Opernhaus Graz

Richard Strauss: Arabella
Strauss’sche Glückseligkeit

(Graz, 09.02.2008). Obzwar Arabella von Richard Strauss a priori nicht unbedingt zu den Kassenmagneten gehört, so fand doch die samstägliche Premiere vor so gut wie ausverkauftem Haus statt, und die Qualität des Dargebotenen gab dem Publikumszustrom Recht: Einerseits gelang Regisseur Marco Arturo Marelli eine schlüssige und schwungvolle Inszenierung, andererseits übertraf die musikalische Realisierung beinahe noch die Papierform.

Unter seinem Chefdirigenten Johannes Fritzsch entfaltete das Grazer Philharmonische Orchester sehr sauber intonierend generös die Strauss’sche Klangpracht in ihrer ganzen Dynamik von filigran-transparent bis zu wuchtig-aufbrausend, Fritzsch agiert dabei immer sängerfreundlich, sodass beinahe jedes Wort verständlich bleibt.
Die Besetzungsliste weist bis auf den Sänger des Mandryka ausschließlich RollendebütantInnen auf: Beckmessernd könnte man anmerken, dass die Arabella für Gabriele Fontana etwas spät kommt, aber trotz ihrer unüberhörbar ins dramatische Fach tendierenden Stimme wird sie den Anforderungen ihrer Partie sehr gut gerecht, beinahe durchgehend gelingt ihr eine schlanke Stimmführung mit leichten Höhen und duftigen Piani, und, was ja ganz wichtig ist, die Stimme kontrastiert wunderbar zum helleren und glockenreinen Sopran von Margareta Klobučar, die ohne Übertreibung als Idealbesetzung der Zdenka bezeichnet werden kann. So wird beider Duett im ersten Aufzug zum ersten musikalischen Höhepunkt, der nächste dann der Auftritt des Mandryka, verkörpert von Morten Frank Larsen, der zwar nicht über eine so heldische Stimme verfügt wie manch einer seiner Kollegen, die diese Rolle auch singen, bzw. sangen, dem es dennoch in keinem Moment weder an der nötigen Durchschlagskraft noch an den mühelos erreichten Höhen mangelt. Den Matteo gibt Thomas Piffka mit eher enger, aber in den Höhen strahlender Tenorstimme; untadelig die drei weiteren Verehrer Arabellas, Juraj Hurny (in erstaunlicher Form), Wilfried Zelinka und Ivan Oreščanin – wird er in einigen Jahren auch ein Mandryka sein? Das Elternpaar wird von Sonja Borowski-Tudor als den diversen Versuchungen schwer widerstehenden Adelaide und dem saftig-köstlichen Martin Blasius als Graf Waldner in Ochs-auf-Lerchenau-Nähe verkörpert. Peitschenschwingend koloraturjodelt sich Hyon Lee durch den zweiten Aufzug.

Im vom ihm selbst gestalteten, wandlungsfähigen und vor allem weiß und blau ausgeleuchteten Einheitsbühnenbild, in dem sich permanent Türen öffnen und schließen und das sich nur leicht hin und herdreht, inszeniert Marco Arturo Marelli feinfühlig psychologisierend, ohne mit dem Finger auf die Parallelen der Dekadenzzeit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zur Jetztzeit zu zeigen, wir wissen es auch so, das Geld regiert die Welt. Jede Bewegung, jede Geste ist in perfektem Einklang mit Text und Musik, und so werden die Vielschichtigkeit, die Tief- und Hintergründigkeit aller Figuren ausgelotet, das Streben Arabellas nach dem Richtigen, die Qualen Zdenkas und Matteos (jeder auf seine Art), die beinahe aristokratische Bauernhaftigkeit Mandrykas, die Geckenhaftigkeit der drei Grafen. Historisch schwer einzuordnend und deshalb die dauernde Gültigkeit der Handlung unterstreichend die geschmack- und phantasievollen Kostüme von Dagmar Niefind-Marelli.

Großer Jubel im Grazer Opernhaus.


Folgevorstellungen:
14. und 29. Februar
5. und 15. März
6. und 18. April
7., 16. und 25. Mai

Text: Wolfgang Würdinger










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