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Opernhaus Graz Puccini: Madama Butterfly (Graz, 17.11.2007). Nach Puccinis Tosca in der Inszenierung des viel zu früh verstorbenen Dietmar Pflegerl hat nun auch dessen zum Klassiker gewordene Madama Butterfly (in Österreich in Klagenfurt und bei den Wiener Festwochen zu sehen) den Weg ins Grazer Opernhaus gefunden und berührt auch hier tief. Im schnörkellosen, ganz in weiß gehaltenen, wunderschön ausgeleuchteten Bühnenbild von Bernd Dieter Müller und den phantasie- und geschmackvollen Kostümen von Annette Zepperitz setzt Michael Eybl Pflegerls Konzept behutsam um: immer ganz nah an Text und Musik werden nicht nur die Kontraste zwischen den unterschiedlichen Kulturen herausgearbeitet, sondern vor allem fein psychologisierend die Gefühlswelten der Protagonisten freigelegt, jede Geste, jedes Mienenspiel sitzt, es gibt keinerlei übertriebenes Pathos, selten erlebt man die Warnungen des Konsuls Sharpless an Pinkerton vor der Hochzeit so eindringlich, selten wird bei Un bel dì vedremo so deutlich, dass Suzuki schon längst nicht mehr daran glaubt, was ihr ihre Herrin gerade weismachen möchte, selten gelingt die Selbstmordszene so schlicht und gerade deshalb so ergreifend, um nur einige der sichtbar liebevoll erarbeiteten Inszenierung zu erwähnen. Auch musikalisch geriet beinahe alles nach Wunsch: Johannes Fritzsch spornte das Grazer Philharmonische Orchester zu einer respektablen Leistung an, wählte diesmal eher flotte Tempi, ohne jedoch den Sängern die Möglichkeit zu nehmen, Puccinis Melodien gehörig aufblühen zu lassen. Karine Babajanyan gelingt ein nicht nur schauspielerisch, sondern auch musikalisch komplexes Porträt der Titelheldin, glaubhaft wird die Wandlung vom beinahe unbekümmerten jungen Mädchen zur liebenden und entsagenden Mutter, für die nur der Weg in den Tod übrigbleibt; mit ihrem warm timbrierten, jugendlich dramatischen und manchmal ein wenig höhenscharfen Sopran meistert sie alle Anforderungen der anspruchsvollen Partie. Schauspielerisch ebenso intensiv wertet Andrea Ulbrich die oft unterschätzte Rolle der Suzuki mit pastösem Mezzo ebenso auf wie Giovanni Meoni den Sharpless mit weich dahinströmendem und dennoch autoritätsgebietendem Bariton. Nicht ganz auf diesem Niveau mithalten kann da William Joyner als unbekümmerter Pinkerton, er verfügt zwar über einen sehr wohlklingenden Tenor, aber in der Höhe wird es schnell eng für ihn, und von einem Pinkerton wünschte man sich gerade dort mehr Strahlkraft. Stürmischer Applaus für alle im ausverkauften Haus.
Text: Wolfgang Würdinger |
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