durchschlagskräftigen Mezzo wertet die Partie der Fenena stimmlich kräftig auf, warum sie zusammen mit Ismaele (leicht überfordert Taylan Memioglu) sterben muss (im Libretto nicht vorgesehen), bleibt ebenso unklar, wieso am Ende, als der Götzenkult zusammengebrochen ist, der Oberpriester des Baal (stimmgewaltig Konstantin Sfiris), gemeinsam mit  Zaccaria den – alten und neuen –  König Nabucco feiert.

Dazu kamen noch die ausgesprochen hässlichen, in ihrer Mischung aus historisierend und modern weder Fisch noch Fleisch seienden und daher vom Publikum besonders heftig ausgebuhten Kostüme von Herbert Kapplmüller, die nicht unbedingt zum Erfolg des Abends beitrugen, der somit als ein ausschließlich musikalischer zu werten ist.


Folgevorstellungen (in teils wechselnden Besetzungen):
28. Jänner
4., 8., 12. und 27. Februar
7., 13. und 22. März
17. und 24. April
10., 20. und 26. Mai
4., 14. und 17. Juni

Text: Wolfgang Würdinger





Kommentare