Lehárfestival Bad Ischl:

Der Zigeunerbaron
Rundum gelungene Saisoneröffnung

(Bad Ischl, 12.07.2008). Regisseurin Dolores Schmidinger setzt auch bei der szenischen Umsetzung von Johann Strauss’ Meisteroperette Der Zigeunerbaron auf das Rezept, das ihr vor drei Jahren bei Millöckers Der Bettelstudent einen Triumph bescherte: Eine historisch genaue, aber dennoch jedes Operettenklischee scheuende und in keinem Moment ins Kitschige oder gar Peinliche abgleitende Regie, gewürzt mit so mancher Prise feiner Ironie und auch kräftigen Humors. Dazu kommen die präzise Personenführung bis hin zum letzten Choristen sowie das schlüssige Erzählen der manchmal etwas verworrenen Handlung in der Zeit der Habsburgermonarchie zwischen den Türkenkriegen und dem spanischen Erbfolgekrieg, aus dem die Angeworbenen nicht unbedingt als strahlende Helden, sondern eher ramponiert heimkehren. Und somit wiederholen wir, was wir im Jahre 2005 schrieben: So kann und soll Operette heute sein!!

Unterstützt wird die Regisseurin dabei von den historisch getreuen und farbenprächtigen Kostümen von Katrin Köhler-Rölle, die gemeinsam mit Cordula Stövesand auch für das illustrative Bühnenbild verantwortlich zeichnet.

Musikalisch steht unter der bewährten Leitung von Marius Burkert ebenfalls alles zum Besten: Ebenso schwungvoll wie detailverliebt führt er das Franz-Lehár-Orchester zu wienerischem Klang und somit zu einer mehr als respektablen Leistung und ist dabei den SolistInnen immer ein aufmerksamer Begleiter: Miriam Portmann singt sich mit der Saffi erneut in die Herzen des Ischler Publikums, ihr sinnlich-üppiger und in allen Lagen gleichmäßig ansprechender Sopran bewältigt die schwierige Rolle scheinbar ebenso mühelos wie der strahlende Tenor von Merzad Montazeri die Titelpartie, ein ideales Paar. Christa Ratzenböck wertet die Rolle der Czipra mit ihrem umfangreichen Mezzo musikalisch auf, dies gelingt auch Ulrike Pichler-Steffen mit jener der Mirabella. John Sweeney ist allein vom Äußeren her ein idealer Conte Carnero, was auch von Rupert Bergmann – im schweinderlrosa Barockkostüm – als Zsupán behauptet werden kann; dass beide ihre Partien stimmlich tadellos bewältigen, bedarf keiner besonderen Erwähnung. Elisabeth Schwarz lässt als Arsena die Koloraturen blitzen, Christian Bauer schlägt sich wacker in der undankbaren Rolle des Ottokar. Eine schöne Talentprobe gibt Robert Pertl als Homonay ab: Ein prächtig-farbenreicher lyrischer Bariton mit sicherer Höhe.
Wie immer singt und spielt der Chor des Lehár Festivals besonders engagiert, klangschön und wortdeutlich.

Nach den künstlerischen Erfolgen der letzten Jahre zeichnet sich bereits zu Saisonbeginn heuer auch der große wirtschaftliche Erfolg ab: Das samstägliche Premierenpublikum füllte das Haus bis auf den letzten Platz, einige weitere Vorstellungen sind bereits ausverkauft, für die meisten anderen gibt es nur mehr Restkarten.

Zum Schluss ein Wort in eigener Sache: Obwohl niemand aus der gundl.at Kulturredaktion die zweite Premiere, Lehárs Der Zarewitsch besuchen kann, werden die p. t. LeserInnen nicht auf eine Kritik verzichten müssen: Der Hamburger Kulturjournalist und profunde Richard-Tauber-Kenner Kai-Uwe Garrels wird uns unentgeltlich seine Rezension zur Veröffentlichung zur Verfügung stellen, wofür wir Dir, lieber Kai, bereits im Vorhinein herzlich danken!

Weitere 15 Vorstellungen bis zum 31. August 2008!

Text: Wolfgang Würdinger






Fotos: Hofer

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