Orpheum Graz:

Geschwister Pfister: Home, Sweet Home!
Trash und Jammer im trauten Heim

(Graz, 21.09.2007). Toni ist eifrig mit den Vorbereitung für eine Homestory beschäftigt, die die BBC mit den Geschwistern Pfister zu drehen gedenkt. Auftritt Ursli: exhibitionistisch, neurotisch, überspannt, egozentrisch, renitent läuft … nein, fährt er im Rollstuhl masturbierend, fast nackt, „Don’t Stop Me Now“ grölend Amok.

Man kann sich also lebhaft vorstellen, dass den Dreien auch in ihrem neuen, etwas beschaulicherem Lebensabschnitt, nicht langweilig wird. Darüber hinaus haben sie sich auch zeitintensive Hobbys und Krankheiten zugelegt: Toni muss regelmäßig zur Dialyse, vergnügt sich dort mit seiner ausländischen Blutputzfrau, Ursli und das Fräulein leben derweil ihre Leidenschaft für Alkohol und füreinander aus. Außerdem vertreibt sich Fräulein Schneider ihre Zeit seit Neuestem auch im „WhäWhäWhä“, im Internetz und muss sich alsbald belehren lassen, dass selbiges „for porn“ sei („Avenue Q“ lässt grüßen). Des weiteren erfahren wir tragische Details aus Urslis Kindheit, sehen Super 8 Filme aus besseren Tagen und hören von Fräulein Schneiders erster stehender Ovulation und anderen Dingen die wir nie zu hören wünschten. Und wir sehen Dinge, die wir schon immer unbedingt zu sehen wünschten: Ursli begnügt sich während eines Gutteils des zweistündigen Spektakels mit einem Minimum an Kleidung (Rrrrr!).

Aus Glanz und Glamour wurden über die Jahre Trash und Jammer im trauten Heim, aber wer die Pfisters kennt, weiß: Die Show muss weitergehen!
Nicht alle zotigen Witze im neuen Programm sind taufrisch, nicht alle Pointen treffen, aber doch die allermeisten, und die haben es dann auch gleich faustdick hinter den Ohren! Insgesamt ist „Home, Sweet Home!“ wieder eine sehr ausgewogene Show geworden, wobei im Vergleich zu früheren Programmen die Sprechtexte und Spielpassagen stärker in den Vordergrund treten. Die Songs funktionieren wie immer prächtig und werden von Johannes Roloff und seinen Kollegen vortrefflich begleitet.

Nachdem die Journalistin, die sich zum Interview angesagt hatte, gegen Ende des Abends auf ganz und gar unmysteriöse Weise ums Leben kommt und somit aus dem BBC-Special wohl vorerst nichts wird, verhindert Ursli dankenswerterweise noch eine Gastdarbietung von Céline Dion. Das ist zwar erfreulich, entschädigt aber doch nicht ganz für die nicht vorhandenen Zugaben.

Text: Michael Langer








Kommentare