Opernhaus Graz

Konzertwochenende
„Ferruccio Tagliavini“ und Orchesterkonzert

(Graz, 27.04.2008). Gleich zwei Konzerte standen letztes Wochenende auf dem Programm des Grazer Opernhauses, einerseits das Preisträgerkonzert des Gesangswettbewerbs Ferruccio Tagliavini, andererseits das Orchesterkonzert, mit dessen Programm das Grazer Philharmonische Orchester unter seinem Chefdirigenten Johannes Fritzsch Anfang Mai im Wiener Musikverein gastieren wird.

Keinen Ersten Preis vergeben hat heuer die Jury des nunmehr 14. Gesangswettbewerbs Ferruccio Tagliavini, und so präsentierten sich eben 4., 3. und 2. PreisträgerInnen. Beginnen wir mit den Damen: Warum Zinovia-Maria Zafeiriadou nur den 4. Preis erhalten hat, ist uns nicht ganz klar; der Koloratursopran der jungen griechischen Sängerin trägt auch schön in der Mittellage, die Hochtöne kommen präzise, ihre Diktion sowohl im Deutschen wie im Französischen ist hervorragend, in der Glöckchenarie aus Lakmé gelangen allerdings nicht alle Rouladen und Triller makellos. Nicht ganz so hervorragend die Aussprache des Französischen der Sopranistin Diana Mian, die sich neben der Micaela auch an der Fiordiligi versuchte: In beiden Arien störten die nur mit großer Anstrengung erreichten und daher schrillen hohen Töne, schade, denn die Sängerin mit ihrer hübschen lyrischen Stimme ist durchaus koloraturensicher und phrasiert schön.
Der erst 21-jährige italienische Tenor Swan Piva präsentierte sich mit zwei sehr schwierigen Arien, nämlich der des Alfredo aus La Traviata, und mit La donna è mobile: Ob das eine kluge Wahl war, sei dahingestellt, wir hörten einen durchaus ansprechenden lyrischen Tenor, der junge Sänger bemüht sich nicht ohne Erfolg um Ausdruck und Legato, ist aber technisch noch unausgereift, zusätzlich machte ihm eine sicht- und auch hörbare Nervosität zu schaffen. Sehr selbstsicher hingegen trat der südkoreanische Bariton Seung Gi Jung vor das Publikum und interpretierte mit Verve, Witz und feiner Differenzierung die Registerarie, sowie mit viel Ausdruck, eleganter Phrasierung und stimmlich in der Höhe auftrumphend Nemico della patria aus Andrea Chenier.

Zwei äußerst populäre Werke der Literatur hat Johannes Fritzsch für das sonntägliche Orchesterkonzert ausgewählt, Beethoven Pastorale und Richard Strauss’ Tondichtung Ein Heldenleben.
Der Beginn der 6. Symphonie von Beethoven ließ nichts Gutes erahnen: Eher lustlos die Bläser, stumpf und breiig der Streicherklang, ein extrem zerdehnter zweiter Satz. Ab dem dritten Satz allerdings schien das Orchester wie ausgewechselt, da funkelten auf einmal die Streicher, da leuchtete das Blech, da blitzte das Holz, das Gewitter donnerte nur so hernieder, zart ertönte der Hirtengesang. Dass unter Fritzschs Leitung immer präzise musiziert wird, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung mehr.
Wie aus einem Guss geriet nach der Pause Ein Heldenleben. In größtmöglicher Besetzung wurde differenziert und dynamisch fein ausbalanciert mit großem Engagement musiziert, eine besondere Erwähnung verdient das perfekte Violinsolo von Konzertmeister Josef Mostetschnig. Jubel im so gut wie ausverkauften Haus.

Text: Wolfgang Würdinger




Johannes Fritzsch

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