Lehárfestival Bad Ischl:

„Giuditta“ und „Die Fledermaus“
Hohes Niveau

(Bad Ischl, 21./22.07.2007). Es muss nicht immer Mörbisch sein, auch in Bad Ischl gibt es gar wunderbare Aufführungen der unvergänglichen Meisterwerke der Komponisten der goldenen und silbernen Operettenära auf musikalisch und szenisch hohem Niveau.

Zuerst zur Premiere von Franz Lehárs Giuditta am 21. Juli: Regisseur Gernot Kranner, Bühnenbildner Herwig Libowitzky und Kostümbildnerin Michaela Mayer-Michnay schaffen mit toller Beleuchtung von Beginn an die richtige südländisch-schwüle Atmosphäre für dieses musikalisch wie dramaturgisch hybride Werk, das typisch Operettenhafte kommt ebenso zu seinem Recht wie die beinahe opernhaft-tragisch angelegte Liebesgeschichte von Giuditta und Octavio vor dem Hintergrund der allgemeinen Stimmung der frühen Dreißigerjahre und der italienischen Kolonialpolitik der Mussolinizeit.
Dirigent Vinzenz Praxmarer führt das groß aufspielende Franz Lehár-Orchester mit sicherer Hand durch die musikalisch vielschichtige Partitur und schafft so ein herrliches Fundament für die SolistInnen: Als Titelheldin besticht Melba Ramos durch ihr blendendes Aussehen ebenso wie durch ihren sinnlich leuchtenden Sopran, leider ist sie über weite Strecken sehr wortundeutlich, was auch von ihrem Octavio Alexandru Badea festzustellen ist, ansonsten bringt auch er alles mit, was für seine Rolle vonnöten ist: Exzellente Bühnenerscheinung und eine warm timbrierte und höhensicher strahlende Tenorstimme. Ebenfalls höhensicher und besonders spiel- und tanzfreudig das Buffopaar Christian Bauer als Pierrino und die koloraturgewandte Sonja Adam als Anita. Gleich in mehreren Rollen glänzen der Grazer Publikumsliebling Gerhard Balluch und bassprofund Rupert Bergmann.

Bereits die zweite Vorstellung (22. Juli) der Fledermaus wurde nicht vom Premierendirigenten, sondern von Chordirektor Thomas Huber geleitet, der auch als Dirigent blendend reüssierte: Mit sängerfreundlichen Tempi und gerade soviel Rubato wie nötig hielt er das Franz Lehár-Orchester zu engagiertem, präzisem und differenziert-transparentem Spiel an; wie bereits am Vorabend erwies sich der Chor nicht nur als spielfreudig, sondern auch als musikalisch engagiert und ausdrucksstark.
Als beinahe ideal ist die Besetzung zu bezeichnen: Miriam Portmann und Reinhard Alessandri als Gabriel und Rosalinde, die ganz gerne an ihrem Flachmann nippt, beide mit starker Bühnenpräsenz, sie mit rundem und strahlendem Sopran, er mit schönem lyrischem Tenor, nicht leicht findet man einen Eisenstein, der so gut singt. Ebenfalls mit sicheren Spitzentönen wartet Taylan Memioglu in der Rolle des Alfred auf, der sich noch dazu herrlich selbst karikiert, mit klangschönem Bariton punktet Thomas Zisterer als Dr. Falke, einen köstlich gelangweilten Orlofsky gibt Stephanie Houtzeel, Kurt Malik stottert nach Belieben als Dr. Blind. Das Zwillingspaar Elisabeth Schwarz und Theresa Grabner gibt die Schwestern Adele und Ida, teilt sich auch schwesterlich das Couplet Mein Herr Marquis und lässt stimmlich keine Wünsche offen. Einen der Höhepunkte erreicht die Aufführung im dritten Akt, wenn das Ehepaar Helga Papouschek als Frosch und Kurt Schreibmayer in der nach Alfred und Eisenstein für ihn neuen Rolle als Gefängnisdirektor Frank aufeinandertreffen, die Papouschek steht ihren vielen männlichen Vorgängern in dieser Rolle um nichts nach.
In der phantasievollen und farbenprächtigen Ausstattung von Johannes Haufe inszeniert Wolfgang Dosch das Stück vor dem Hintergrund des Börsenkrachs anlässlich der Weltausstellung von 1873 sehr detailverliebt und textgenau, die präzise und stimmige Personenführung arbeitet jeden einzelnen Charakter schön heraus und verleiht ihm schlüssige Individualität.

Fazit: Zwei unter allen Aspekten bemerkenswerte Aufführungen, die man sich nicht entgehen lassen sollte!


Informationen und Termine: www.leharfestival.at

Text: Wolfgang Würdinger









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