Opernhaus Graz

Kálmán: Gräfin Mariza
Rundum gelungene Premiere

(Graz, 21.10.2007). Nach der erfolgreichen Csárdásfürstin war es natürlich naheliegend, auch Kálmáns zweite heute noch populäre Operette, Gräfin Mariza, auf die Bühne des Grazer Opernhauses zu bringen. Aus dem Münchener Staatstheater am Gärtnerplatz wurden also die farbenprächtigen Bühnenbilder und Kostüme von Rainer Sinell und Heidrun Schmelzer herangeschafft, und das Leading Team brachte eine Reihe von ProtagonistInnen mit.

Josef Ernst Köpplinger verleiht mit seiner dramaturgischen Bearbeitung der Handlung verstärkte Ernsthaftigkeit und zusätzliche Glaubwürdigkeit, wie auch im Evangelimann lässt er bereits die Vorboten der Nazizeit heraufdämmern, ohne dass jedoch Heiterkeit und Fröhlichkeit darunter zu leiden hätten. Seine präzise und ausgefeilte Regie vermeidet jegliches Abgleiten in Kitsch oder Schmalz.
Unterstützt wird er hierbei auch vom Dirigenten Marius Burkert, der den Orchesterklang nie zu sentimental werden lässt; es fehlt ihm jedoch nicht am nötigen Schwung und an der richtigen Dosierung der Rubati. Das Grazer Philharmonische Orchester folgt ihm willig in allen Instrumentengruppen mit Präzision und Klangtransparenz.

Nicht ganz ideal ist die Besetzung der Hauptpartien ausgefallen, wobei auch angemerkt werden muss, dass vor allem Mariza und Tassilo große Anforderungen an die Sängerin bzw. den Sänger stellen: Márta Kosztolányyi stellt sehr glaubhaft die launenhafte Titelheldin dar, ihrem rein lyrischen und in der Höhe strahlendem Sopran fehlt es aber an Tragfähigkeit in der unteren Mittellage, und auch die Wortdeutlichkeit im Gesang lässt zu wünschen übrig. Johannes Chum ebenfalls rein lyrischem Tenor mangelt es etwas in Strahlkraft in der exponierteren Höhenlage, zweifelsohne jedoch singt er den Tassilo stilsicher mit feinem Gespür für die Nuancen und Zwischentöne, und spielt obendrein noch Klavier und Violine.
Cornelia Horak gibt eine routiniert liebenswerte Lisa, Gisela Ehrensperger und Franz Wyzner sind ein köstliches Gespann als Fürstin und ihr Faktotum Penižek. Der Koloman Zsupán wird von Daniel Prohaska mit dem von ihm gewohnten Elan in Spiel, Gesang und Tanz dargestellt, seine liebenswerte Art macht ihn auch in dieser Rolle zum Liebling des Publikums.

Großer Schlussapplaus für alle.


Folgevorstellungen:
25. Oktober
4., 9., 16. und 24. November
7., 9. und 31. Dezember
11. und 17. Jänner
2. und 15. Februar
2., 12., 20. und 30. März
20. und 30. April
21. Mai

Text: Wolfgang Würdinger










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