Schauspielhaus Graz:

Molière: Der Menschenfeind
Misanthropie im Schauspielhaus

(Graz, 24.05.2007). Alceste hasst die Menschen ob ihrer Verlogenheit und ihrer unaufrichtigen Schmeicheleien. Er ist immer ehrlich, sagt allen deutlich seine Meinung. Sogar so deutlich, dass er, entgegen der Ratschläge seinen Freundes Philinte, den vermeintlichen Dichter Oronte vor den Kopf stößt und ihn so sehr beleidigt, dass dieser ihn bei Gericht verklagt. Dennoch, obwohl er höchste Ansprüche an Tugend und Rechtschaffenheit, an Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit stellt, liebt er Célimène, im Bewusstsein, dass sie seinen hohen Idealen nicht gerecht wird und sie mit ihrer Koketterie alle Männer um sich schart. Alle Männer, außer Philinte der seinerseits Éliante verfallen ist, lieben Célimène, so wie Éliante und Arsinoé Alceste ihr Herz zu Füßen legen. Doch während für Alceste nur die schöne Célimène existiert und er mit ihr fortgehen möchte um sie nur für sich zu haben und sie daran zu hindern mit allen Männern zu flirten, kann diese sich nicht für einen Mann entscheiden. Erst als Acaste  und Clitandre einander schwören, dass der von ihnen der als erster einen Beweis ihrer Zuneigung hat, vom anderen verlangen kann fortan die Finger von ihr zu lassen, fliegt Célimènes Spiel auf. Denn beide erhalten Briefe in denen sämtliche Freier verhöhnt werden und nur der jeweils angeschriebene gelobt wird. Alceste bittet Célimène trotzdem ein letztes Mal um ihre Hand, doch sie kann sich nicht für ein Leben in der Abgeschiedenheit entscheiden. Zurückgestoßen will er sich nun doch Éliante hingeben, doch diese hat inzwischen Philinte erhört und weist ihn ebenfalls ab.

Die zeitlose Handlung um einen, dem die Verlogenheit des alltäglichen menschlichen Zusammenlebens zuviel geworden ist, wird in der Regie von Patrick Schlösser im Grazer Schauspielhaus in die sechziger Jahre versetzt, was die Gültigkeit des Stoffes bis in die heutige Zeit hervorhebt. Eine schräge Fläche, rechts vorne zwei einfache Fauteuils, rechts und links hinten großblättrige Pflanzen, dahinter eine leicht konkave, von Szene zu Szene in anderen Farben beleuchtete, weiße Wand bildet das einfache und doch wirksame von Paul Lerchbaumer gestaltete Bühnenbild.

Alcestes Misanthropie und Célimènes Koketterie werden von Jan Thürmer und Martina Stilp höchst glaubhaft dargestellt. Neben ihnen verblasst Andrea Wenzels Éliante leider ein wenig und hat zu wenig Kontur. Friderike von Stechow hingegen gibt eine Arsinoé die gleichzeitig so intrigant und bigott ist wie sie nur kann. Max Mayers Acaste ist vielleicht ein wenig zu sehr betrunkener Rockstar um als Freier ernst genommen werden zu können doch die anderen Verehrer – Dominik Warta als Oronte und Franz Josef Strohmeier als Clitandre – spielen ihre Rollen überzeugend und deutlich von einander differenziert.

Es ist ein Abend der beweist, dass viele Werke des 18. Jahrhunderts auch heute noch ihre Aufführungsberechtigung nicht verloren haben. Ein Triumph in der letzten Premiere der Saison auf der Hauptbühne des Schauspielhauses.


Folgevorstellungen:

2., 3., 13.,16., 20. und 22. Juni

Text: Ulrich Braunegg







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