(Graz, 01.01.2008). Ein gemischt französisch-russisches Programm prägte das diesjährige Neujahrskonzert, das Johannes Fritzsch erfreulicherweise zur Chefsache erklärt hat. Mit dem in allen Instrumentengruppen bestens disponierten Grazer Philharmonischem Orchester realisierte er die Orchesterstücke ebenso differenziert wie brillant und begleitete die vokalen Nummern gefühl- und rücksichtsvoll.
Feierlich und schwungvoll erklangen so die Polonaise aus Eugen Onegin, elegant und die nationalen Klangfarben betonend vier Tänze aus Schwanensee, wohlausbalanciert zwischen Spätromantik und Expressionismus die Balkonszene aus Prokofjews Romeo und Julia, duftig leicht rieselte der Schnee in Der Winter aus Alexander Glasunows einaktigem Ballett Die Jahreszeiten, im Walzertakt begrüßten auch die Schwäne das neue Jahr (nochmals Schwanensee), bevor es mit dem Bacchanal aus Samson et Dalila zum entfesselten Finale kam, dem noch eine orchestrale Zugabe folgte, nämlich der Säbeltanz aus Katschaturijans Ballett Spartakus, in dem das Orchester nochmals seine Virtuosität unter Beweis stellen konnte.
Bei den Vokalstücken dominierte das französische Repertoire, gleich drei SolistInnen hatte man aufgeboten: Hyon Lee stellte eindrucksvoll ihr immer größer werdendes Können unter Beweis, abgesehen von der makellosen Bewältigung der Koloraturen und der Spitzentöne ist die Mittellage sehr tragfähig geworden, und ist es ihr so möglich, auch die lyrischen Bögen groß auszusingen [Auftrittsarie der Juliette (Gounod), Arie der Philine (Ambroise Thomas, Mignon)], sowie die dramatischen Momente intensiv zu gestalten [Glöckchenarie (Délibes, Lakmé)].
Mit ihrem verführerischen und üppigen, jedoch immer schlank geführtem Mezzosopran, der vieler Schattierungen fähig ist und keinerlei Höhenprobleme zu kennen scheint, begeisterte Nino Surguladze das Publikum [Arie der Marguerite (Berlioz, La damnation de Faust), Arie der Dalila (Saint Saens) und Schleierlied der Eboli in der französischen Version von Verdi Don Carlos]. Leider lässt jedoch ihre Aussprache des Französischen noch sehr zu wünschen übrig, Hyon Lee ist um ein Vielfaches textdeutlicher, und Marlin Miller ebenso, dessen besondere Affinität zum französischen Repertoire hierzulande bestens bekannt ist, und so erfreute er uns durch ein Wiederhören mit seinem romantisch leidenden Werther, gab eine Kostprobe seines hingebungsvollen Roméo und sang äußerst differenziert und virtuos, mit einem Anflug schon ins Heldischere und auftrumpfenden Spitzentönen die große Arie des Vasco da Gama aus Meyerbeers L’africaine.
Somit wünsche auch ich unserer LeserInnenschaft PROSIT NEUJAHR, viel Glück und Gesundheit und natürlich viele aufregende kulturelle Erlebnisse!