Opernhaus Graz
Marco Arturo Marelli inszeniert:

Weber: Der Freischütz

(Graz, 06.10.2007). Auch heuer gab es als zweite Saisonpremiere eine deutsche Oper zu sehen, aber keine Spieloper wie in den vergangenen Jahren, sondern ein großes romantisches Stück, eines der wenigen Bühnenwerke von Carl Maria von Weber, Der Freischütz, behutsam von Regisseur, Bühnenbildner und Lichtdesigner Marco Arturo Marelli modernisiert und leicht ironisiert. Aus einem riesigen, aus Spanplatten gefertigten Fünfeck ist ein kleineres ausgeschnitten und dient als Spielfläche, ein weiterer, noch kleinerer Ausschnitt stellt das Haus des Erbförsters Kuno dar. Weiters wird der Deutsche Wald durch überdimensionale Bleistifte im Hintergrund symbolisiert, die der jeweiligen Stimmung entsprechend beleuchtet werden. Die geschmackvollen, farbenfrohen und teilweise auch mit leichter Ironie gefertigten Kostüme von Dagmar Niefind-Marelli weisen uns darauf hin, dass die Handlung ins 19. Jahrhundert verlegt wird.

Interessant auch die Darstellung des Samiel (sehr wandlungsfähig Ronald Kuste), der nicht nur in der Wolfsschlucht, sondern in verschiedenen Rollen auftritt und so die Omnipräsenz des Bösen zeigt. Vor allem aber vertraut Marelli auf Text und Musik, und gelingen ihm so viele originelle und vor allem immer plausible Lösungen.

Umjubelt wurde auch die musikalische Realisierung unter der Leitung von Dirk Kaftan: Er musiziert mit dem Grazer Philharmonischen Orchester ebenso differenziert und transparent wie auch schwungvoll und dramatisch und lotet mit sängerfreundlichen Tempi beinahe alle Facetten von Weber hochromantischer Partitur aus; die musikalischen Höhepunkte waren sicher die beiden Arien der Agathe, nicht zuletzt auch wegen des glänzenden Haus- und Rollendebüts von Maria Bengtsson, der ihre Rolle wie auf den Leib geschneidert ist, sie verfügt über einen strahlenden, jugendlich-dramatischen Sopran, der auch keinerlei technische Probleme zu kennen scheint. Ihr zu Seite als Ännchen die bewährte und liebenswerte Margareta Klobučar, im Duett und in den Ensembles ergänzen die beiden Stimmen einander sehr schön. Sehr gut auch die Besetzung der männlichen Partien: Als Max überzeugt Jürgen Müller mit klarem und höhensicheren Zwischenfachtenor, als Kaspar tut dies Martin Snell mit sonorem und dämonischem Bassbariton. Ein besonderes Lob verdient der junge Yasushi Hirano (ab heuer Mitglied des Opernstudios) als Eremit: Er verfügt nicht nur über einen wunderschönen, tiefen Bass, sondern auch jetzt schon über eine erstaunliche Gesangskultur und eine beinahe makellose Diktion. Fein herausgearbeitet sind auch die Chorszenen, eine besondere Erwähnung verdienen der Jungfernchor und der von Chor und Extrachor differenziert und sehr wortdeutlich vorgetragen Jägerchor.

Regisseur und Dirigent haben eine selten dichte und sowohl szenisch wie auch musikalisch in sich schlüssige Aufführung zuwege gebracht.


Folgevorstellungen:
12., 14., und 24. Oktober
3., 11., und 21. November
1., 6., 21. und 30. Dezember
9. Jänner
8. Februar
7. und 28. März

Text: Wolfgang Würdinger










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