|
Opernhaus Graz:
Mozart: La clemenza di Tito
Geglückter missglückter Anschlag
von Ulrich Braunegg
(Graz, 03.06.2007). Vitellia, die Tochter des Kaisers Vitellius, erbost darüber, dass der Kaiser Titus die Ausländerin Berenike und nicht sie zu seiner Gemahlin bestimmt hat, versucht Sextus, einen Freund des Titus, davon zu überzeugen einen Anschlag auf Rom auszuüben. Sextus ist in sie verliebt und kann ihr nur schwer widerstehen und willigt schließlich ein den Staatsstreich auszuführen. Annius, ein anderer Freund des Sextus kommt zu ihm und bittet ihn um die Hand seiner Schwester Servilia. Sextus willig ein und Annius will Servilia die frohe Nachricht überbringen doch er und Sextus werden von Publius, dem Präfekten der Prätorianer, zum Kaiser gerufen. Titus hat beschlossen Berenike doch nicht zu heiraten und bestimmt nun Servilia zu seiner Frau. Sextus weiß nicht wie er sich zwischen seinen Freunden entscheiden soll, doch Annius gratuliert dem Kaiser zu seiner Wahl und entbindet Sextus dadurch von seinem Versprechen. Annius überbringt seiner Geliebten die Nachricht und sie geht zum Kaiser um ihm mitzuteilen, dass sie ihn nicht heiraten kann da ihr Herz bereits Annius gehört. Titus erklärt schließlich Vitellia zu seiner Frau, die, als sie das erfährt, versucht den Anschlag doch noch abzuwenden, aber es ist zu spät. Sextus legt am Kapitol Feuer. In seiner Verzweiflung über seine Tat glaubt er Titus getötet zu haben, doch der Kaiser hat überlebt. Publius befragt den gefangenen Sextus und führt ihn dem Kaiser vor welcher, erweicht von der Reue seines Freundes, beschließt ihm zu vergeben. Er behält dies aber vorerst für sich. Vitellia ist verzweifelt über Sextus’ Schicksal und beschließt sich vor dem Kaiser als Mitverschwörerin zu enttarnen um Sextus den Tod des Verräters zu ersparen. Vor dem versammelten Volk will Titus gerade den Urteilsspruch den er über seinen Freund verhängen will bekannt geben, doch er wird von Vitellia unterbrochen die ihre Schuld gesteht. Titus ist enttäuscht doch er vergibt der zukünftigen Kaiserin und dem Freund.
Meisterlich inszeniert von Michael Sturminger wird Mozarts Oper über den Kaiser Titus Flavius Vespasianus in die Gegenwart versetzt. Das brennende Kapitol wird durch eine Autobombe ersetzt deren Explosion vor der Oper gefilmt wurde und auf eine Leinwand auf der Bühne projiziert wird. Das Bühnenbild von Renate Martin und Andreas Dornhauser ist durch geschickte Benützung von Dreh- und Hebebühne in der Lage die handelnden Figuren zu trennen und zusammenzuführen wann immer die Dramaturgie des Stückes dies verlangt.
Aleksandrs Antonenko der den Titus gibt kann in seiner Rolle nicht begeistern da er sowohl in den Arien wie auch in den Rezitativen kaum Emotion zeigt, ganz im Gegensatz zu Tamar Iveri die als Vitellia jedes Wort betont und von zärtlichem Flüstern bis zu wütendem Aufschrei die gesamte Bandbreite menschlicher Emotionen zeigt. Stephanie Houtzeel als Sextus begeistert vor allem in den Koloraturen ihrer Partie. Margareta Klobučar gibt eine entzückende Servilia, Jutta Panzenböck den schüchternen Annius und Wilfried Zelinka einen imposanten Publius.
Abgerundet von der ausgezeichneten Leistung des Orchesters welches unter der Leitung von Michael Hofstetter so fein differenziert spielt gibt es nur einen kleinen dunklen Punkt an diesem Abend. Das von Catherine McShane großartig gespielte Cembalo klingt so als würden Metallspäne auf den Seiten liegen und hat nichts vom eleganten Klang den das Instrument normalerweise haben sollte. Dennoch ist dieser Abend ein wahres musikalisches und optisches Vergnügen.
Text: Ulrich Braunegg
|
|
Triumph für den Kaiser
von Wolfgang Würdinger
(Graz, 03.06.2007). Zu einem einhelligen Erfolg für alle Beteiligten geriet die letzte Premiere der heurigen Saison, Mozarts vor allem szenisch nicht ganz leicht zu realisierende vorletzte Oper, La clemenza di Tito.
Regisseur Michael Sturminger verlegt die Handlung behutsam in die Jetztzeit, Titus tritt von Bodyguards umringt bei einer Soiree der feinen römischen Gesellschaft auf und spendet für wohltätige Zwecke, sehr schön wird die zeitlose Gültigkeit des Spiels um Liebe, Freundschaft, Hass, Macht und gesellschaftliche Positionen anschaulich gemacht. Unterstützt wird dieses Konzept vom Bühnenbild von Renate Martin und Andreas Donhauser, die auch für die Kostüme verantwortlich zeichnen. In einem Kubus spielt sich die Handlung auf zwei Ebenen ab, unten der Salon, oben das Zentrum der Macht, Titus’ Großraumbüro. Im Lauf des Abends verschieben sich dann die Ebenen, die Drehbühne wird eingesetzt, sodass die auch seelischen Verwirrungen deutlich werden. Besonders beeindruckend die Szene, in der Titus seinen Freund Sextus persönlich verhört.
Die musikalische Realisierung steht der szenischen in nichts nach: Ganz eindeutig dominieren schon rein zahlenmäßig - die Damen, allen voran Stephanie Houtzeel als auch darstellerisch besonders intensiver Sextus, die Zerrissenheit des Charakters glaubt man ihr gerne; ihr klangschöner Mezzo hat vor allem in der Mittellage an metallischer Strahlkraft noch hinzugewonnen, zweifelsohne eine Weltklasseleistung. Eine ebensolche vollbringt Tamar Iveri in der schwierigen Rolle der Vitellia, die Koloraturen meistert sie mühelos, und auch die geforderte Tiefe strömt samtig und weich. Das Damenquartett ergänzen Jutta Panzenböck als juveniler Annius und Margareta Klobučar als glöckchenreine Servilia. Wilfried Zelinka ist ein profunder Publius, und Aleksandrs Antonenko debütiert als Titelheld, wie denn überhaupt der Besetzungszettel nur aus Rollendebütanten bestand.
Für den italienischen Altmeister der Kritik Rodolfo Celletti gab es zwei Arten von Tenören, die Mozart singen, und zwar die, die ihm nicht gefielen, und die con los cujones, und er meinte hier Kaliber wie Tauber, Roswaenge, Anders, Dermota oder Wunderlich. Antonenko würde für ihn zweifelsohne in die letztere Kategorie fallen, nur stellenweise hat man den Eindruck, die Stimme sei beinahe zu schwer für den Titus, sein in der italienischen Tradition geschulter Tenor kommt in dieser Mozartrolle sehr gut zur Geltung. Unterstützt wird er speziell bei den Koloraturen - natürlich vom herausragenden Dirigat von Michael Hofstetter, unter dessen Leitung das besonders engagiert, transparent und dramatisch-federnd spielende Grazer Philharmonische Orchester beinahe alles aus der Partitur holt, was möglich ist. Äußerst differenziert und besonders klangschön im Piano präsentiert sich auch der Chor der Grazer Oper.
Ein grandioses Finale der Saison also, und ist es der Grazer Oper eindrucksvoll gelungen, den Beweis dafür zu erbringen, dass La clemenza di Tito nicht gepflegte Langeweile ist, sondern aufregendes Musiktheater sein kann.
Text: Wolfgang Würdinger
|
Leider gibt es nur wenige Folgevorstellungen:
9., 14., 17., 20., 22., 24. und 27. Juni 2007
|
|